Israel, das schräge Feindbild der Linken

Die wichtigsten Postulate und Forderungen der Linken sind in Israel erfüllt. Trotzdem wird das Land von der globalen Linken massiv kritisiert. Warum eigentlich?

von Florian Schwab

Israel, das schräge Feindbild der Linken

(…) „Barghouti ist Mitbegründer der sogenannten BDS-Bewegung, die sich für einen Wirtschaftskrieg gegen Israel starkmacht, der Boykotte, Desinvestitionen und Sanktionen beinhaltet (Boycott, Divestment, Sanctions, BDS). Wie kommt eine politisch linke Bewegung mit einem gewissen akademischen Anspruch dazu, mit BDS gemeinsame Sache zu machen?“ [Siehe ganz unten, GB]

(…) „Die Rede Barghoutis beginnt mit einem Kolonialismus-Vorwurf an die Adresse Israels. Er stellt den Zionismus des 19. und 20. Jahrhunderts in den Kontext des Kolonialismus, stellt ihn als einen Teil davon dar. Scheinbar zufällig springt er zwischen den Begriffen colonialism (Kolonialismus) und settler-colonialism (Siedler-Kolonialismus) hin und her.

Damit liegt Barghouti ganz auf der Linie eines Teilgebiets der Postkolonialismus-Studien, das vor allem an zwei linken amerikanischen Universitäten gepflegt wird: der University of Illinois und der University of California Berkeley. Seit Jahren versuchen Kolonialismus-Forscher an diesen beiden Universitäten, Israel den Mantel eines Kolonialstaates anzuhängen und ihm damit die Daseinsberechtigung abzusprechen. Nach dem Untergang des Apartheidregimes in Südafrika wird Israel als das letzte noch lebendige Überbleibsel des westlichen Kolonialismus dargestellt.

Explizit wurde die Argumentationslinie Israel=Kolonialstaat an der Universität Berkeley entwickelt, wo seit 2016 ein Kurs mit dem Titel „Palestine: A Settler Colonial Analysis“ angeboten wird. Der Kurs steht unter der Ägide von Dr. Hatem Bazian, einem der israelfeindlichsten Akademiker der USA.

Harvard-Professor Alan Dershowitz, einer der renommiertesten Rechtsgelehrten der USA, weist in einem neuen Youtube-Clip („Why the hard left is wrong on Israel“) darauf hin, wie schräg die Analogie mit dem Kolonialismus ist. Die radikale Linke versuche, Israel als Überbleibsel des Kolonalismuszeitalters darzustellen. „Wie absurd!“, sagt Dershowitz in dem Film. Er weist darauf hin, dass die frühen Siedler vor allem aus Polen und der Ukraine stammten. „Aber sie hassten doch ihre Herkunftsländer und kamen nach Israel, um den Pogromen in diesen Ländern zu entgehen“.“ (…)

Der Bezug auf die Postcolonial Studies ist in der postmodernen „Linken“, im Feminismus, im Genderismus und in gewissen ethnologischen Fächern häufiger zu beobachten.

Der linke Judenhaß kann auf diese Weise  psychologisch rationalisiert werden.