Medienspiegel

Zukunft nach Trump: Mehr Selbstkritik, bitte!

von Slavoj Žižek     –    3.2.2017
„Seit Trumps Wahl versinkt die Linke in selbstgerechter Entrüstung.
Dabei hat sie jetzt die Chance, sich selber zu erneuern.“ (…)

https://www.nzz.ch/feuilleton/zukunft-nach-trump-mehr-selbstkritik-bitte-ld.143572

Kommentar GB:

Die vom Autor angesprochene „Identitätspolitik“, die die Welt dem amerikanischen „Feminismus-Genderismus“ verdankt, dem leider immer noch herumspukenden postmodernen Gegenstück zum mittlerweile historisierten europäischen „Marxismus-Leninismus“, zu dessen Zersetzung sie dienen sollte und gedient hat, sie ist der Kern der Deformation und der Dekadenz einer Linken, die eben deshalb nicht einmal mehr in der Lage ist, sich von einer erzreaktionären Ideologie wie dem Islam fernzuhalten, sondern die mit ihm fraternisiert, und die dadurch selbst erzreaktionär wird. Das ist ein wichtiger Aspekt, der dem Autor in seinem sonst sehr diskussionswürdigen Artikel entgangen ist. Man kann nicht islamophil und gesellschaftlich fortschrittlich sein: das ist völlig ausgeschlossen. Eine Linke ohne Religionskritik ist eben keine Linke. Und eine Linke, die sich nicht mehr auf Theorie, sondern auf postmoderne Geschwätzigkeiten des Feminismus-Genderismus beruft, ist ebenso wenig eine Linke.

Oder: sie ist zwar noch eine, aber nur im Sinne ihrer dekadenten Verfallsform. So scheint es mir zu sein.

Wenn deshalb postmoderne Linke nach einer Antwort auf die Ursache ihrer Abwahl suchen, dann sollten sie einfach ins Bad gehen und in den Spiegel schauen. Schon haben sie die gesuchte Antwort.

Bernie Sanders müßte sowohl mit der Identitätspolitik (dem Feminismus-Genderismus) wie mit dem Islam explizit und deutlich brechen, also Gegenpositionen einnehmen. Das aber ist eher nicht zu erwarten. Und dieselbe Unterlassung wird in Deutschland Martin Schulz die Glaubwürdigkeit als angebliche personelle Alternative zu Angela Merkel kosten.

In diesem Sinne springt unser Autor zu kurz.