Medienspiegel

Sag’ es durch den Flüchtling

Von Anabel Schunke

Die Migrationskrise hat jene heuchlerische Doppelmoral in Bezug auf den Umgang mit der menschlichen Würde hierzulande entlarvt.

Und sie entlarvt sie täglich von Neuem.

Zeigt der Text eines Syrers über Obdachlose in Berlin.

(…) „Jörg Baberowski, seines Zeichens vom AStA der Uni Bremen ohnehin zum Rechtsradikalen (vermutlich, weil kein Flüchtling) erklärt, kommentiert hierzu auf seiner Facebook-Seite: „Obdachlose haben keine Lobby. Niemand könnte mit ihrer Unterbringung Geld verdienen oder sich moralisch vor anderen aufrüsten. Weit und breit kein Gutmensch, der sie mit Teddybären bewirft.“

Ich gehe noch weiter. Und behaupte, dass die Obdachlosen in Deutschland nicht mehr die einzige Gruppe ohne Lobby in Deutschland sind. Dass es uns zweifelsohne nicht so unmittelbar und hart trifft wie sie, dass wir langfristig aber alle dafür zahlen werden, dass man unser aller Würde längst wie ein Flugzeug zum Abschuss freigegeben hat.

Die Migrationskrise hat jene heuchlerische Doppelmoral in Bezug auf den Umgang mit der menschlichen Würde hierzulande entlarvt. Und sie entlarvt sie täglich von Neuem. Immer dann, wenn die Politik wieder den Kniefall vor dem Islam und seinen Vertretern übt, während sie die Kritiker der Asylpolitik als Pack beschimpft. Immer dann, wenn sich die Kanzlerin Zeit für die unverletzten Opfer eines ungeklärten Anschlags auf eine Moschee nimmt, während sie mit keinem einzigen Opfer der Kölner Silvesternacht oder des Terrors in Deutschland je gesprochen hat. Immer dann, wenn unsere Öffentlich-Rechtlichen Übergriffe auf Asylbewerber anprangern, während sie nicht annähernd die gleiche erzieherische Empörung an den Tag legen, wenn ein junger Sechzehnjähriger von einem südländlisch aussehenden Mann erstochen und seine Freundin anschließend in die Alster gestoßen wird.

Ja, immer dann wird unsere Würde verletzt. Immer dann wird das eine Menschenleben für schützenswerter, für wertvoller erachtet als das andere. Immer dann geschieht in der Praxis mit der Würde das, was wir in der Theorie so unbedingt vermeiden wollen, wenn wir uns darüber streiten, ob man das fiktive Flugzeug nun abschießen darf oder nicht. Darüber sollten wir reden. Direkt. Nicht durch die Blume und nicht durch den Flüchtling.“

http://www.tichyseinblick.de/meinungen/sag-es-durch-den-fluechtling/