Medienspiegel

Die neuen Mächtigen

„Während Regierungen und Leitmedien seit der Finanzkrise das Theater aufführen, eine umfassende Bankenkontrolle und -regulierung stünde unmittelbar bevor, bauen die Eliten ihre Macht aus und modernisieren sie. Die „neuen Mächtigen“ werden nicht reguliert, ihr Handeln organisiert sich über keine Bank. Dennoch bedrohen sie Demokratie, Sozialstaat, Arbeitsverhältnisse und Lebenssicherheit. Doch um wen handelt es sich? Und wie steht es um den von Georg Schramm konstatierten Krieg „Geld gegen Staaten“?“

„Zu diesen Fragen sprach Jens Wernicke mit dem Autor und Publizisten Werner Rügemer, der mit seinem neuen Buch eine Art „Geschichtsschreibung von unten“ vorgelegt hat, die die Unterdrückungsverhältnisse hinter dem Nebel der alltäglichen Propaganda wieder sichtbar macht.“

Herr Rügemer, die Macht der global tätigen Finanzakteure scheint beständig zu wachsen. Der Kabarettist Georg Schramm konstatierte schon vor einiger Zeit in einem seiner bekanntesten Auftritte einen Krieg „Geld gegen Staaten“. Von was für einem Krieg reden wir hier? Wer führt Krieg gegen wen und was genau?

Schramm bezog sich im Jahre 2010 auf den bekannten Ausspruch eines der reichsten Männer der Welt, des US-amerikanischen Firmenspekulanten Warren Buffett: „Wir, die herrschende Klasse, führen weltweit Krieg gegen die abhängige Klasse, und wir sind endgültig dabei zu gewinnen.“

Nach der Finanzkrise hatten die bankrotten Banken die Regierungen der westlichen Staaten erfolgreich zu teuren Rettungsmaßnahmen gezwungen. Nicht nur in Griechenland, Irland und Zypern wurden Banken mit Steuergeld gerettet, sondern auch in den reichsten und mächtigsten Staaten: in den USA, Deutschland, Großbritannien und so weiter.

Schramm bilanzierte das damals drei Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise mit der hübschen Formulierung: „Jetzt hat die deutsche Bundeskanzlerin den Tagesbefehl ausgegeben: Wir müssen das Vertrauen der Finanzmärkte wiedergewinnen!“

Damit hat Schramm das unterwürfige Verhalten der Bundeskanzlerin doch richtig beschrieben, oder nicht?

Doch, er hat das Verhalten dieser mächtigsten Duckmäuserin der westlichen Wertegemeinschaft sehr gut erfasst, auch angesichts ihrer vorherigen Klage „Ich möchte nie mehr in die Situation kommen, mich von den Finanzmärkten erpressen zu lassen.“

Sie ließ sich dann bekanntlich aber doch erpressen und verkündete populistisch wie nationalistisch, es gehe allen, zumindest in Deutschland, nach wie vor gut. Wobei wir nicht wissen, ob es sich tatsächlich um eine Erpressung handelt oder um überzeugtes oder einfach nur getriebenes Verhalten. Oder um Demagogie und Populismus. Wahrscheinlich eine Mischung aus allem.

Also treffen Buffetts Bemerkung und Schramms Analyse auch heute noch zu? Das Kapital greift – vermittelt über „die Finanzmärkte“ – Nationalstaaten und also auch nationale Souveränität an?

Das tut es, ja, aber Buffett meinte die ganze Breite des Klassenkampfes. Denn nicht nur Staaten werden erpresst oder besiegt, sondern auch schwächere Unternehmen, Beschäftigte, Arbeitslose, Rentner, Bürger.

Buffett selbst etwa ist mit seiner Holding Berkshire Hathaway dabei, weltweit in schneller Folge spekulativ Firmen und Firmenanteile zu kaufen und zu verkaufen.

Die Aktien sollen möglichst hohe Dividenden bringen. Die sind umso höher, je billiger und rechtloser die beschäftigten und dann auch entlassenen Mitarbeiter sind, je mehr die jeweiligen Staaten den Unternehmen Steuervorteile und Steuerschlupflöcher gewähren und je weniger Rücksicht auf die Umwelt genommen wird.

Investoren wie Buffett beeinflussen das Verhalten von Bürgermeistern, Abgeordneten und von Regierungen. Er trägt mit seinen Gewinnstrategien dazu bei, die Gegenseite – sprich Aufsichtsbehörden und Gewerkschaften – zu schwächen und möglichst auszuschalten. Das ist bekanntlich die Entwicklung, die von den Politikern der sogenannten Volksparteien und all der ungewählten Verantwortlichen immer noch beschönigend als Globalisierung bezeichnet wird.

