Medienspiegel

Gerechtigkeit von Sankt Martin

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Kommentar GB:

Ein m. E. sehr lesenswerter Beitrag!

Was ist warum gerecht, was ungerecht?

Die Frage ist ebenso notwendig, wie die angebotenen Antworten unzutreffend sind.

Auf die Konkretisierungen und die genauen Unterscheidungen kommt es hier an, und nicht auf vermeintlich selbstverständliches Vorwissen, das lediglich Vorurteile repräsentiert, weil sie nicht begründet werden können. Außerdem muß der grundlegende Unterschied zwischen der Deskription von Fakten strikt unterschieden werden von der Einführung stets begründungs-bedürftiger Normen und Wertvorstellungen, die den Maßstab für eine Beurteilung als gerecht oder als ungerecht bieten sollen.

„Gerechtigkeit“ in politischen Kampagnen ist bloß ein völlig unbestimmter begrifflicher Joker, denn was kann damit nicht alles gerechtfertigt werden? Und was ist damit in historischer Perspektive nicht schon alles gerechtfertigt worden, bis hin zu den schlimmsten Verbrechen?

Zwar kann und muß über Gerechtigkeit miteinander geredet werden, aber eben in einer fragenden Art und Weise, also gerade nicht so, als ob längst geklärt und allgemein bekannt und somit fraglos vorauszusetzen wäre, was denn gerecht sei und was nicht; eine solche Redeweise ist weiter nichts als ein politischer Schwindel, in der Regel – nämlich bei Politikern – mit dem (betrügerischen) Bewußtsein intellektueller Unredlichkeit, manchmal ohne dieses – nämlich bei ihrem denkfaulen Publikum, das der politischen Propaganda nur zu gern auf den Leim geht.

Allzu leicht nämlich kann die Rationalisierung des Neides sich als Kampf gegen Ungerechtigkeit bzw. für Gerechtigkeit maskieren, z. B. für Geschlechtergerechtigkeit. Und dabei wird dann alles ausgeblendet und unter den Teppich gekehrt, was bei einer ernsthaften und geduldig fragenden Auseinandersetzung sich als tatsächliche, genau benennbare und begründbare Ungerechtigkeit ergeben hätte.

Aber so funktioniert der Linkspopulismus.

Geschlecht und Neid