Medienspiegel

Harte Landung des Dollars als Welt-Währung möglich

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Der Ökonom Achim Dübel hält das Ende des Petro-Dollars für unausweichlich. Offen sei allerdings, ob die US-Regierung selbst aktiv werden – oder Russland und China einen Überraschungscoup landen können.

(…) „Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Welche Rolle spielt der Petro-Dollar?

Achim Dübel: Der Petrodollar ist aus historischer Sicht die Ursache der heutigen holländischen Krankheit der USA. Er ersetzte in den 70er Jahren das Währungssystem von Bretton Woods, in dem die Währungen Europas, Australiens und Japans zuvor fest an den Dollar und dieser an Gold gekoppelt waren und die damit als Reservewährungen untereinander zumindest in bestimmten Grenzen austauschbar waren. Das System zerbrach, als die US-Schulden infolge des Vietnamkriegs explodierten und die USA im Alleingang durch die Entkoppelung vom Gold faktische Schuldenschnitte durchsetzten. Großgläubiger damals war Deutschland, das zuvor auf Rückzahlung von Forderungen in Gold durch die USA verzichtet hatte.

Angesichts dieser Tumulte verlieh die Vereinbarung mit den Golfstaaten, den Ölhandel in Dollar zu fakturieren, der neuen Papierwährung relative Stabilität. Die Kehrseite war, dass mit der einseitigen Festlegung auf den Dollar als Handelswährung eine noch extremere Nachfrage nach US-Schuldtiteln als unter Bretton Woods erzeugt wurde, die die Grundlage der heutigen Finanzlastigkeit der US-Wirtschaft legte. Nur im Zusammenhang mit der Dollarschwemme der 70er ist z.B. die Liberalisierung der globalen Kapitalmärkte der 80er Jahre zu verstehen, die Keynes noch in Bretton Woods weitgehend verhindert hatte.

Die Exporteure in die USA wie Saudi-Arabien, Deutschland und Japan brauchten in den 80er Jahren immer neue Finanzanlagen im Dollar, die im Aufstieg befindlichen Investmentbanken produzierten sie. Wichtig war auch die damit immer tiefere Liquidität des US-Kapitalmarktes, die die Illusion eines sicheren Hafens erzeugte und so zu Dollarhaltung nicht nur aus Transaktions- sondern auch aus Vorsichtsmotiven führte. Die Asienkrise Ende der 90er Jahre brachte so einen massiven Schub an Dollar-Anlagen, vor allem aus China, der letztlich die massive Steigerung der Militärausgaben durch die Bush-Regierung finanzierte. Auch ein Peer Steinbrück fühlte sich Mitte der 2000er auf der sicheren Seite, als er mehr als 20 Milliarden Euro an NRW-Steuergeldern in Hypothekenpapiere an der Wall Street anlegte.

Die Metamorphose des Petrodollars zur bevorzugten globalen Handels- und Anlagewährung mit Hilfe der Wall Street wurde von der Fed-Politik billigen Geldes der drei auf Paul Volcker folgenden Zentralbankpräsidenten noch befeuert. All das hat die Überbewertungstendenzen des Dollars und die beschriebenen wirtschaftlichen Fehlentwicklungen in den USA verschärft.“ (…)

https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/11/19/oekonom-harte-landung-des-dollars-als-welt-waehrung-moeglich/?nlid=b76115fc4d

Kommentar GB:

Es ist dies m. E. ein außerordentlich erhellender und wichtiger Artikel, der unbedingt gelesen werden sollte.