Die aggressiv auftretende Moral liebt die ganze Menschheit

Das ist das Unmoralische an ihr.
Die Dresdner Debatte zwischen Uwe Tellkamp und Durs Grünbein hat das literarische Reden ins schiefe Licht gerückt. Dieses aber folgt anderen Gesetzen als die politische Rede. Von diesem Unterschied wäre etwas zu lernen.
Norbert Gstrein 22.3.2018

https://www.nzz.ch/feuilleton/die-aggressiv-auftretende-moral-liebt-die-ganze-menschheit-das-ist-das-unmoralische-an-ihr-ld.1367915

Kommentar GB:

Die moralphilosophischen Urteile, die uns heute im öffentlichen Raum meist in Gestalt von  Forderungen „angeboten“ werden, von seiten der Kirchen oder von Seiten der Medien, von Seiten etlicher NGO´s oder von Seiten der etablierten Parteien, sie sind allesamt untriftig, weil falsch begründet. Im Grunde handelt es sich platterdings um kaum mehr als um freischwebende Behauptungen und Forderungen, die schlicht zurückzuweisen sind. Im übrigen ist bereits die hysterisch-aggressive Tonlage solcher Aussagen ein Grund, sie zu stoppen, weil sie einem rationalen Entscheidungsprozeß schaden.

Gesinnungsethik spielt zwar eine Rolle in der moralphilosophische Reflexion, aber mitnichten die einzige, wie insbesondere die Kirchen nicht begreifen. Es stellt sich vielmehr immer die Frage danach, wer denn – unter Berücksichtigung legitimer Eigeninteressen – warum welche moralische Pflichten hat, und welche Folgen denn durch diese oder jene Entscheidung ausgelöst werden. Und erst die Gesamtheit dieser Gesichtspunkte, die reflektiert und gegeneinander abgewogen werden müssen führt zu einem begründeten moralphilosphischen Urteil.