Medienspiegel

Differenz der Geschlechter: Warum Frauen selten Ingenieure sind

von Hansueli Schöchli 28.8.2017
Die Kontroverse um einen Programmierer bei Google hat das Scheinwerferlicht erneut auf die Geschlechterfrage in der Berufswelt gelegt. Die Forschungsliteratur hat viel zu diesem Thema zu sagen.

https://www.nzz.ch/wirtschaft/differenz-der-geschlechter-warum-frauen-selten-ingenieure-sind-ld.1312963

Kommentar GB:

In einer freiheitlichen Gesellschaft, wie sie vom Grundgesetz normiert wird, haben Menschen  das Recht einer freien Wahl (hier: Berufswahl), und sie wählen nach ihren Präferenzen.

Sie tun, was sie tun möchten, aus welchen weiteren Gründen oder Motiven auch immer, allerdings unvermeidlich stets unter den jeweiligen realen historischen Randbedingungen.

Gerade wegen ihrer inhaltlichen Unbestimmtheiit und Nicht-Determiniertheit sind diese  Präferenzen, was sind, nämlich: frei. Die zugehörigen Folgen sind als selbst gewählte zu akzeptieren, was denn sonst? Jeder mündige Mensch (Kant) verantwortet die Folgen seines Tuns oder Unterlassens selbst. Das ist die Sicht der politischen liberalen Theorie, und ebenso der neoklassischen ökonomischen Theorie, der Mikroökonomik. Wer sich zum Beispiel für einen bestimmten Beruf entscheidet, aber sich zu einem späteren Zeitpunkt umorientieren möchte, der kann das als freier Mensch jederzeit und ohne Begründungspflicht tun, ob als Mann oder als Frau, das spielt dabei keine Rolle. Die Präferenzen sind frei, sie sind unmittelbarer Ausdruck der Freiheit des Menschen schlechthin. Wer das relativiert, der relativiert diese Freiheit des Menschen.

Deshalb ist die nur scheinbar schwierige Frage nach den Gründen ungleicher Verteilungen ganz einfach beantwortet, nämlich damit, daß es sich um die Folgen der Wahrnehmung freier Präferenzen, freier Wahlentscheidungen handelt, die als solche zu respektieren sind. Niemand muß irgendeine Entscheidung vor irgendjemanden begründen oder gar rechtfertigen, und es gibt prinzipiell weder „richtige“ noch „falsche“ Entscheidungen, weil es keinerlei Norm gibt und geben kann, in Bezug worauf diese Bezeichnungen begründbar wären. Es handelt sich aus dieser Sicht um ein bloßes Scheinproblem, an dem sich der obige Artikel abarbeitet. Tatsächlich besteht keinerlei Handlungsbedarf, solange die Wahlfreiheit unter gleichen Berechtigungen (Gleichberechtigung; Chancengleichheit) gewährleistet ist und bleibt, also z. B. Quotierungen nicht vorkommen.

Wird demgegenüber behauptet, diese Wahlfreiheit gebe es gar nicht, weil die Erziehung der Menschen vorherbestimmend wirke (durch sogenannte Geschlechter-Stereotype), dann wäre das erst einmal zu beweisen, nicht nur hartnäckig wiederholt zu behaupten, um sie zugleich als unbegründete und unbegründbare, also ideologisch-willkürliche, dogmatische Normierung in die politische Praxis einzuführen.

Die feministische Vorstellung, in allen oder auch nur in den vermeintlich besonders attraktiven gesellschaftlichen Bereichen müsse es geschlechtsbezogen 50%-Anteile geben, ist schlicht eine Zwangsvorstellung, sowohl im psychologischen wie im politischen Sinne.

Derart irreales und illiberales, wenn nicht neurotisches Denken, das nicht zufällig an Prokrustes erinnert, sollte, weil schädlich, von der Politik ausgeschieden werden.