Medienspiegel

Prof. Dr. Tariq Ramadan

12 Jahre im Dienste des europäischen Islamismus

„Er ist ein Ideologe, ein Pseudo-Intellektueller“

Dr. Gudrun Eussner    –   29. November 2005

„Im Frühjahr 1994, gerade zurück aus Kairo nach einem Einzeluntericht in Islam an der Al-Azhar-Universität, 1992/93, erscheint Tariq Ramadan unter den Muslimen Frankreichs. Der 31-jährige Enkel des Gründers der Muslimbruderschaft Hassan al-Banna beeindruckt junge Muslime in Marseille. Die jungen Frauen, fast alle mit Kopftuch, die jungen Männer getrennt von ihnen, lauschen in einem Festsaal ergriffen seiner Predigt. „Seine Verführungs- und Überzeugungskraft sind enorm. Er bedeutet ihnen, sich gegen die Gottlosen (les impies) aufzulehnen …, tugendhaft zu sein, er lehrt sie, daß Islam der Frieden sei, zuerst der innere Frieden. … Allein an die Adresse der Mädchen wendet er sich, daß Islam Schamhaftigkeit, daß das Tragen des Kopftuchs eine Geste des Glaubens sei, und daß sie wie die Jungen das Recht hätten zu studieren. Er lädt sie ein, sich in der Gesellschaft zu entfalten, aber Gott unterworfen zu bleiben,“ schreibt Antoine Menusier im „Figaro“, vom 31. Januar 2004. Dort erfährt man auch, daß die Moschee in Genf in der Hand der „Saudis“ sei, „mal Freunde, mal Feinde der Muslimbrüder“.

Nach einem Magisterexamen in Philosophie und französischer Literatur beginnt Tariq Ramadan im Jahre 1993 seine Dissertation zum Thema „Das reformistische Denken des Islam seit dem 19. Jahrhundert“. Sein Doktorvater, der Professor für Arabistik Charles Genequand, der sich selbst als laïzistischen Konservativen bezeichnet, fühlt sich von Tariq Ramadan betrogen: „Er ist ein Ideologe, ein Pseudo-Intellektueller, sagt er von seinem ehemaligen Studenten. Ich halte ihn für einen eingebildeten Opportunisten, der danach strebt, als spiritueller Führer des europäischen Islam angesehen zu werden. Seine Ideen? Eine engstirnige und reichlich rückständige Vorstellung vom Islam, das ist alles.“

Es habe sich um eine rein ideologische Arbeit ohne jeden wissenschaftlichen Aspekt gehandelt. „Er schreibt immer dasselbe Buch“, sagt Professor Charles Genequand, der Spezialist für die arabische Welt, über die Buchproduktion des Predigers. Von ihm verlangte Korrekturen habe der Doktorand Tariq Ramadan nicht vorgenommen: „Ich glaube, daß er sich über mich lustig gemacht hat“, meint er, „er wollte einen akademischen Titel, und zwar schnell.“ Deshalb sei er als Doktorvater zurückgetreten und mit ihm zwei weitere Gutachter.

Mit Hilfe seiner Freunde, des Genfer Professors und Abgeordneten der Sozialisten Jean Ziegler, Berichterstatter der UNO gegen Israel und gegen die Globalisierung, und dessen Ehefrau Erica Deuber-Pauli, Mitglied des kommunistischen Parti Suisse du Travail, der Partei der Arbeit der Schweiz, findet Tariq Ramadan umgehend andere, willigere Gutachter, die ihm zu seinem Titel verhelfen. Vorsitzender des neuen Gremiums und Erstgutachter wird der Religionswissenschaftler der Antike Professor Philippe Borgeaud, Forscher über das griechische Labyrinth in seinem Kontext, über die Mutter der Götter, über Orpheus und den Gott Pan samt panischer Angst. (1) Zweitgutachter wird der Professor für Missiologie Richard Friedli, der auch das Vorwort zur französischen Ausgabe von Tariq Ramadans „Islam in Europe“ verfaßt und inzwischen mit der Familie Ramadan befreundet ist. (2) Die Benotung ist nicht sonderlich, aber der Prediger interessiert sich hauptsächlich für den Titel. Professor Reinhard Schulze, Leiter des Instituts für Islamwissenschaft und Neuere Orientalische Philologie der Universität Bern, heutzutage bei sunnitischen Islamisten gern gesehener Gast, unter anderem auf der Buchmesse 2004, verfaßt eigens ein spezielles Gutachten für den Rektor der Universität Fribourg, um die akademische Qualität der Arbeit zu bescheinigen. Professor Richard Friedli bestätigt dem Doktoranden, daß er nicht nur Fakten darlege, sondern Position beziehe. Die Dissertation sei nicht ideologisch, selbst wenn bei Tariq Ramadan eine positive Einstellung zur islamischen Theologie vorausgesetzt werden könnte: „Eine These, die eine These verteidigt“. (3)

