Medienspiegel

Deutschland als postfaktische Niedergangsgesellschaft

Zur geistigen Lage der Nation

Hartmut Krauss

„Die Verkennung und Verzerrung der objektiven Realität aufgrund subjektiver Interessen, idealistischer Wunschvorstellungen, irrationaler Vorurteile, psychischer Abwehrmechanismen etc. ist nichts wirklich Neues. Vielmehr handelt es sich hierbei um eine wiederkehrende „ideologische“ Entgleisung der menschlichen Verstandestätigkeit und Erkenntnismöglichkeiten. Gerade in Zeiten voller gesellschaftlicher Umbrüche, polarisierender Gegensätze und selbstverschuldeter Problemlagen ist mit vermehrten kognitiven Pathologien zu rechnen.

Doch ist das objektive Sein eine zu erhabene Gegebenheit, als dass es sich auf individuelles Wahrgenommenwerden, egozentrischen Willen oder subjektive Vorstellungskraft reduzieren ließe. Wer bloß behauptet oder sich auf einen realitätsentrückten „Glauben“ zurückzieht bzw. diesen sogar autoritativ hervorkehrt, ohne logisch und tatsachenbezogen zu argumentieren, disqualifiziert sich als Teilnehmer am öffentlichen Diskurs einer vernunftorientierten und wissensbasierten Gesellschaft[1].

Nicht umsonst kennt bereits die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 folgende Einschränkungen:

Artikel 10: „Niemand soll wegen seiner Anschauungen, selbst religiöser Art, belangt werden, solange deren .Äußerung nicht die durch das Gesetz begründete öffentliche Ordnung stört.“

Artikel 11: „Die freie Äußerung von Gedanken und Meinungen ist eines der kostbarsten Menschenrechte: Jeder Bürger kann also frei reden, schreiben und drucken, vorbehaltlich seiner Verantwortlichkeit für den Missbrauch dieser Freiheit in den durch das Gesetz bestimmten Fällen.“

Diese Vorbehalte entspringen keiner Willkür, sondern spiegeln die Grundüberzeugung der Aufklärer, dass das „Gute“ ohne das „Wahre“ nicht auskommt und somit auch die freie Meinung dem Prinzip der Wahrheitsorientierung unterliegt. Ohne Wahrheitsorientierung, die immer dem Modus des Wissens verpflichtet ist, ist die freie Rede im Grunde haltlos und jederzeit pervertierungsanfällig.

Zum Primat der Wahrheitsorientierung als vernünftiges Richtmaß und legitimes Einschränkungsprinzip heißt es bereits im Essay über die Vorurteile bei Du Marsais und d’Holbach (1770),

„dass die Menschen ohne die Wahrheit weder tugendhaft noch glücklich sein können und dass demzufolge für Wesen, die zu einem Leben in der Gesellschaft bestimmt sind, die Wahrheit immer das dringendste der Bedürfnisse darstellen wird.“

Die postfaktische Meinungsmanipulation als Attribut der Herrschenden

Die staats- und regierungsnahe „Gesellschaft für die deutsche Sprache“ (GfdS) hat nun das Adjektiv „postfaktisch“ zum Wort des Jahres gewählt. In ihrer Begründung heißt es:

„Das Kunstwort postfaktisch, eine Lehnübertragung des amerikanisch-englischen post truth, verweist darauf, dass es in politischen und gesellschaftlichen Diskussionen heute zunehmend um Emotionen anstelle von Fakten geht. Immer größere Bevölkerungsschichten sind in ihrem Widerwillen gegen »die da oben« bereit, Tatsachen zu ignorieren und sogar offensichtliche Lügen bereitwillig zu akzeptieren. Nicht der Anspruch auf Wahrheit, sondern das Aussprechen der »gefühlten Wahrheit« führt im »postfaktischen Zeitalter« zum Erfolg.“

Nun ist es zwar richtig, dass es auch in den Medien der sehr heterogenen Gegner des politisch-medialen Herrschaftskartells mitunter faktenfreie und emotionale Wortmeldungen gibt, die zum Teil nicht stubenrein sind. Dennoch ist die einseitig-parteiliche Schuldzuweisung der GfdS an „die da unten“ ihrerseits ebenso faktenwidrig wie hochnäsig und entstellt die tatsächlichen Gegebenheiten. Einmal mehr sind die Kritiker der Elche selber welche.