Buffett hat damals eine einfache Tatsache ausgesprochen, die von den Populisten und Nationalisten unterschiedlicher Couleur wie Merkel, Schäuble, Gabriel, Juncker, Schulz, Hollande, Renzi, Rajoy oder auch Donald Trump und Hillary Clinton zu vernebeln versucht wird:

Die Finanzmächtigen bilden, auch ohne sich untereinander genau absprechen müssen, eine gesellschaftliche Klasse, national und international, die eine ungleich höhere Macht und Gestaltungskraft erreicht hat als der Rest der Bevölkerungen.

(…)

http://www.nachdenkseiten.de/?p=36414#more-36414

sowie:

https://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2016/dezember/die-herrschaft-der-superreichen

http://www.uni-muenster.de/PeaCon/krysmanski/

http://www.dampfboot-verlag.de/shop/artikel/hirten-woelfe

Hartmut Krauss merkt ergänzend folgendes an:

„Islam – Ökonomie – neoliberaler Kapitalismus: Dazu habe ich in einem Artikel vom Mai 2009 eine Skizze dargelegt.

http://www.hintergrund-verlag.de/texte-islam-vormarsch_des_radikalislam.html

Zudem wären in diesem Kontext auch diese sich partiell überschneidenden  älteren Glasnost-Beiträge erwähnenswert:

http://www.glasnost.de/autoren/krauss/glokritik.html

http://www.glasnost.de/autoren/krauss/marktreligion.html

Darin Ausführungen zu Saudi-Arabien.“  –

Kommentar GB:

Donald Trump ist nicht – trivialerweise – einfach nur reich, wie viele Journalisten verkennen, sondern er gehört der von Krysmanski analysierten Geldmachtelite an; zum Begriff: siehe oben. Die Clintons hingegen gehören ihr nicht an, und das war Trump – nicht aber den Medien – stets bewußt.

Dasselbe trifft auf George Soros zu, der in der Demokratischen Partei der USA eine maßgebliche Rolle spielt, die ihrerseits ideologisch-inhaltlich zum Vorbild des merkelistischen Parteienkartells in Deutschland (GroKo samt Satelliten) geworden ist, von der Außenpolitik bis hin zur Dominanz diverser Minderheitenpolitiken (Feminismus-Genderismus; Homophilie; Islamophilie; Austeritätspolitik), aber mit Ausnahme der Wirtschaftspolitik in Gestalt der gegen amerikanischen Rat stur durchgehaltenen Austeritätspolitik, die die siebenjährige Rezession zur EU-Stagnation verfestigt hat.

Es ist zu erwarten, daß der gewählte Präsident Trump andere, uns noch unbekannte Schwerpunkte und Akzente setzen wird, ohne daß die unterliegenden fundamentalen Interessen des US-Imperiums deshalb zur Disposition stünden. Es geht m. E. nicht um die Frage, ob diese zur Geltung gebracht werden, sondern wie, auf welche Art und Weise also. Es könnte zum Beispiel sein, daß Trump den Schwerpunkt auf die binnenmarktorientierten Wirtschaftsteile in den USA legen wird, und weniger auf ihre global orientierten Teile.

Aber die spezifische Gestalt der Politik, wie sie an jener der Demokratischen Partei der USA und ihrer Nachbildung in Gestalt der deutschen GroKo abgelesen werden kann, dürfte an ihr Ende gekommen sein, in den USA sowieso, in Deutschland voraussichtlich im Laufe des Jahres 2017, das mutmaßlich turbulent verlaufen wird.

Allererst ist eine neue Wahrhaftigkeit einzufordern, die die alles erstickende ideologische Vernebelung beendet, die also Klarheit schafft, und die den Souverän, das Volk, nicht länger infantilisiert, sondern die einen öffentlichen Dialog, auch einen streithaften, überhaupt erst ermöglicht, um schlußendlich und idealerweise zu vernünftigen und nachvollziehbaren Entscheidungen zu gelangen.

Welche Veränderungen das mit sich bringen wird, und wie sie zu bewerten sein werden, das bleibt bis auf weiteres offen. Im I. Quartal 2017 wird sich der Vorhang des Stückes: „Präsident Trump“ heben. Autor, Regisseur und Hauptdarsteller wird Präsident Trump sein, den wir noch nicht kennen. Jedoch, auch die Nebenrollen sollten beachtet werden. Denn es könnte sein, daß sie sich schnell als bedeutsam  erweisen werden.