Medienspiegel

Abschreckung durch Freiheit: Wie wir die offene Gesellschaft verteidigen sollten

Veröffentlicht
  –  Deutscher Philosoph, Autor, religions- und kulturkritischer Publizist

„An runden Tischen verliert man seine Kanten. Das kann hilfreich sein, wenn sich die Gesprächspartner kooperativ verhalten und gemeinsam nach Lösungen suchen, die allen dienen. Es kann aber auch von Nachteil sein, wenn einer der Beteiligten seine Kanten beibehält und als Widerhaken benutzt, um den geschmeidig gewordenen Partner über den Tisch zu ziehen.

Leider drängt sich immer mehr der Eindruck auf, dass Letzteres geschieht, wenn Repräsentanten demokratischer Staaten mit Vertretern autoritärer Regime verhandeln. Dass es hier ein gewisses Ungleichgewicht gibt, erkennt man schon an kleinen, symbolischen Gesten: So bedecken westliche Politikerinnen, wenn sie Saudi-Arabien oder den Iran besuchen, ihr Haar meist artig mit einem Kopftuch.

Im Gegenzug jedoch käme keine Vertreterin des Iran auf den Gedanken, ihr Kopftuch aus „ Respekt vor der europäischen Kultur “ abzulegen – was verständlich ist, wenn man sich die politischen Verhältnisse im Iran vor Augen führt.

Völlig unverständlich ist jedoch, wie sehr die europäischen Länder mitunter ihre eigenen Werte verleugnen : Symptomatisch hierfür war das Verhalten der italienischen Behörden, die im Januar 2016 nackte Statuen auf dem Kapitol verhüllen ließen, um ihren „ Respekt “ (  ! ) gegenüber dem Glauben des Präsidenten des islamofaschistischen Iran, Hassan Rohani, zum Ausdruck zu bringen.

Nun könnte man solche Rücksichtnahmen gegenüber den neurotischen Freiheitsängsten muslimischer Funktionäre noch als harmlose politische Farce abtun, wenn die Rückgratlosigkeit, die sich in solchen Gesten manifestiert, nicht auch auf bedeutsameren Gebieten zum Tragen käme.“ (…)

http://www.huffingtonpost.de/michael-schmidtsalomon/freiheit-europa-kinder-verderben_b_13036926.html?utm_hp_ref=germany