Betrachten wir deshalb einige Tatbestände:

  1. Anstatt eine offene, chancengleiche und an Fakten orientierte Debatte über den Islam und seine realen Beschaffenheitsmerkmale zuzulassen, dominiert in den etablierten Parteien und Medien nach wie vor eine Verleumdung und Stigmatisierung islamkritischer Wortmeldungen als „rassistisch“, „islamophob“, „fremdenfeindlich“ etc. Anstatt sachgerecht anzuerkennen, dass Islamkritik als spezifische Form von Religions- und Ideologiekritik ein klassisch linkes Thema ist, wurde wahrheitswidrig behauptet, Islamkritik sei „rechts“ und die Verteidigung einer vormodern autoritären und repressiven Weltanschauung eine gutmenschliche Tat. Mit dieser grotesken Verkehrung gepaart mit gezielter Verleumdung und Stigmatisierung wurde nicht nur eine rationale Debatte systematisch verhindert, sondern echten rechtsextremistischen Trittbrettfahrern überhaupt erst der entsprechende Nährboden bereitet und zudem die Grundlage für ein wachsendes Klima des wechselseitigen Hasses erzeugt, das so leicht nicht mehr verschwinden wird. Wer durch Ausgrenzung und Diffamierung Hass sät, wird einen Shitstorm ernten, wer selbst diffamiert, darf sich nicht wundern, wenn er zum Objekt von reaktiven Hasskampagnen wird.
  2. Im Zuge der kanzleramtlichen Duldung und Förderung einer irregulären Masseneinwanderung wurde die „postfaktische“ Verteidigung der herrschenden Politik immer wieder auf die Spitze getrieben. Wer sich der problemverschleiernden und rührseligen Willkommenskultur nicht anschließen wollte, wurde umgehend als „Nazi“ etikettiert und geistig-moralisch nach „Dunkeldeutschland“ verbannt. Ein kritisch-rationales Hinterfragen der fälschlicherweise pauschal als „Geflüchtete“ Bezeichneten galt und gilt als absolutes No-go. Selten nur wurden Fakten so nachhaltig durch Emotionen ersetzt und durch einseitig präparierte rührselige Stories verdrängt wie in der medialen Inszenierung der Refugees-Welcome-Stimmung.
  3. Erst die Silvesternacht 2015/2016 sowie nachfolgende Gewalttaten von muslimischen Zuwanderern zerstörten auf brutale Art diesen falschen Schein. Fortan musste die anti-faktische Verklärung der „Geflüchteten“ ein Stück weit zurückgenommen werden, ohne den realitätswidrigen „Flüchtlingsdiskurs“ fallenzulassen. Zu groß wäre der peinliche Gesichtsverlust. In diesem Sinne liest sich die Begründung der GfdS wie eine klassische Projektion: Es sind die herrschenden Kräfte in Politik und Medien, die zunehmend Emotionen, Stimmungen und Verdächtigungen schüren anstatt sich an Fakten zu orientieren. Um „die da unten“ zu domestizieren, ist man bereit, reale Sachverhalte zu verdrängen, zu verzerren und totzuschweigen oder sogar hartnäckig Unwahrheiten zu verbreiten. Damit aber haben die Herrschenden ihre hegemoniale Kapazität der politisch-ideologischen Konsensherstellung weitgehend eingebüßt.

Kriminalitätsbelastung von Migranten als Anwendungsfall der postfaktischen Meinungsmanipulation

Eine zentrale Ausdrucksform der postfaktischen Realitätsverweigerung seitens des politisch-medialen Herrschaftskartells ist die Verleugnung des realen Ausmaßes der Kriminalitätsbelastung von Zuwanderern. Das postfaktische Dogma lautet: Migranten dürfen nicht krimineller sein als Einheimische. Überprüfen wir im Folgenden diese Behauptung: (…)

http://www.hintergrund-verlag.de/texte-kapitalismus-krauss-deutschland-als-postfaktische-niedergangsgesellschaft.html

siehe hierzu, aus dem postfaktischen Universum:

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/zuwanderer-und-kriminalitaet-vor-allem-bagatelldelikte-14598623.html

sowie ergänzend:

http://www.bpb.de/politik/innenpolitik/innere-sicherheit/76639/auslaenderkriminalitaet?p=all