Medienspiegel

Willkommenskultur: „Die Eitelkeit des Guten“

Von Alexander Meschnig

„Für jede historische Epoche gibt es Bilder, die als Zeichen der Geschichte gelten können. Vielleicht sind die Bilder jubelnder Deutscher an Bahnsteigen auf dem Höhepunkt der massenhaften Zuwanderung im September 2015 das Symbol für die innere Verfasstheit einer Gesellschaft, die der „Eitelkeit des Guten“ erlag. Nirgendwo sonst in Europa gab es diese vielfach geradezu hysterische „Willkommenskultur“ in ihrer reinsten Form. Die Szenerie kann als eine massenpsychologische und -mediale Selbstbegeisterung gedeutet werden, die einem Gefühlsrausch diente, der Politik und Moral in eins gesetzt und jegliche Reflexion und Realitätswahrnehmung verdrängt, ja bei Strafe des sozialen Ausschlusses strikt verboten hat.

In einem Interview mit der „FAZ“ im Mai 2016 kommt der bulgarische Philosoph Ivan Krastev zu der Auffassung, dass eine Million ukrainische Einwanderer in Deutschland niemals die Welle der Solidarität und Hilfe ausgelöst hätten, wie wir sie im Herbst 2015 angesichts der Migranten aus Afghanistan, Syrien, Irak oder Afrika beobachten konnten. Man kann der Aussage Krastevs ohne viel Nachdenken zustimmen, obwohl es dafür keine Möglichkeit der empirischen Prüfung gibt. Woran liegt diese Gewissheit? Krastev trifft meines Erachtens den Kern der Sache:

„Mit den Muslimen kann man Mitgefühl zeigen, gerade weil sie anders sind als wir – und auf diese Weise moralische Überlegenheit demonstrieren. Es steigert natürlich das moralische Selbstwertgefühl, wenn man sagen kann: Diese Menschen sind anders als wir, aber wir helfen ihnen trotzdem.“  “ (…)

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