Medienspiegel

IWF-Chefin Lagarde: Deutschland muss Überschüsse investieren

Am Nachmittag präsentiert der Internationale Währungsfonds seinen Bericht zur Lage der Weltwirtschaft. Im Vorfeld ermahnt die IWF-Chefin Deutschland. Sie hat aber auch Lob parat.

18.04.2017

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/iwf-chefin-lagarde-deutschland-muss-ueberschuesse-investieren-14976232.html?google_editors_picks=true

http://www.freiewelt.net/nachricht/lagarde-verlangt-von-deutschland-mehr-investitionen-10070697/

Kommentar GB:

Die Austeritätspolitik, auf die deutsche Wirtschaftspolitik seltsam fixiert ist, sie ist keine Lösung der europäisch-wirtschaftlichen Probleme, sondern sie ist, neben dem EURO und damit dem fehlenden Wechselkursmechanismen, selbst das Problem. Sie wäre abzulösen durch eine Investitionspolitik, zunächst des Staates in die nutzenstiftende öffentliche Infrastruktur; der private Sektor würde dadurch angeregt und dynamisiert, so daß wieder mehr selbsttragendes Wachstum entstünde.

Anmerkungen zur Dialektik der Globalisierung

Freihandel, freie Standortwahl (nicht zuletzt im Hinblick auf minimale Lohnkosten) und Konkurrenz waren konstitutiv für die ökonomische Globalisierung, woraus sich Außenhandelsungleichgewichte entwickelten und verfestigten, die finanziell, sozial und politisch an die Grenze der Tragfähigkeit herangeführt haben.

Der Globalisierungsprozeß ist daher an sein Ende gekommen, und die Ideologie der Globalisierungsbetreiber ebenso.

In Europa ist in Griechenland der Staatsbankrott eine Realität, die nur durch die Konkursverschleppung der Gläubiger mittels immer erneuter Kreditprolongationen dürftig verdeckt wird, um die fälligen Abschreibungen zu vermeiden und um Griechenland politisch weiter für lukrative Privatisierungen erpressen zu können. Auch in anderen südeuropäischen Ländern ist die Lage strukturell schlecht, wie man an der Jugendarbeitslosigkeit ablesen kann.

Da die europäische Währung in Verbindung mit dem deutschen Export-Basis – Konzept, also den deutschen Außenhandelsüberschüssen zu diesem verfestigten Ergebnis geführt hat, ist nicht zu sehen, wie der EURO beibehalten werden kann; er war von Anfang an Teil des Problems, weil der Wegfall der Wechselkursmechanismen wirtschaftspolitisch niemals konstruktiv bewältigt worden ist.

In den USA ist die Wahl von Donald Trump durch die Verzweifelten des mittleren Westens die Konsequenz dieser Entwicklung, die begrifflich als Dialektik der Globalsierung gefaßt werden kann.

Wenn die Globalisten nun verbal auf jene eindreschen, die die negativen Folgen der Globalisierung aufgreifen anstatt sie zu verleugnen, dann verkennen sie, daß sie selbst die Verursacher und Nutznießer genau der sozioökonomischen und soziopolitischen Wirkungen waren und sind, die sich jetzt als Grenze der Globalisierung erweisen.

Das Ende der Globalisierung läutet zwangsläufig eine neue Epoche ein, keineswegs eine bessere, aber ein solche, in der die globalisierungsbedingten Probleme notwendigerweise ganz oben auf der politischen Agenda stehen.  Wenn Trump zum Beispiel zum Protektionismus neigt, dann nicht nur aus industriepolitischen Gründen, sondern ebenso deswegen, weil die USA gegenüber China und der EU große Außenhandelsdefizite aufweisen, deren Finanzierung problematisch ist und die auf die Dauer untragbar werden, genauso wie das in den südeuropäischen Staaten der Fall ist.

Trumps zollpolitische Drohungen mögen wirtschaftstheoretisch falsch sein, aber welche andere und welche besseren und vor allem soziopolitisch realitätstauglichen Antworten haben denn die Globalisten anzubieten? Das wüßte man doch gern.