Medienspiegel

Die Trump-Wahl und der Fundamentalirrtum des Feminismus

Veröffentlicht

von Dr. habil. Wulf Krause

Bemerkungen zu Paul Mason: „Bildet Banden

„Paul Mason ist ein englischer Pädagoge, Hochschullehrer, Autor, Journalist und Fernsehmoderator. Er hat einen Preis für Wirtschaftsjournalismus gewonnen und bezeichnet sich selbst als „radikalen Sozialdemokraten“

Der Sargnagel des Neoliberalismus und Dutschkes Hoffnung

Bildet Banden“ ist ein bemerkenswerter Artikel zum Wahlsieg von Donald Trump in US-Amerika.
Er überrascht mit der Prognose, Trump sei der „Sargnagel des Neoliberalismus“; „die Globalisierung sei tot, und die Supermacht Amerika will sterben.“ Das erinnert einen meiner Generation, Jahrgang 1941, an Wladimir Iljitsch Lenins 1916 verfasste und 1917 veröffentlichte Schrift, „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“. Da spricht Lenin von einer „unvermeidlichen Tendenz zu Stagnation und Fäulnis des Monopolkapitalismus“ und vom „sterbenden Kapitalismus.“

Rudi Dutschke nannte das seinerzeit „Spätkapitalismus“. Der ist, wie wir erleben, auch einhundert Jahre nach Lenins Prognose nicht gestorben. Ebenso wenig wie wir Dutschkes Hoffnung, die sich in seinem Wort verbirgt, teilen können, ebenso wenig werden wir erleben, dass die Prognose von Mason eintrifft. Gleichwohl ist der Kapitalismus nicht ewig, wie von Gott gegeben oder die natürliche Ordnung der Wirtschaft, wie manche frommen Amerikaner und manche Ökonomen noch immer zu glauben scheinen. Daher müssen wir darauf achten, ob und was an Masons Prognose vielleicht wirklich zutrifft, was ist es, das da vielleicht sterben will?

Weiße, rassistische, misogyne Männer mit weißen Kragen oder die Bildungslosen?

Masons Hauptthese lautet, der Sieg Donald Trumps sei gerade nicht verbunden mit der „viel beschworenen weißen Arbeiterklasse“, sondern vielmehr mit den „Millionen von Amerikanern, die in sich einen weißen Rassismus entdeckten“ und enorme „unerschlossene Reserven für Frauenfeindlichkeit.“ Das Letzte bringe, meint er, ein „reproduktiver Schock“ zustande: Die Pille brachte „die Frauen in Vorstandsetagen und an die Front und gab ihnen die Kontrolle darüber, mit wem sie, wann und wie Sex haben.“ Diese Aussage ist das eigentlich Bemerkenswerte an Masons These. Um das zu verstehen und zu prüfen, machen sich aber doch einige grundsätzliche Bemerkungen nötig, die hier später vorgetragen werden sollen.

Weißer Rassismus, meint Mason, führe zu Verrat an den übrigen ethnischen Gruppen des amerikanischen Volkes, den Schwarzen vor allen, den Latinos, Asiaten, Juden und anderen ethnischen Minderheiten. Schwerwiegender aber als dieser Verrat sei der „Genderverrat“, in dem sich „eine tiefsitzende Angst vor der wirtschaftlichen und sexuellen Befreiung der Frau“ zeige. So heißt es in aller Klarheit: Weiße, rassistische, misogyne Männer mit weißen Kragen, haben Donald Trump gewählt.

Das behauptete auch Alice Schwarzer in der Talkshow bei Maischberger direkt nach der Wahl. Auch für sie war das Grundmotiv dieser Männer für Trump zu stimmen, ihre Angst vor Frauen, insbesondere aber ihre Angst vor einer Frau im Präsidentenamt. Alice Schwarzers Argument aber bezog sich auf die „Arbeiterklasse“ als die entscheidenden Akteure, wenn man mit diesem Wort jene amerikanischen Menschen bezeichnet, die „Gruppe der Vergessenen“, die wenig Bildung haben, und auch sonst ziemlich minderbemittelt seien. Das seien die Wähler Trumps gewesen.

Also was? Wer ist es nun? Die weißen, rassistischen und misogynen Männer mit white-collars und tailor-made-suits oder die schulisch, bildungsmäßig und auch sonst minderbemittelten Mitglieder der „Arbeiterklasse“?“ (…)

http://www.gender-diskurs.de/2016/12/wulf-krause-die-trump-wahl-und-der-fundamentalirrtum-des-feminismus/6/