Medienspiegel

Eine Verneigung

Seit zwölf Jahren ist Angela Merkel nun schon als Bundeskanzlerin im Amt. Selbst beispiellose Fehlentscheidungen werden ihr verziehen. Wie macht sie das bloß?

http://cicero.de/berliner-republik/angela-merkel-eine-verneigung

Kommentar GB:

Wer wissen möchte, was eine Paradoxie ist: hier liegt sie offen vor aller Augen. Ihre Darstellung ist dem Autor des Artikels wirklich gelungen. Und seine berechtigte Frage bleibt offen.

Der Blogger Hadmut Danisch hat einmal den Begriff der „Linksflucht“ anstelle eines „Rechtsrucks“ eingeführt, und die empirisch faßbaren Veränderungen bei den Wahlen scheinen mir diese These und diesen Trend alles in allem zu bestätigen. Insoweit ist es zu kurz gesprungen, nun allen Unmut bei Martin Schulz abzuladen. Die SPD selbst ist das Problem, das sie nicht wahrhaben will; in NRW ist das erkennbar geworden.

Daß die LINKE, die Grünen und die SPD hartnäckig nicht begreifen, daß es ihre politischen Fehler, ihre Verbohrtheit, ihre Mißachtung legitimer mehrheitlicher Wählerinteressen und ihre Lernunfähigkeit sind, die die Linksflucht antreiben, und das ist eine Tragik für die ganze Demokratie.

Vielleicht hat das etwas damit zu tun, daß die Personaldecke der Parteien auf dramatische Weise immer dünner geworden ist, und daß außerdem die internen Rekrutierungs- und Auswahlmechanismen immer schlechter und unzuverlässiger geworden sind (Quotenpolitik).

Etwas zugespitzt formuliert heißt das: Jeder politische und intellektuelle Gartenzwerg kann heutzutage Minister oder Ministerpräsident werden, oder, und das war schon im letzten Jahrzehnt des 20. Jh. so, in höchste Richterämter berufen werden, wobei die weibliche Variante besonders leicht die Treppe hinauffällt, wenn nur die politischen Randbedingungen dafür gegeben sind.

Diese Linksflucht-Tendenz kommt m. E. trotz und nicht wegen Angela Merkel der CDU zugute, sobald es der Union insgesamt gelingt, den potenziellen Wählern zu suggerieren, die Union sei zur Fehlerkorrektur bereit und in der Lage; wobei sich besonders die CSU hervortut.

Es dürfte massenhaft CDU-Wähler geben, die die politische Linie der CSU (oder der ÖVP unter Sebastian Kern) für die eigentlich richtige Linie halten, denen aber die Wahl der CSU (und natürlich der ÖVP) verwehrt ist. Wäre sie es nicht, würde die CDU – und insbesondere Angela Merkel – das voraussichtlich sehr massiv zu spüren bekommen. Der Merkelismus – mit seinen verdeckten engen politischen Bezügen zur Democratic Party /USA –  dürfte real fast derselben Linksfluchttendenz ausgesetzt sein wie das postmodern-linke Spektrum (LINKE-Grüne-SPD) insgesamt (siehe unten: die „Hunnenrede“ von AM). Merkel ist aus dieser Perspektive gesehen viel schwächer als sie es derzeit zu sein scheint; träfe das zu, dann wäre die anfänglich benannte Paradoxie letztlich ein Schein, eine Täuschung.

Diejenigen aber, die all diesen Suggestionen nicht trauen, entscheiden sich dann hoffnungsvoll bis skeptisch zwischen FDP oder AfD oder ihrer Nichtwahl.

Wie sähen die Parlamente aus, wenn die Zahl der Abgeordnetensitze nach Maßgabe des Nichtwähleranteils eingekürzt würden?

Merkels „Hunnen“- Rede