Medienspiegel

Saudi-Arabien

Konturen einer islamischen Ölrentendiktatur

Hartmut Krauss

„Es sind vor allem zwei Gegebenheiten, die den zentralen Status Saudi-Arabiens im islamischen Herrschaftsraum gewährleisten: Zum einen ist es als Heimat des Propheten Mohammed und Land der Offenbarung sowie der heiligen Stätten Mekka und Medina der geographisch-sakrale Mittelpunkt der muslimischen Welt. Zum anderen imponiert es „als Hüter der bedeutendsten Welt-Energievorräte mit 26,1% der Erdölreserven und 4% der Erdgasreserven weltweit“ (Barth/Schliephake 1998, S. 16) und auf dieser Grundlage – zusammen mit den übrigen Ölmonarchien (Bahrain, Kuwait, Katar, Oman und die Vereinigten Arabischen Emirate) – als das unangefochtene materielle Reichtumszentrum des islamischen Kulturkreises.

Saudi-Arabien ist damit zum einen das ökonomisch, politisch und ideologisch tonangebende Kernland des sunnitischen Islam. Zum anderen repräsentiert es in Form einer absoluten Erbmonarchie eine extrem reaktionäre und repressive Diktatur mit gravierenden Menschenrechtsverletzungen auf allen Ebenen. Im Rahmen dieses Herrschaftssystems wirkt der Islam in seiner landesspezifisch zugespitzten wahabitischen Form – nicht nur als kulturell dominantes bzw. absolutistisches Konzept religiös normierter Lebensführung, sondern fungiert ganz wesentlich auch als Legitimationsideologie bzw. als geistig-moralische Rechtfertigungsgrundlage der bestehenden Herrschaftsstrukturen. So heißt es in Artikel 6 des saudi-arabischen „Grundgesetzes der Herrschaft“: „Die Bürger bekunden dem König auf der Grundlage des Buches Allahs, des Erhabenen, und der Sunna seines Propheten sowie dem Prinzip ‚Ich höre und gehorche, im Guten wie im Bösen, in Armut wie im Wohlstand‘ die Treue“ (Brandes 1999, S. 270). Die Artikel 23, 45, 46 und 48 verordnen die Unterwerfung des Staates, der Rechtsetzung, der Richterschaft und der Gerichte im Saudi-Arabischen Königreich unter die Scharia.“ (…)

http://www.hintergrund-verlag.de/texte-islam-hartmut-krauss-saudi-arabien-konturen-einer-islamischen-oelrentendiktatur.html

und aktuell, im Hinblick auf die Reise Donald Trumps:

https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/rafael-seligmann-stringent/saudi-arabien-wieder-der-beste-freund-statt-iran/

Kommentar GB:

Die Wahl zwischen Pest und Cholera ist generell keine erfreuliche. Aber wie auch immer man hier nun zuordnen mag, es gibt einen wichtigen Unterschied. Der schiitische Iran bemüht sich ernsthaft, eigene Kompetenzen bezüglich Naturwissenschaft & Technik aufzubauen, obwohl er kulturell genauso Feind der kulturellen Moderne ist wie Saudi-Arabien. Und das ist der Grund, weshalb der Iran als vergleichsweise deutlich gefährlicher eingeschätzt werden mag.

Für Israel kommt Irans bestimmender Einfluß auf die Hisbollah im Libanon und Hamas im Gaza-Streifen hinzu. Diese militärisch aktiven Hilfstruppen des Iran stehen an den Grenzen des Landes, im Norden und zugleich im Süden.