Was ist Globalisierung?

Buchbesprechung

Zu Ulrich Beck: Was ist Globalisierung?

von Michael Mansion

Im Zeitalter der allgemeinen Begriffsverwirrung, wo vermeintlich Links auch vermeintlich Rechts sein kann, ist die Aufschlüsselung eines im politischen Alltag häufig verwendeten Begriffes, wie dem der Globalisierung durchaus hilfreich.

Ulrich Beck beschreibt das Szenario eines zunehmenden Ineinandergreifens von international agierenden Ökonomien und Finanztransfers einerseits und den damit direkt oder indirekt sich verbindenden Bewegungen von Menschen, als Trägerinnen und Trägern von Wissen und Kapital, zugleich jedoch auch in Gestalt von Wirtschaftsmigranten, politisch Verfolgten oder Kriegsopfern.

Das prozessuale Geschehen ist nicht so neu wie es aktuell scheinen mag, aber es hat sich erheblich dynamisiert.

Der Autor gebraucht den Begriff von einer Zweiten Moderne, die sich von der Ersten durch das Wesen ihrer Internationalisierung unterscheidet und damit den klassischen Staatsbegriff, als einem durch nationale Arbeit generierten Konstrukt „unterwandert“, indem das Lokale zugleich fast zwanghaft global wird und von ihm (Beck), begrifflich neu, als Das Glokale bezeichnet wird.

Eine Transnationalität wird projekthaft unterstellt, für welche eine nationenübergreifende Solidarität einzufordern wäre, der es allerdings an den erforderlichen handelnden Akteuren für den nötigen Diskurs zu fehlen scheint, aber der Autor bleibt optimistisch im Sinne eines Vertrauens in Vernunft und damit in einem fast Kant´schen Sinne idealistisch.

Das Spannungsverhältnis, in dem Beck den Prozess begreift, bewegt sich zwischen einer Dynamik des Unvermeidlichen und einer gesellschaftlichen Sicht des Soziologen, der ihr (der Gesellschaft) unterstellt, sie reagiere darauf entweder garnicht oder veraltet unangemessen.

Zugleich referiert er das Für und Wider eines wachsenden Verlustes nationalstaatlicher Macht, wo sich diese – ökonomisch begründet – durchaus zwiespältig zeigt.

Eine lokale Zukunftsfähigkeit sieht der Autor in den Bereichen „besonderer“ nationaler Leistungen, die sich entweder traditionell begründen oder eine Nischenproduktion erzeugen, was in diesem Falle nicht abwertend zu verstehen ist, sondern – als nicht weltökonomisch formiert – besondere Märkte bedienen kann.

Dem von 1997 bis 2015 in dritter Neuauflage erschienen Werk (und damit zugleich im Todesjahr von Ulrich Beck), ist nicht vorzuwerfen, neuere Entwicklungen bewusst ausgespart zu haben, sprach er doch von einer Welt-Risiko-Gesellschaft, in welcher das sich übergreifend vergesellschaftende Risiko durchaus auch zu einer undurchschaubaren Gemenge- und Gefahrenlage werden kann, die ein Boden für Gewalt und Zerstörung dort wäre, wo ökonomische Globalität ihre sozialen Folgeprobleme nicht als kollektive Aufgabe begreift, sondern in die sozialen Auffangnetze der Nationalstaaten (zurück-) verweist, die damit durchaus überfordert sein können.

Es wäre die Frage zu klären, wie der im positiven Sinne internationalistisch denkende Autor die Folgen der muslimischen Massenmigration und damit den Import einer vormodernen, extrem reaktionären und verfassungsfeindlichen Ideologie mit Herrschaftsanspruch gewertet hätte, ist doch deren kultureller Bezug zu einer modernen und liberalen Industriegesellschaft eher nicht auszumachen oder per se negativ zu deuten.

Dass der modernen, sich digitalisierenden Industriegesellschaft, zunehmend die Erwerbsarbeit ausgehen wird, sieht der Autor, nennt jedoch Alternativen in bislang vernachlässigten, jedoch wichtigen gesellschaftlichen Bereichen.

Damit betritt er allerdings kein Neuland und bleibt hinsichtlich einer (hierzu) erforderlichen neuen Machtkonstellation im Sinne eines Glokalen Sozialen, erneut einen Verweis auf die erforderlichen Akteure schuldig, die man sich nur schwer als delegierte Parteigranden zu denken vermag.

Ein vom ihm geradezu beschworenes Europäisches Weltbürgertum, wird, wie er anmerkt, nicht mal als ein Mangel empfunden, wo es doch aus der Globalisierungsfalle keinen nationalen Ausweg geben könne, wohl aber einen transnationalen mit dem Vorrang der Politik vor den wirtschaftlichen Interessen, was man dann natürlich auch wollen muss, wenn es wirklich um einen New Deal geht.

Dass er lieber auf eine Linke als Motor gesehen hätte, scheint gelegentlich trotz etwas fragwürdig gesetzter Zusammenhänge zwischen Marx und dem sog. Neoliberalismus durch und er kritisiert mit Fug und Recht, dass von dort so gut wie nichts gekommen ist, was den erforderlichen Diskurs hätte beflügeln können.

Dazu hat er eine schöne Metapher parat wenn er schreibt, dass ein Kapitalismus ohne Arbeit genau so jämmerlich daher kommt, wie ein Marxismus ohne Utopie.

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