Medienspiegel

Die Kamenzer Rede von Jörg Bernig

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Jörg Bernig
››Habe Mut …‹‹  Eine Einmischung
„(…)

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.

Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu
bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht
am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung
eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!
ist also der Wahlspruch der Aufklärung.‹‹
Das sagt Immanuel Kant im Jahr 1784 bei seiner Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?
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Da stehen wir nun heute in einer Gegenwart und, sagt der Seismograph, müssen uns entscheiden,
ob wir uns bei dem, was in unserem Land geschieht, den Wahlspruch der Aufklärung zu eigen machen oder nicht. Denn zumindest während der letzten zwei Jahre konnten wir beobachten, wie sich in Deutschland zwei Milieus miteinander verbanden, wovon das eine doch ein kontrollierendes Auge auf das andere hätten haben sollen. Das politische Milieu und das die veröffentlichte Meinung hervor-bringende und – wie es in der Migrationskrise nur zu deutlich zutage tritt – steuernde
journalistische Milieu sind in einer ideologischen Kernschmelze eine Verbindung eingegangen. Machtgeschützt wird dem Volk in einem fort gesagt, was richtig ist, was es zu denken hat bzw. was richtige Gedanken sind. Und dass das Volk sich nicht mehr als Volk, sondern besser als formbare
Bevölkerung sehen soll. Die Selbstherrlichkeit des politischen Milieus konnte sich nicht deutlicher
äußern als in der Selbstherrlichkeit einer Bundeskanzlerin, die gleich einem Feudalherrscher agiert und regiert. Insofern unterscheidet sie sich vom Porträt Friedrichs II., das Immanuel Kant in seiner kleinen
Schrift Was ist Aufklärung? (1784) entworfen hatte. Dort hieß es über den preußischen König:
»Nur ein einziger Herr in der Welt sagt: räsonnirt, soviel ihr wollt und worüber ihr wollt; aber gehorcht!‹‹
2
Die Stigmatisierung der Kritiker der Migrationspolitik als >Islamophobe< und ›Fremdenfeinde‹ macht
allen nur zu deutlich, dass in diesem Land eben nicht, ohne gemaßregelt zu werden, über alles räsoniert werden darf. Und der Befehlston, dass es sich bei allem um eine›alternativlose‹ Politik handele, sagt nichts anderes als das alte Gehorcht! Am Anfang des 21. Jahrhunderts sieht sich das Volk in Deutschland mit voraufklärerischem Denken konfrontiert und mit Intoleranz gegenüber anderen Meinungen.
Das konzertierte Agieren von Politik und Produzenten der veröffentlichten Meinung im neu entstandenen politisch-medialen Komplex hat zur Folge, dass diese Akteure ein Klima geschaffen
haben, in dem die Demokratie selbst angegriffen wird.
Ich sehe die – ja, auch aufklärerischen – Errungenschaften der Revolution von 1989 in Gefahr. (…)

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