Medienspiegel

Warten auf Godot, 5. Akt

Trump, Netanyahu und der Nahost-Konflikt
Kolumnevon Carlo Strenger 31.5.2017
Im Nahen Osten leben und sterben Menschen für Prophezeiungen und Glaubenssätze, die in heiligen Texten niedergelegt sind. Deshalb ist ein «Deal» auch nicht so einfach möglich.

Kommentar GB:

Zu Hebron  z. B. ist dem Autor eine israelkritische Anmerkung eingefallen, zu Recht oder auch nicht. Aber die Legende, die sich um den muslimischen Felsendom rankt, die erwähnt er nicht?

(…) „Um das Prestige ihrer Herrschaftsgebiete aufzuwerten, taten die Omajjaden dann 715 etwas sehr Kluges: Sie bauten eine zweite Moschee in Jerusalem, wieder auf dem Tempelberg, und nannten diese die Ferne Moschee (al-masjid al-aqsa, Al Aksa-Moschee). Damit gaben sie der Stadt rückwirkend eine Rolle in Mohammeds Leben. Diese Verbindung von Jerusalem mit al-masjid al-aqsa passt in eine weit verbreitete muslimische Tendenz Orte mit Namen zu identifizieren, die im Koran zu finden sind: „Wann immer der Koran einen Namen zu einem Er­eignis angibt, wurden Geschichten erfunden, um den Eindruck zu geben, dass irgendwie, irgendwo, irgendwer wusste, worum es sich handelte.“

Gegen alle Logik (wie kann eine Moschee, die fast ein Jahrhundert nach dem Erhalt der Koran gebaut wurde, belegen, was der Koran aussagt?) gab der Bau einer tatsächlichen Al Aksa-Moschee, wie der palästinensische Historiker A.L. Tibawi schreibt, „dem im Koran gebrauchten symbolischen Namen Realität“. Dies hatte auch den überaus wichtigen Effekt, dass Jerusalem post hoc in den Koran eingefügt wurde, womit es eine zentralere Rolle im Islam bekam. Das ergab auch noch andere Veränderungen. Verschiedene Koran-Verse wurden neu interpretiert, um sich auf diese Stadt zu beziehen. Jerusalem wurde mit der Zeit als der Ort des Endgerichts angesehen. Die Omajjaden verwarfen den unreligiösen Namen der Römer für die Stadt, Aelia Capitolina (in Arabisch: Iliya) und ersetzten ihn mit Namen jüdischer Art, entweder Al-Quds (Die Heilige) oder Bayt al-Maqdis (Der Tempel). Sie finanzierten eine Literaturform, die die „Tugenden Jerusalems“ priesen, ein Genre, das ein Autor „zionistisch“ zu nennen versucht ist. Berichte über freundliche Aussagen oder Taten des Propheten (auf Arabisch: Hadithe, oft als „Traditionen“ übersetzt) gegenüber Jerusalem kamen zu dieser Zeit auf, einige stellten die Stadt Mekka gleich. Es gab sogar einen Versuch, die Pilgerreise (Hadsch) von Mekka nach Jerusalem zu verlegen.“ (…)

http://de.danielpipes.org/93/der-moslemische-anspruch-auf-jerusalem

Kommentar GB:

Es ist für okzidental-rational geprägte Menschen unverständlich, daß das, was als Kompromiß so naheliegend, möglich und sinnvoll erscheint, nämlich eine Zwei-Staaten-Lösung, tatsächlich eine Fata Morgana ist, weil der Widerpart des Irrationalismus jeglichen dauerhaften und tragbaren Kompromiß rigoros ausschließt. Kompromißhafte Zugeständnisse sind in diesem irrationalen Horizont stets nur temporärer Art. Sie können nur solange existieren, wie die Machtverhältnisse das erzwingen. Siehe hierzu: Hamas.