Medienspiegel

Hildesheimer Hochschulpräsidentin hört auf

Nach Antisemitismus-Vorwürfen gegen die Hildesheimer Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst zieht sich Präsidentin Christiane Dienel aus der Führung zurück. Zuvor hatte der Senat der Hochschule beschlossen, Dienel nicht länger für eine zweite Amtszeit als Präsidentin zu empfehlen.

„Hildesheim. Mit bitteren Worten hat Christiane Dienel, die bisherige Präsidentin der Hildesheimer Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK), ihren Rauswurf kommentiert – bisheriger Höhepunkt im Antisemitismus-Streit, der seit Monaten die Hochschule belastet. „Was ich in den letzten Wochen erleben musste, ist eine von Furcht und Verantwortungslosigkeit geprägte Reaktion fast aller Beteiligten“, schrieb Dienel.“ (…)

„In der Landespolitik wurde die „Kündigung“ Dienels mit Erleichterung, aber auch mit Verwunderung aufgenommen. „Der Senat bereinigt eine Situation, die eigentlich die Wissenschaftsministerin geklärt haben sollte“, meinte der CDU-Fraktionsvize Jörg Hillmer. Doch dafür habe der Ministerin die Kraft gefehlt. Es sei „haarsträubend“, wie man mit dem Zentralrat der Juden umgegangen sei, der sich über das Seminar beschwert, aber lange Zeit kein Gehör gefunden hatte.
Überrascht zeigten sich die Wissenschaftsexperten Silke Lesemann (SPD) und Ottmar von Holtz (Grüne) über den Rauswurf. „Eigentlich sollte noch ein Gutachten abgewartet werden.“ Lesemann wies auch auf die großen Leistungen Dienels hin, die die HAWK nach vorn gebracht habe. Holtz merkte an, dass Dienel auch schon vor dem Antisemitismus-Streit umstritten war. „Der Rückzug war wohl nötig“, meinte FDP-Landtagschef Christian Dürr. Nun müsse die Affäre „vernünftig aufgearbeitet“ werden.“

http://www.haz.de/Nachrichten/Politik/Niedersachsen/Hildesheimer-Hochschulpraesidentin-hoert-auf

http://www.fr-online.de/wissenschaft/antisemitismus-affaere-in-hildesheim-nahost-seminar-war–nicht-tragbar-,1472788,34937952.html

Kommentar GB:

Der alte Antisemitismus tritt kaum noch in Erscheinung. Das aber heißt nicht, daß es ihn nicht mehr gäbe. Er tritt heutzutage vorzugsweise mit islamophiler oder proarabischer oder propalästinensischer Maske auf.

Daraus folgt allerdings nicht, daß jede Kritik an der israelischen Politik antisemitisch wäre. Das ist sie nicht. Denn selbstverständlich kann es Kritik erfordernde Sachgründe geben, wie überall sonst auch. Aber es kommt hier eben auf die Motive dieser Kritik an; sie verdienen daher eine besondere Aufmerksamkeit. Diese sind allerdings nicht unmittelbar erkennbar oder direkt nachweisbar, aber es gibt ggf. wiederum Indizien, die mehr oder minder deutlich darauf hinweisen.

Das ist es, was in der Fakultät Soziale Arbeit an der HAWK Hildesheim vermutlich verkannt oder übersehen worden ist. Es fehlte der Dekanin anscheinend an dem nötigen Problembewußtsein, und die Präsidentin der HAWK haftet für diesen Mangel an Sorgfalt und Steuerung zwar nicht in sachlicher, aber doch in politischer Hinsicht.

Das Ministerium sollte es m. E. der Hochschule selbst überlassen, das Amt des Präsidenten neu zu besetzen. Politische Einmischung, sei es direkt, sei es indirekt, sei es frauenpolitisch, sie schadet der Sache.