Antisemitismusbeauftragter: Felix Klein

Der designierte Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung führt den unverhohlener gewordenen Hass auf Juden in Deutschland auch auf die AfD zurück.

Björn Höcke und Co. sind für Felix Klein dabei aber nicht das einzige Problem.

  • Aktualisiert am 28.04.2018

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/regierungsbeauftragter-afd-hat-zu-verstaerktem-antisemitismus-beigetragen-15564737.html

Hierzu:

Diese beiden Beiträge sprechen wohl eher gegen diese These:

Ein Beleg zugunsten dieser Sichtweise ist jedoch nach Ansicht von Hartmut Krauss dieser Abgeordnete:

https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Hohmann

und dazu Hartmut Krauss:

Auszug aus:

Emanzipatorischer Atheismus als Alternative“.

Zur aktuellen Bedeutung von Jean Mesliers radikaler Herrschafts- und Religionskritik.

Einleitungstext zu:

Hartmut Krauss (Hg.): Das Testament des Abbé Meslier.

Die Grundschrift der modernen Religionskritik.

IV.

Vor diesem Hintergrund ist der Nachlaßtext von Jean Meslier, der mit dieser Neuveröffentlichung nun wieder in deutscher Sprache zugänglich gemacht wird, keinesfalls „nur“ von rein geistesgeschichtlichem Interesse, sondern von brennender Tagesaktualität. In Mesliers „Testament“ begegnet uns die noch frisch engagierte Artikulation einer radikalen Religionskritik, die am Beispiel des Christentums eine dichte, umfassende und tiefschürfende Analyse der gottzentrierten Weltanschauung vorbringt. Hier wird das ausgesprochen, was heutige nichtreligiöse Menschen in Europa gar nicht mehr konsequent reflektieren und sprachlich kommunizieren (können) , sondern es vorziehen, sich in stummer Gleichgültigkeit abzuwenden oder zurückzulehnen. Angesicht der fundamentalistischen Wiederkehr des Religiösen und seiner postmodernistischen und kulturrelativistischen Wegbahnungen ist dieser reflexionslose Unglaube nicht nur als bereits wieder überholt, sondern mittlerweile auch als kulturell selbstgefährdend anzusehen. Denn das Abartige der spätmodernen Religion tritt uns heute ja nicht nur als Sexskandal wie z. B. im St. Pöltener Priesterseminar1 entgegen, sondern ganz konkret als aggressive Hetze gegen Nichtgläubige. Während die Islamisten bereits zum Schlachtmesser greifen und auch in Deutschland grundgesetz- und menschenrechtswidrige Subkulturen installieren, begnügt sich ein rechtsextremistischer Haßprediger und Konfessionsbruder Adolf Hitlers, wie der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann, derweil noch mit ätzender Demagogie. So lautete die entscheidende Passage in seiner viel beachteten öffentlichen Rede zum deutschen Nationalfeiertag am 3. Oktober 2003 folgendermaßen:

