Medienspiegel

Mohammed bin Salman wird neuer Kronprinz

Generationenwechsel in Riad
von Monika Bolliger, Beirut 21.6.2017
Mohammed bin Salman strebte seit seiner Ernennung zum Vizekronprinzen nach Höherem. Der Sieg im Machtpoker ist ihm überraschend schnell gelungen.

https://www.nzz.ch/international/generationenwechsel-in-riad-mohammed-bin-salman-wird-neuer-kronprinz-ld.1302245

Kommentar GB:

Riad und Teheran bilden die zwei Kammern des Herzens der Finsternis.

Soziologisch muß gesehen werden, daß die Spitzen dieser Rentiersökonomien Mitglieder im informellen und kulturell heterogenen globalen Club der Oligarchen sind. Sie gehören daher zu jenen, die die globale Politik tatsächlich mitbestimmen können.

Aus diesem Grunde ist es eben keineswegs abwegig – wie man auf den ersten Blick denken könnte – vom islamischen Ziel des weltweiten Kalifats zu sprechen, das nach wie vor ernsthaft und praktisch wirksam verfolgt wird mittels des weltweiten Islamisierungsprozesses mit europäischem und nordamerikanischem Schwerpunkt.

In den USA zeigt sich die Bedeutung der Oligarchen gegenwärtig an der Konfrontation zwischen George Soros (DP) auf der einen und Donald Trump (RP) auf der anderen Seite. Aber auch die Bush-Familie (RP) gehört zu diesem Kreis, nicht jedoch die Clintons (DP) oder Obama (DP), die jeweils sozusagen als Prokuristen fungierten, eine Rolle, die auch Hillary Clinton in Verstetigung vorhandener politischer Konzepte zugedacht gewesen war.

Und auch in Europa sind die Milliardäre – oder die Oligarchen – einflußreich, halten sich aber zumeist sehr bedeckt; nur der europäische Hochadel zelebriert stellvertretend gesellschaftlichen Glanz. Allein Reinhold Mohn hat mit seinem Bertelsmann Konzern und der Bertelsmann Stiftung sichtbar einen Weg eingeschlagen, wie er in den USA seit langem gang und gäbe ist, und der politische Einfluß seiner Stiftung ist in Deutschland erheblich.

Dieser oft maßgebliche politische Einfluß unterscheidet die Oligarchen, neben ihrem immensen Reichtum, von den entmachteten Bevölkerungen. Man sieht am Fall Chodorkowski in Rußland allerdings auch ein Beispiel des Scheiterns. Putin, eigentlich ein „Prokurist“ wie Clinton, hat sich gegen die russischen Oligarchen durchgesetzt, mit Methoden, die an Zar Peter den Großen erinnern. Und deshalb ist er, der Emporkömmling, anderen Oligarchen verhaßt, nicht zuletzt jenen in den USA.

Denn: die Prokuristen sollen Prokuristen, ihnen also dienstbar bleiben!