Medienspiegel

Essay: In Demokratien gibt es keine „Leitkultur“

04. Dezember 2016   –   Von Martin Seel

Martin Seel, Jg. 1954, ist Professor für Philosophie an der Goethe-Universität Frankfurt

„Wieder einmal – und mit größerem Nachdruck denn je – wird der politischen Öffentlichkeit der Gedanke einer Leitkultur als Heilmittel gegen gesellschaftliche Zerwürfnisse verordnet. Dass es sich hierbei um ein – allerdings wirkungsmächtiges – Hirngespinst handelt ist jedoch leicht zu erkennen. „Leitkultur“ ist ein Singular. Wer diesen Begriff ins Spiel bringt, meint, es sollte eine Leitkultur geben, die den Zusammenhalt der Gesellschaft sichert.

Dieses Verständnis aber setzt bereits aus, dass es in derselben Gesellschaft eine Pluralität von Kulturen gibt, die nicht miteinander in Einklang zu bringen sind. Daher, so hieß es in einem Positionspapier der sächsischen CDU und der CSU vom September dieses Jahres, müssten die vielfältigen Wertorientierungen durch das einigende Band gemeinsamer Werte „gerahmt“ werden. Diese Leitkultur soll die vorrangige sein, sie soll das „das Fundament des Zusammenlebens“ unserer Gesellschaft bilden, damit Deutschland trotz der vielfältigen Kulturen, die es beherbergt, weiterhin „Deutschland bleiben“ könne.“ (…)

http://www.fr-online.de/kultur/essay–in-demokratien-gibt-es-keine–leitkultur–,1472786,34987588.html

Kommentar GB:

Die derzeitigen faktischen Leitideologien – des Feminismus-Genderismus einschließlich der Islamophilie sowie des Neoliberalismus – scheint der Autor nicht einmal bemerkt zu haben.

Abgesehen davon, daß seine Hinweise auf die Bedeutung der deutschen Sprache zutreffend sind, gleichsam als kleinster gemeinsamer Nenner, läßt sich zum Thema Leitkultur durchaus einiges mehr sagen als der Autor meint (siehe 1 – 3):

1/ Günter Buchholz

http://cuncti.net/gesellschaft/967-leitkultur-leitkultur

2/ Alexander Ulfig

http://cuncti.net/gesellschaft/968-die-fuenf-saeulen-unserer-leit-kultur

3/ Die neue Debatte um eine lokale Leitkultur

Prof. Günter Buchholz und Dr. Alexander Ulfig, die sich in der Vergangenheit bereits als Urheber fundierter Kritik an der Genderideologie erwiesen haben, haben letztens interessante Beiträge zu der auf Bassam Tibi zurückgehenden Debatte um eine von jedem Nationalismus befreiten und lokal auf ihr historisches Entstehungsgebiet beschränkten Leitkultur gemacht, in der sie sich stark machen gegen den unter seinem aktuellen label „Islamophobie“ verbreiteten Multikulturalismus. In diesem post wird die Debatte im Hinblick auf den Atheismus und den Humanismus fortgesetzt.

https://jungsundmaedchen.wordpress.com/?s=Leitkultur&submit=