„Meine Damen und Herren, wir müssen genauer hinschauen. Die Juden, die sich dem Bolschewismus und der Revolution verschrieben hatten, hatten zuvor ihre religiösen Bindungen gekappt. Sie waren nach Herkunft und Erziehung Juden, von ihrer Weltanschauung her aber meist glühende Hasser jeglicher Religion. Ähnliches galt für die Nationalsozialisten. Die meisten von ihnen entstammten einem christlichen Elternhaus. Sie hatten aber ihre Religion abgelegt und waren zu Feinden der christlichen und der jüdischen Religion geworden. Verbindendes Element des Bolschewismus und des Nationalsozialismus war also die religionsfeindliche Ausrichtung und die Gottlosigkeit. Daher sind weder „die Deutschen“, noch „die Juden“ ein Tätervolk. Mit vollem Recht aber kann man sagen: Die Gottlosen mit ihren gottlosen Ideologien, sie waren das Tätervolk des letzten, blutigen Jahrhunderts. Diese gottlosen Ideologien gaben den „Vollstreckern des Bösen“ die Rechtfertigung, ja das gute Gewissen bei ihren Verbrechen. So konnten sie sich souverän über das göttliche Gebot „Du sollst nicht morden“ hinwegsetzen. Ein geschichtlich bisher einmaliges millionenfaches Morden war das Ergebnis. Daher, meine Damen und Herren, plädiere ich entschieden für eine Rückbesinnung auf unsere religiösen Wurzeln und Bindungen. Nur sie werden ähnliche Katastrophen verhindern, wie sie uns Gottlose bereitet haben. Die christliche Religion ist eine Religion des Lebens. Christus hat gesagt: ‚Ich will, daß sie das Leben haben und daß sie es in Fülle haben‘ (Joh. 10, 10). Damit ist nicht nur das jenseitige, sondern ganz konkret unser reales heutiges Leben und Überleben gemeint. Deswegen ist es auch so wichtig, daß wir den Gottesbezug in die europäische Verfassung aufnehmen.“2

In der anschließenden öffentlichen Debatte wurde ausschließlich die antijüdische Aussageebene von Hohmanns Rede skandalisiert, während die abgefeimte Hetze gegen die Gottlosen, die ja im Zentrum von Hohmanns verleumderischen Ausführungen standen, völlig außer Acht gelassen wurde. Dieser selektiv-einäugige Moralismus der deutschen Öffentlichkeit wurde vom Präsidenten der Freien Humanisten Niedersachens, Folker Janßen, zutreffend angesprochen: „Die Beschimpfung und Herabsetzung der nicht religiösen Lebensauffassung ist ungeheuerlich. Der Umgang mit der umstrittenen „Festrede“ dieses CDU-Abgeordneten zeigt, daß es heute in Deutschland möglich geworden ist, Nichtreligiöse zu diffamieren, ohne daß dies als Diffamierung empfunden wird. Das allein ist schon ein Skandal“.

Angesichts des vielfach erwiesenen Tatbestandes, daß die deutsche Justiz nicht nur gegenüber Neonazis, sondern auch gegenüber Fundamentalisten milde bis begünstigend agiert, kann es nicht überraschen, daß sie sich im Falle eines christlichen Rechtsextremisten wie Hohmann ebenso verhalten und diverse Strafanträge gegen ihn abgelehnt hat. Als Begründung wird in einem Schreiben der Staatsanwaltschaft Fulda folgendes angeführt:

„Soweit Hohmann in seiner Rede die „Gottlosen“ als „Tätervolk“ bezeichnet und diese für die Verbrechen Bolschewismus, Kommunismus und Nationalsozialismus verantwortlich macht, entfällt eine Strafbarkeit nach § 130 Abs. 1 und 2 StGB, da die „Gottlosen“ kein Teil der Bevölkerung im Sinne von § 130 StGB sind. Angriffsobjekt der Volksverhetzung sind Teile der inländischen Bevölkerung, die sich aufgrund gemeinsamer innerer oder äußerer Merkmale (Rasse, Volkszugehörigkeit, Religion, politische oder weltanschauliche Überzeugung, soziale und wirtschaftliche Stellung) als eine von der Bevölkerung unterscheidbare Bevölkerungsgruppe darstellen und individuell nicht mehr überschaubar sind (OWG Stuttgart NJW 2002, 2893). Dies trifft auf die sogenannten „Gottlosen“ nicht zu.“

Was nun den demagogischen Charakter von Hohmanns Rede betrifft, so müssen folgende Aspekte angesprochen werden:

1) Hohmann verdrängt völlig die lange Blutspur, die nur allein von Christen und Moslems im Namen Gottes durch die Menschheitsgeschichte gezogen worden ist3. Die historische und aktuelle Summe der Opfer von Kreuzzügen, Djihad, Inquisition, Hexenverbrennungen, Ketzerverfolgungen, islamischen Ehrenmorden, jenseitsgläubigen Selbstmordattentätern etc. macht es demgegenüber erforderlich, von einem langfristig wirksamen religiösen Genozid gegen Nicht- und Andersgläubige zu sprechen.

