Medienspiegel

Vortrag: Wie Ärztinnen zu Mörderinnen wurden

Veröffentlicht

von Andreas Bode am 25. November 2016.

„Hildesheim – Sie waren Mörderinnen, aber in der Gesellschaft hoch angesehen. In einem Hamburger Krankenhaus hatten junge Medizinerinnen während der Zeit des Nationalsozialismus mindestens 56 behinderte Kinder getötet. Innerhalb eines reichsweiten Programms, das als Euthanasie-Mord in die Geschichte eingegangen ist.

Andreas Babel, Blattmacher bei der Celleschen Zeitung, spricht am Mittwoch, 7. Dezember, um 19 Uhr im Riedel-Saal der Volkshochschule über seine Forschungen zum Thema „Kindermord im Krankenhaus“.

Der Adjutant Hitlers

Auf das Thema gekommen ist Babel 2009 nach dem Tod des einstigen Kreisgeschäftsführer des Roten Kreuzes in Celle, Fritz Darges. Der hatte fast 60 Jahre in Celle gelebt, und nur seine Freunde wussten: Er war einer der letzten Adjutanten Adolf Hitlers. Verheiratet war er mit der langjährigen Chefin der Kinderklinik des Allgemeinen Krankenhauses Celle, Helene Darges-Sonnemann. Babel enthüllte, dass die Ärztin während der NS-Zeit in einem Hamburger Krankenhaus behinderte Kinder getötet hatte.

In der Neuauflage seines Buches „Kindermord im Krankenhaus“, die jetzt im Verlag Edition Falkenberg erscheint, hat der Autor weitere Belege für das unsägliche Wirken dieser Medizinerin zusammengetragen. Darges-Sonnemann hatte 1969 einer jungen Mutter geraten, ihr Kind in den Durchzug zu stellen, damit es eine Lungenentzündung bekomme. Dann solle sie eben nicht zum Arzt gehen, und dann sterbe das Kind, hatte die Ärztin ihr gesagt. Die verzweifelte Mutter wählte nicht diesen qualvollen Weg der Tötung. Stattdessen drückte sie Edda ein Kissen auf den Kopf und wartete, bis der wenige Monate alte Säugling, der behindert auf die Welt gekommen war, nicht mehr zappelte.

Herzlos und gefühlskalt

Mehrere andere Zeitzeugen berichten von einer herzlosen, gefühlskalten Medizinerin, die verzweifelte Eltern auf dem Flur abkanzelte, wenn sie sich mit deren angeblich unheilbaren Kindern nicht mehr abgeben wollte. Weitere Zeitzeugen bestätigen, dass Sonnemann ihre NS-Sicht von „unwertem Leben“ offenbar zumindest bis zu ihrem beruflichen Ende 1976 beibehielt. Sie empfahl mehreren Eltern, ihre Kinder sterben zu lassen.

Babels Buch zeigt aber auch: Es gab nicht nur 11 der 15 Assistenzärztinnen an dem Hamburger Krankenhaus , die nahezu widerspruchslos behinderte Kinder mit einer Überdosis des Schlafmittels Luminal töteten, sondern auch vier Ärztinnen, die sich weigerten mitzumachen. Babel möchte an deren Beispiel zeigen, dass es auch in einem Terror-Regime möglich war, mit Zivilcourage anständig zu bleiben.

Zu dem Vortrag mit anschließender Diskussion ist Anmeldung erforderlich unter Telefon 93 61-0, Fax 93 61-199 oder E-Mail info@vhs-hildesheim.de. Die Teilnahmegebühr beträgt 7,50 Euro.“

http://www.hildesheimer-allgemeine.de/news/article/wie-aerzte-zu-moerderinnen-wurden.html