Medienspiegel

Nach dem Pisa-Schock

Albert Wunsch

Es ist interessant, dass der Pisa-Schock in den letzten Jahren zu vermehrten Pilgerreisen von Bildungspolitikern nach Finnland beziehungsweise Skandinavien führte. Aber vieles von dem, was da passiert, entspricht exakt den reformpädagogischen Postulaten, wie sie in den 20er Jahren in Deutschland entwickelt wurden. (…)

„Was von Seiten des Staates passieren muss

Der Staat hat die Aufwachsbedingungen seiner ‚Keimzelle Familie’ viel qualifizierter zu fördern. Dabei sind jene Familien, welche eine gute Erziehungsleistung einbringen, zusätzlich finanziell zu fördern. Familien dagegen, welche das Mangelhafte vermehren, sind gezielt in die Pflicht zu nehmen, ihre Fähigkeits-Voraussetzungen zu verbessern.

Dies kann beispielsweise durch eine fordernd-fördernde sozialpädagogische Familienhilfe, eine offensivere Beratungspraxis mit klar definierten Zielvereinbarungen und deren Überprüfung sowie gerichtlich verordneten Erziehungsseminaren erfolgen. Schließlich müssen in Flensburg Punkte produzierende Autofahrer auch nach einer entsprechenden Negativbilanz eine Nachqualifikation erbringen, um wieder ans Steuer gelassen zu werden.

Auch in der Berufswelt bleiben – bei Chefs mit Rückgrat – Mängel auch nicht folgenlos für den Verursacher. So darf das Abtauchen von Eltern als Erstgaranten einer guten Erziehung nicht mehr von Kitas und Schulen einfach hingenommen werden.

Auf das Schulsystem und Berufsleben bezogen, müsste die Förderung von Ich-Stärke eine selbstverständliche Querschnitts-Aufgabe mit hoher Priorität sein. Denn wenn in einer Gesellschaft immer mehr Eltern Probleme schaffen, dann hat der Staat nicht die Hauptaufgabe, die dadurch entstehenden Folgekosten zu übernehmen, sondern für deren Abhilfe zu sorgen.“ (…)

http://www.theeuropean.de/albert-wunsch/11615-wie-erziehen-wir-unsere-kinder