Medienspiegel

Bedrohte Minderheiten: Die Unbekehrten vom Hindukusch

von Volker Pabst, Delhi 22.11.2016
Der Gegensatz der hellhäutigen, Wein trinkenden Kalasha zur Mehrheitsbevölkerung in Pakistan könnte kaum grösser sein. Die Abstammung von den Soldaten Alexanders des Grossen aber ist eine Legende.
Kafir, Ungläubiger oder Gotteslästerer, ist kein schmeichelhafter Begriff in der islamischen Welt. Und ebenso wenig darf eine Gegend auf viel Sympathie hoffen, die in einem fast ausschliesslich muslimischen Land Kafiristan, Land der Ungläubigen, genannt wird. (…) (Hervorhebung GB)

Die Kalasha in Pakistan werden als Kafirun (Plural von Kafir) bezeichnet. (Hervorhebung GB) Der Gegensatz zur konservativen islamischen Kultur im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet könnte kaum grösser sein. Die Kalasha bauen Wein an und konsumieren diesen an ihren religiösen Festen ausgiebig, der Umgang zwischen den Geschlechtern unterliegt zwar auch hergebrachten Rollenmustern, ist aber in keiner Weise mit der faktischen Segregation in der muslimischen Mehrheitsgesellschaft zu vergleichen. Das öffentliche Auftreten der Frauen mit ihren farbenfrohen Kleidern und kunstvoll geflochtenen Haaren kontrastiert mit der strengen Kleiderordnung einer Region, in der die Burka weit verbreitet ist.

Hinzu kommt das physische Unterscheidungsmerkmal der hellen Haut, auch blonde Haare und blaue Augen kommen vor. Seine Exotik hat dem kleinen Gebirgsvolk in den letzten Jahrzehnten viel Aufmerksamkeit beschert, als Objekt wissenschaftlicher Studien, mystischer Verklärungen, touristischer Neugier und religiöser Bekehrungsversuche. (…)

Als Hauptursache für die Konvertierungen wird oft die wachsende religiöse Intoleranz genannt. (Hervorhebung GB) Das pakistanisch-afghanische Grenzgebiet ist ein Rückzugsort für mehrere islamistische Rebellengruppen, denen der Lebenswandel der Kalasha ein Dorn im Auge ist. Und tatsächlich gibt es zahlreiche Berichte über Konvertierungen unter Zwang – oder auch durch List. Rückgängig zu machen sind diese im Islam nicht, und eine Abkehr vom muslimischen Glauben ist auch nach pakistanischem Recht strafbar.“ (Hervorhebung GB) (…..)

http://www.nzz.ch/international/nahost-und-afrika/bedrohte-minderheiten-die-unbekehrten-vom-hindukusch-ld.129764

Kommentar GB:

Ist es mit der negativen Religionsfreiheit zu vereinbaren, wenn ein Austritt aus der islamischen Umma mit dem Tode bedroht wird? Und das überall, nicht nur in Pakistan? Die Antwort lautet: nein.

Art 4 GG garantiert, nach seiner negativen Seite hin, daß jeder Mensch frei darin ist, eine Glaubensgemeinschaft zu verlassen, oder, positiv gewendet, einer (anderen) Glaubensgemeinschaft beizutreten, oder darauf ganz zu verzichten, einer solchen anzugehören.

Kann sich der Islam daher auf Art. 4 GG berufen?

Meines Erachtens: Nein.

Der Islam verletzt mit seinem Apostasie-Verbot das Grundgesetz.