Medienspiegel

ENF-Treffen Koblenz

Die Populisten ernten, was die etablierten Parteien säten

von Ferdinand Knauß

„Petry, Le Pen, Wilders und Co sind im Aufwind, weil die etablierten Parteien grundlegende politische Bedürfnisse ignorieren. Die lassen sich durch Gegendemonstrationen nicht aus der Welt schaffen.“ (…)

http://www.wiwo.de/politik/deutschland/enf-treffen-koblenz-die-populisten-ernten-was-die-etablierten-parteien-saeten/19287196.html

sowie, vom gleichen Autor:

http://www.wiwo.de/politik/deutschland/knauss-kontert-warum-die-aktuelle-politik-nicht-glaubwuerdig-ist/14957094.html

und

http://www.wiwo.de/politik/deutschland/knauss-kontert-das-wohlstandsversprechen-zieht-nicht-mehr/19251862.html

Kommentar GB:

Es ist für einen außenstehenden Beobachter wie mich immer wieder verblüffend zu sehen, daß das, was doch so offensichtlich ist, daß sich nämlich die Erfolge der sogenannten Rechtspopulisten unmittelbar aus den Fehlern der anderen Parteien ergeben, von diesen nicht verstanden, ja, nicht einmal wahrgenommen wird.

Sie vertreten vorwiegend die Interessen wirkungsvoll organisierter minoritärer Gruppen, und sie ignorieren weitgehend die Interessen der zumeist schweigenden Mehrheit, die ohnmächtig und medial abgewertet erleben muß, wie ihr materiell und ideell übel mitgespielt wird. An Beispielen hierfür mangelt es nicht.

Und dann wundern sie sich auch noch, wenn diese Mehrheit irgendwann ihr Schweigen bricht und ihre Interessen anmeldet, und wenn nicht bei diesen, dann eben bei jenen. Auch dann eben, wenn jene von diesen mit abwertendem Sprechgestus als „Rechtspopulisten“ bezeichnet werden, und zwar ohne inhaltliche Begründung. Dünn ist das, äußerst dünn.

Ich schaue mir die Fernsehnachrichten an und bin wieder einmal erstaunt, mit welcher Überzeugung die Parteipolitiker ihr völliges Unverständnis demonstrieren und gleichzeitig trotz ihrer offensichtlichen Ratlosigkeit meinen oder glauben machen wollen, sie hätten etwas erkannt.

Immer nach der Formel der Transaktionsanalyse: „Wir sind ok, die anderen sind nicht ok!“

Die Möglichkeit, daß es sich nicht so, sondern eben anders verhalten könnte, wird mit der beschwörend-sprachrituellen Formel des sogenannten Rechtspopulismus – von dem keiner weiß, was damit gemeint sein soll – zurückgewiesen. Darin offenbart sich der Irrationalismus dieser Haltung.

Anstatt rational die Möglichkeit des eigenen Irrtums zu reflektieren, wird so die drohende Selbsterkenntnis abgewehrt und verdrängt. Denn daß in dieser Selbsterkenntnis etwas Drohendes liegt, das wird unbewußt sehr wohl gespürt.

Man müßte dann nämlich Irrtümer erkennen und eingestehen, und man könnte nicht weitermachen wie bisher. Und das wird abgewehrt. Das will man nicht wissen.