Deutsch? Pech gehabt.

Ein Land wird irre

Manfred Haferburg / 24.02.2018

„Zitat aus einem Urteil des OLG Koblenz vom 14.02.2017 bezüglich der illegalen Einreise in die Bundesrepublik:

Die rechtsstaatliche Ordnung in der Bundesrepublik ist in diesem Bereich jedoch seit rund eineinhalb Jahren außer Kraft gesetzt und die illegale Einreise ins Bundesgebiet wird momentan de facto nicht mehr strafrechtlich verfolgt.“

Das hat ein deutsches Gericht festgestellt, und man muss es zweimal durchlesen, um die Tragweite zu verstehen.

Die rechtsstaatliche Ordnung der Bundesrepublik scheint aber auch in anderen Bereichen ausgesetzt worden zu sein. Ich habe mir den Spiegel-TV Bericht „Ein Mann, zwei Ehefrauen, sechs Kinder“ angesehen und bin ob der Langmütigkeit der deutschen Gesellschaft sprachlos. Nicht etwa wegen des Falles von Ahmad und seiner Großfamilie. Die Kinder sind süß, der Syrer Ahmad und seine Frauen sind sympathisch. Der Spiegel-TV Film ist gut gemacht, lässt die Flüchtlinge zu Wort kommen, lässt Tatsachen sprechen und kommt weitgehend ohne aufgeladene Kommentare aus. Obwohl mir beim Ansehen ein leicht ranziger Reality-TV-Geruch in die Nase stieg, der Syrer ist Analphabet.

Als Auslandsdeutschen erschüttern mich die schier unglaublichen Widersprüche im Rechtsstaat, die dieser Fall ans Tageslicht bringt. Und natürlich auch, dass ein „#Rechtstaat-metoo-Aufschrei“ vollständig ausbleibt. Die Leitmedien, die sonst so sensibel auf jede Ungerechtigkeits-Gap reagieren, bleiben ziemlich ungerührt beim „Herkunfts-Gap“.“ (…)

http://www.achgut.com/artikel/deutsch_pech_gehabt_ein_land_wird_irre