Medienspiegel

RAF und Religion

„Kein Zufall, dass viele Linksterroristen evangelisch waren“

Auch 40 Jahre nach dem Deutschen Herbst sind nicht alle Motive der RAF-Terroristen geklärt. Zu den jüngeren Forschungsergebnissen gehört, dass bei der Radikalisierung auch die protestantische Sozialisation eine Rolle spielte. „Es war kein Zufall, dass so viele Linksterroristen aus evangelischen Familien stammen“, sagt der RAF-Forscher Wolfgang Kraushaar.

Wolfgang Kraushaar im Gespräch mit Monika Dittrich

http://www.deutschlandfunk.de/raf-und-religion-kein-zufall-dass-viele-linksterroristen.886.de.html?dram:article_id=398316

Kommentar GB:

Auffällig war und ist der gesinnungsethische Radikalismus von Ulrike Meinhof zum Beispiel.

Bis heute ist dieser gesinnungethische Radikalismus in der EKD auf tragische Art und Weise virulent und unbegriffen. Dabei liegt es doch zum Beispiel auf der Hand, daß das deutsche Volk moralisch sowenig verpflichtet ist, alles Elend der Welt als Unmöglichkeit auf sich zu nehmen, um endlich illusionär entsühnt zu werden, wie es die moralische Verpflichtung von Ulrike Meinhof gewesen ist, sich des Elends der Heimkinder persönlich anzunehmen, indem deshalb der Gesellschaft der Krieg erklärt wurde, von ihr und einer Handvoll von Fanatikern; darunter auffallend viele Frauen.

Wie kommt nur diese merkwürdige Vorstellung voller Selbstüberschätzung zustande, daß es nur auf uns oder nur auf sie dabei ankäme? Und dann fehlt die Reflexion auf die Folgen des eigenen Handelns, also die Folgenethik, vollkommen. Die Erkenntnis und Bewertung der zu erwartenden und der zu verantwortenden Folgen nämlich sind eine Frage der praktischen Vernunft, und um darauf eine realitätstaugliche Antwort zu geben, muß man auf der Höhe der Zeit und im besten Fall auch selbst verantwortlich sein. Alles dies kann man der EKD – Führung (und den katholischen Kardinälen, mit denen sie einig ist) schwerlich nachsagen.

Die EKD beruft sich sich nach wie vor auf ihre Gesinnungsethik, also auf den evangelischen Glauben, nunmehr in der Migrationsfrage, der zum Beispiel in Gestalt des sogenannten Kirchenasyls leicht radikalisiert werden kann, dabei aber unterkomplex bleibt, und der auf der Handlungsebene der praktischen Vernunft, auf der reale Probleme gelöst werden müssen,  konstruktiv nichts beitragen kann.

Die evangelische Kirche hätte m. E. Grund darüber zu reflektieren, was ihre religiöse Erziehung zu diesem fatalen gesinnungsethischen Radikalismus beigetragen hat.

Dazu würde man gerne etwas hören oder lesen.