Medienspiegel

Wer ist schuld am Erfolg des Rechtspopulismus?

Laut Deutschlandtrend rechnen knapp 70 Prozent der Befragten mit Wahlerfolgen für rechte Parteien in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden im nächsten Jahr.

Sind das alles wirtschaftlich „Abgehängte“?

16.12.2016, von Philip Plickert

(…) „Allerdings hat der Aufschwung der sogenannten Rechtspopulisten nicht erst mit der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise begonnen, er ist ein schon viel länger zu beobachtendes Phänomen. Und er hat mehr mit kulturellen Faktoren, einer heftigen Gegenreaktion auf den seit den späten sechziger Jahren angestoßenen Wertewandel und die „Political Correctness“ zu tun als mit wirtschaftlichem Abstieg, zeigen die Politologen Ronald F. Inglehart und Pippa Norris in einem vielbeachteten Forschungspapier („Trump, Brexit, and the Rise of Populism: Economic Have-Nots and Cultural Backlash“, Harvard Kennedy School Research Working Paper, August 2016).

Der Stimmenanteil rechtspopulistischer Parteien in Europa ist seit den sechziger Jahren von 5 Prozent auf mehr als 13 Prozent gestiegen und dürfte weiter wachsen. Allerdings geben die beiden Politologen an einer Stelle selbst zu, dass „die genaue Trennlinie zwischen den Populisten und den anderen Parteienfamilien unvermeidlich etwas verschwommen ist“. Als populistisch definieren sie jene, die gegen den „kosmopolitischen“ Linksliberalismus kämpfen, der für offene Grenzen, Multikulturalismus und Internationalismus, für Toleranz und Diversität der Menschen und Lebensstile steht. Dies seien die „progressiven Werte“, die sich seit den siebziger Jahren vor allem bei den Jungen und Bessergebildeten durchgesetzt haben, was den Aufstieg „grüner“ Parteien antrieb, betont Inglehart, ein Pionier der Wertewandelforschung.“ (…)

Kulturkämpfe zwischen Tradition und Fortschritt

Der von links angestoßene Wertewandel drückt sich etwa in Initiativen für Feminismus, gleichgeschlechtliche Ehen, neue Rechte für LGBT-Gruppen (Lesbische, Schwule, Bi- und Transgender) und „fluide“ Gender-Rollen aus, schreiben die Autoren. Dagegen stehen die Anhänger der rechtspopulistischen Parteien, von denen einige auch Elemente einer eher linken Sozialpolitik vertreten, für die „nativistische“ Abwehr von Immigration, mangelnde Toleranz und Offenheit sowie Misstrauen gegen das liberale Establishment. Sie sehnen sich nach starker Führung und traditionellen, überkommenen Werten. Es gebe nun einen regelrechten Kulturkampf („culture wars“ lautet der amerikanische Begriff), der mit zunehmender Schärfe geführt wird und wirtschafts- oder sozialpolitische Fragen in den Wahlkämpfen überdecke. Nach Inglehart und Norris ist der Aufstieg der Populisten vornehmlich als Abwehrreaktion, als „kultureller Backlash“ zu verstehen gegen den von links kommenden Wertewandel sowie gegen die Zuwanderung aus fremden Kulturkreisen, die ebenfalls die hergebrachte Kultur verändert.“ (…)

„Der Aufstieg der Rechtspopulisten sei letztlich eine Reaktion traditionell denkender, eher männlicher Weißer. „Sie nehmen es übel auf, wenn man ihnen sagt, dass traditionelle Werte nun ‚politisch unkorrekt‘ sind, wobei sie sich zunehmend an den Rand gedrückt fühlen in ihren eigenen Ländern“, schreiben Inglehart und Norris.“ (…)

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/wer-ist-schuld-am-erfolg-des-rechtspopulismus-14569738.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

Kommentar GB:

Hier sei angemerkt aber abgesehen davon, daß „Rechtspopulismus“ ein linkspopulistischer Kampfbegriff ist. Wichtig ist die Einsicht, daß der ökonomische Aspekt in diesem Zusammenhang von zweitrangiger Bedeutung sein dürfte, während kulturellen Aspekten eine erstrangige Bedeutung zukommt:

„Der von links angestoßene Wertewandel drückt sich etwa in Initiativen für Feminismus, gleichgeschlechtliche Ehen, neue Rechte für LGBT-Gruppen (Lesbische, Schwule, Bi- und Transgender) und „fluide“ Gender-Rollen aus, schreiben die Autoren.“

Man müßte hier für Europa zusätzlich die gewichtige Immigrations- und Islamproblematik benennen.

Die postmodern-linke Politik betreibt m. E. eine Politik für Minderheiten zu Lasten von Mehrheiten. Jene, die diesen Mehrheiten angehören, haben lange geschwiegen und sind passiv geblieben. Daher schienen sie nicht zu existieren. Das ändert sich zunehmend. Sie wollen ihren Interessen jetzt Geltung verschaffen. Und das ist ihr demokratisches Recht.

Auch die von Deutschland durchgesetzte neoliberale Wirtschaftspolitik (Austeritätspolitik) in Europa ist eine Minderheitenpolitik, nämlich von und für ökonomisch und politisch privilegierte großbürgerliche Kreise, die nur in den negativ betroffenen Ländern Südeuropas ernsthaft und energisch problematisiert und bekämpft wird.

Zu beachten ist dabei, daß die postmodern-linken Parteien, insbesondere die SPD , die Grünen und teils auch die LINKE diese Politik weitgehend mittragen,  zumindest in Deutschland. Daher brauchen sich diese Parteien nicht zu wundern, wenn ihre Klientel sich von ihnen verraten fühlt und nicht mehr oder anders als bisher wählt.

Sie sind durch ihre Fehler für ihre Verluste selbst verantwortlich.

Und die AfD ist wenig mehr als die Summe all dieser Fehler, die durch sie teils angemessen, teils unangemessen aufgegriffen und thematisiert werden. Die AfD spiegelt der postmodernen Linken ihre eigenen Fehler zurück. Aber genau hierfür bleiben diese Parteien blind, und damit sichern sie ihre Mißerfolge weiter ab.