Medienspiegel

Das europäische Schattenbankensystem

Veröffentlicht

Bestandsaufnahme und gegenwärtige Entwicklungen

Karl Beyer und Lars Bräutigam, 9. November 2016

„Europäische Schattenbankenstrukturen, von welchen erhebliche Risiken für die Finanzstabilität ausgehen können, konzentrieren sich mehrheitlich auf nur wenige Staaten. Obgleich ihre Regulierung in Gefolge der Finanzkrise in ihrer Reichweite begrenzt blieb bzw. noch nicht abgeschlossen ist, werden im Rahmen der geplanten Kapitalmarktunion Schattenbankenaktivitäten zur Lösung gegenwärtiger Problemlagen schon wieder gefördert. Es sind vor allem die Länder mit den am stärksten ausgeprägten Finanz- und Schattenbankensektoren, die eher für eine weitere Liberalisierung denn für finanzmarktstabilitätsorientierte Reformen eintreten.

Der Begriff Schattenbankensystem wurde im Verlauf der Finanzkrise von 2007ff. geprägt, um ein Geflecht von zuvor weitgehend als unproblematisch erachteten Finanz(markt)praktiken zu erfassen, welche in Zusammenhang mit Kreditintermediationsprozessen jenseits des konventionellen Bankensystems stehen. Diese Strukturen, welche im Zentrum der Krise standen, haben vor allem ab Ende der 1990er Jahre eine gewaltige Expansion erfahren. Aber auch heute gehen von diesem Sektor noch erhebliche Risiken für die Finanzstabilität aus, wie etwa die Europäische Zentralbank in ihrem Jahresbericht für 2015 mit Blick auf den Euroraum hervorstreicht. Allein deswegen bedarf dieser Sektor der intensiven akademischen Beschäftigung und aufsichtsbehördlichen Überwachung. Bisher war und ist die wissenschaftliche Beschäftigung vor allem auf die USA konzentriert, obgleich gemäß den Erhebungen des Financial Stability Boards Ende 2014 mit 50% die Mehrheit der Aktiva des globalen Schattenbankensystems auf Europa entfielen.“ (…)

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