Medienspiegel

Steinmeier: Maß und Mitte = Mittelmaß?

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Freitag, 18. November 2016

„Ohne Superlative geht es nicht mehr. Sie klingen selbst im Echo der Lobeshymnen nach, die den SPD-Politiker Steinmeier zum Giganten hochjazzten. Seit klar ist, dass er Bundespräsident werden soll, sprießen die Vorschusslorbeeren himmelhoch. Den Bürgern wird beigepult, welches Juwel die SPD und das Bundeskabinett ziert. Viele Würdigungen des Mannes, die ihm Maß und Mitte zuschreiben, tun sich schwer, Maß und Mitte zu wahren.

Prokurist des rechten Flügels

Viele Kommentatoren betrachten Politik wie einen Kampfsport. Viele, die sich heute über das Präsidentenamt und den Kandidaten staatstragend äußern, spielten vor fünf Jahren dem Amt und dem damaligen Amtsinhaber übel mit. Die schäbigen Attacken gegen Wulff zählen zu den Tiefpunkten des Nachkriegsjournalismus. Damals wurden nicht nur etliche Journalisten, sondern auch viele Politiker ihren Aufgaben nicht gerecht.

Was man heute über Steinmeier liest, hört und sieht, nährt den Verdacht, die SPD habe den Mann jahrelang unter Wert verkauft. Dabei müsste sie wissen, was sie an ihm hat. Seit Langem steht er an der Spitze der zehn wichtigsten Politiker. Würde man einen wie ihn nicht an der Spitze seiner Partei vermuten? Doch dort ist kein Platz für ihn. Die SPD lässt sich lieber von Gabriel führen, der im Politbarometer auf dem vorletzten Platz rangiert.

Was Maß und Mitte angeht: Steinmeier führt die SPD nicht an, weil er Prokurist ihres rechten Flügels ist. Die SPD mit ihrer Spannbreite zu moderieren, würde seine Möglichkeiten übersteigen, wie 2008 beim Sturz des SPD-Vorsitzenden Beck deutlich wurde. Die Partei, die Steinmeier die Rolle an ihrer Spitze nicht zutraut, hält ihn für geeignet, die Rolle an der Spitze des Staates zu spielen. Über die Zustände in der SPD spricht das Bände.“ (…)

Steinmeier: Maß und Mitte = Mittelmaß?