Über die Dissertation des Tariq Ramadan schreibt Mondher Sfar, der bekannte Antisemit und Autor des „Manifeste judéo-nazi d´Ariel Sharon“: (4)

„Diese Studie ist eine wahrhaftige wissenschaftliche Abhandlung in Verteidigung des Denkens und des Werkes von Hassan al-Banna, des Gründers der Organisation der Muslimbrüder, gegen die Anschuldigungen, die im allgemeinen gegen die gewalttätigen islamistischen Bewegungen vorgetragen werden….“ Der Autor ergehe sich in Elogen auf seinen Großvater, der gegen die Engländer gekämpft und die palästinensische nationalistische Sache unterstützt habe. Alles, was man seinem armen Vorfahren an Fundamentalismus und Terrorismus zuschreibe, stamme von seinem Mitbruder Sayyid Qutb. Dieser wird 1966, jener 1949 von der ägyptischen Regierung liquidiert.

Der Autor wende sich gegen das Argument, die religiösen Reformatoren seien im Gegensatz zu den liberalen nicht in Einklang zu bringen mit Fortschritt und Modernität. Der Koran beruhe auf der menschlichen Vernunft, er enthalte im Keim die positiven Prinzipien, die das Universum regieren. Er beziehe sich auf den Verehrer des Wahhabismus und Lehrer seines Großvaters Rashid Ridha als „ägyptischen Reformator“, der als erster eine politische Partei auf der Grundlage seiner religiösen Vorstellungen gründet. (5)

Der Verlag Bayard ist sich nicht zu schade, ein derartiges Machwerk herauszugeben. Inzwischen werden die Neuauflagen dort produziert, wohin sie gehören, und wo auch die anderen missionarischen Werke des Tariq Ramadan erscheinen, im salafistischen Lyoner Verlag Tawhid. (6)“ (…)

http://www.eussner.net/artikel_2005-11-19_05-29-16.html

http://tariqramadan.com/english/

Neuerscheinung

Hartmut Krauss (Hrsg.):

Säkulare Demokratie

verteidigen und ausbauen

Grundsatztexte und programmatische Schriften der
Gesellschaft für wissenschaftliche Aufklärung und Menschenrechte
(GAM e.V.)

278 Seiten  §  19,00 €(D) 19,60 €(A)  §  Paperback § ISBN 978-3-00-052967-2

http://www.hintergrund-verlag.de/

Kommentar GB:

Wer sich mit dem politischen Islam befaßt, so, wie er sich nach dem Ende des Ersten Weltkriegs entwickelt hat, der stößt unvermeidlich auf die Muslimbruderschaft, die mit größter Hartnäckigkeit ein islamfaschistisches Konzept verfolgt.

Die Gefährlichkeit dieser Bestrebungen, insbesondere mit dem von der EU geförderten Langfrist-Projekt Eurabia (siehe: Barcelona-Prozeß; Aktivitäten der Anna-Lindh-Stiftung) kann kaum überschätzt werden, wird aber in Europa oftmals in höchst fahrlässiger, wenn nicht sogar in vorsätzlicher Art und Weise bagatellisiert und verkannt.

Es handelt sich hier m. E. um ein dringend aufklärungsbedürftiges Dunkelfeld.