Medienspiegel

Der französische Friedrich Merz

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Wolfram Weimer

„Er hat gute Aussichten, nächster Präsident zu werden. Mit ihm bekäme Frankreich den marktwirtschaftlichen Befreiungsschlag. Doch Rechtsextreme wie Sozialisten machen schon mobil gegenden “größten sozialen Kahlschlag der französischen Geschichte”.

Seine Bewunderer halten ihn für eine Mischung aus Donald Trump und dem Papst. Kapitalistisch und katholisch, kraftstrotzend und warmherzig zugleich, Putin-Versteher und Islamkritiker, aber auch Völkerrechtler und Versöhner. Er ist fünffacher Vater wie Trump, aber anders als der nur einer Lebensliebe treu, die er bereits als Schüler kennengelernt hat. Frankreichs Bürgerliche sind nun so begeistert von François Fillon, dass er mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit des konservativen Lagers zum Anwärter auf das höchste politische Amt Frankreichs gewählt wurde.

Für deutsche Ohren klingt das alles ein wenig zu französisch. Hierzulande würde man François Fillon eher als eine Art französischen Friedrich Merz ansehen: geradlinig, wirtschaftsliberal und wertkonservativ. Sein Programm liest sich wie eine Mischung aus FDP und CSU. Entschieden marktwirtschaftlich und ebenso entschieden islamkritisch. [Hervorhebung GB]

Für Frankreich ist Ersteres die große Sensation. Islamkritiker gibt es rund um Marine Le Pen und ihren Front National genug. Doch ein Spitzenpolitiker, der den wuchernden Bürokratenstaat radikal zurückschneiden will, hat sich in Paris lange nicht mehr auf die große Bühne getraut. Eigentlich noch nie. Großbritannien hatte eine Margaret Thatcher, Deutschland immerhin einen Agenda-Schröder.“ (…)

http://www.theeuropean.de/wolfram-weimer/11563-francois-fillon