Das alte Europa gibt es nicht mehr

Veröffentlicht in: Das kritische Tagebuch

„Italien hat gewählt und es sieht ganz danach aus, dass es keine mehrheitsfähige Regierung geben wird und die Wähler schon bald erneut an die Urnen gerufen werden. Das ist nicht neu. Neu ist jedoch, dass sich das alte Parteiensystem der Nachkriegszeit bei den Wahlen am Sonntag nun wohl endgültig verabschiedet hat. Die Nachfolgeparteien der Christdemokraten und Sozialdemokraten spielen nur noch als mögliche Juniorpartner eine Rolle. Die großen Gewinner sind die Rechtsextremen der Lega und die tendenziell eher links einzuordnende Anti-Establishment-Bewegung „5 Sterne“. Italien ist dabei kein Einzelfall. Egal ob es sich um die Niederlande, um Frankreich oder auch um Deutschland handelt – während die alten sozialdemokratischen Parteien sich durch ihre gänzlich unsozialdemokratische Politik selbst abschaffen, feiern Anti-Establishment-Bewegungen und Rechtsextreme ihren Siegeszug. Und wie lautet Europas Antwort? Die scheint es (noch) nicht zu geben. Derweil übt man sich lieber in Wählerbeschimpfung und strampelt sich so munter weiter in den Treibsand. Und am Ende sind wieder alle komplett überrascht.“  Von Jens Berger.

Das alte Europa gibt es nicht mehr

Kommentar GB:

Die postmoderne „Linke“ begreift samt Politik und Medien offensichtlich nicht, daß alle diese Veränderungen sich aus der Dialektik der Globalisierung heraus erklären lassen. Das heißt, es wirkt hier eine systemendogene Logik, die die bisherige Globalisierungsbewegung, die an ihre Grenzen gestoßen ist, nun in ihr Gegenteil umschlagen läßt. Dieser Prozeß ist seit Beginn der internationalen  Finanzkrise im Gange und er setzt sich mit der Migrationskrise beschleunigt fort. Leider vollzieht sich diese Phase der Entwicklung der Weltgesellschaft ebenso blindlings und beschränkt wie die vorherige, und das läßt wenig Gutes erwarten. Die Funktionseliten in Europa wirken entweder weiterhin als sture multikulturelle Globalisten, die immer noch nichts gemerkt haben (EU-Kommission und die DP/USA), oder sie wirken als hektische, nervös-desorientierte und von den Problemen überforderte Leute, die gleichwohl den Schein, sie schafften das, wahren wollen.

Da die Megatrends kaum beeinflußbar sind, bleibt nur, die praktisch-politische Vernunft in noch überschaubaren und bestimmbaren Räumen zur Geltung zu bringen, aber die bisherigen, sattsam bekannten Funktionseliten können Träger dieser Vernunft eben nicht sein. Aber ob nun andere etwas Besseres zu bringen vermögen, das ist keineswegs gewährleistet, sondern lediglich eine Chance, die ohne Risiken, die nicht übersehen werden dürfen, nicht zu haben ist.