Medienspiegel

Abschied von der Globalisierung?

Veröffentlicht

Der Politologe Ivan Krastev begreift den Triumph Donald Trumps bei der US-Wahl als Zeichen für eine reaktionäre Zeitenwende, als populistische Rebellion der Weißen gegen die Globalisierung.

19.11.2016 | 18:06 |   (Die Presse)

Der französische Botschafter in den USA, Gérard Araud, twitterte nach der Wahl Donald Trumps: Die Welt geht vor unseren Augen unter. War das eine Übertreibung oder eine zutreffende Analyse?

http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/5121092/2017-konnte-ein-Revolutionsjahr-wie-1917-werden?from=gl.home_politik

Kommentar GB:

Bekanntlich hat alles zwei Seiten, und so ist es auch mit der Globalisierung, sowohl im Hinblick auf ihre ökonomische wie im Hinblick auf ihre politische Dimension. Die Kehrseite der Globalisierung, die bisher so unsichtbar geblieben ist wie die Rückseite des Mondes, sie ist jetzt zum Vorschein und ins Licht gekommen, mit all den Nachteilen, die die Globalisierung gebracht hat. Wir sehen, um im Bild zu bleiben, jetzt die Rückseite des Mondes als seine Vorderseite. Das ist ungewohnt.

Wenn ich Donald Trump richtig verstanden haben, will er sich schwerpunktmäßig der Beseitigung oder der Reduzierung dieser Nachteile widmen. Es handelt sich hierbei um reale Probleme, z. B. die Erneuerung der Infrastruktur, und legitime Interessen, zum Beispiel neue Chancen für die von den Nutznießern der Globalisierung geschädigten Menschen. Das soll reaktionär sein? Warum?

Wir werden a sehen, welche praktische Politik eingeschlagen werden wird.