2) Die Geschichte des abendländischen Christentums hat in Gestalt von Kreuzzügen, Inquisition sowie dem autoritär-hierarchischen Apparat der römisch-katholischen Kirche ein prämodern-totalitäres Sozialerbe überliefert, an das die Nazis bewußt anknüpfen konnten. So kann Rolf Hochhut mit Berechtigung in seinem Drama „Der Stellvertreter“ den SS-Arzt zum Priester sagen lassen: „Wir sind die Dominikaner des technischen Zeitalters … Ein Kulturkreis, der um die Seele seiner Jugend mit einer Kirche wirbt, auf deren Konto die Herren Inquisitoren fallen, endet folgerichtig, wenn er zu seiner Leichenfeier die Fackeln aus unseren Menschenöfen holt. … Erst die Kirche hat gezeigt, daß man die Menschen verheizen kann wie Koks. Allein in Spanien habt ihr ohne Krematorien dreihundertfünfzigtausend Menschen eingeäschert, fast alle lebendig“ (zit. n. Grigulevi 1980, S. 4f.).

3) Die Nazi-Führer waren keinesfalls abtrünnige Gottlose, sondern in ihrem eigenen Selbstverständnis „echte“, nämlich radikale Christen. So wähnte sich der im Milieu des österreichischen Katholizismus aufgewachsene Adolf Hitler von Beginn an als „erlösender Führer“ und „neuer antijüdischer Messias aller Deutschen“. „Ich glaube, daß es auch Gottes Wille war, von hier (Österreich) einen Knaben in das Reich zu schicken, ihn groß werden zu lassen, ihn zum Führer der Nation zu erheben“ (zit. n. Schoeps 1997, S. 265). Explizit beruft sich Hitler auf den göttlichen Willen als Legitimationsgrundlage für das antijüdisch-rassistische Vernichtungswerk: „So glaube ich heute im Sinne des allmächtigen Schöpfers zu handeln: Indem ich mich des Juden erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn“ (ebenda). Dabei sieht sich Hitler als Vollender des von Jesus begonnenen Kampfes gegen das Judentum: „Christus war der größte Pionier im Kampf gegen den jüdischen Weltfeind. Christus war die größte Kämpfernatur, die es je auf Erden gegeben hat. … Die Aufgabe, mit der Christus begann, die er aber nicht zu Ende führte, werde ich vollenden“ (zit.n. Ley 1997, S. 25). Auch der Naziideologe Alfred Rosenberg hat den religiösen Charakter des deutschen Faschismus unumwunden zugestanden: „Der Nationalsozialismus ist nicht antireligiös, vielmehr ist sein Kampf und sein Opfern nur aus einem starken religiösen Impuls möglich gewesen“ (zit. n. Piper 1997, S. 115).

4) Es waren gerade die religiös präformierten Bewußtseinsstrukturen und psychischen Dispositionen der deutschen Bevölkerung in der Zwischenkriegszeit wie messianischer Erlösungsglaube, apokalyptische Erwartungsmuster, antijudaistische Klischees etc., welche die Massenwirksamkeit der Nazi-Ideologie gewährleisteten. Entsprechend war auch der Ehrgeiz der Nazis darauf konzentriert, nicht etwa die christliche Religion auszulöschen, sondern ein neues, radikalisiertes, ‚hartes‘ Christentum zu schaffen: ‚Aufbewahrung‘ und Verschärfung des Antijudaismus und der Apokalyptik bei gleichzeitiger Überwindung der ‚kreuzestheologischen‘ Mitleidsmoral, der Ersetzung des christlichen Universalismus durch eine völkisch-rassistische Überlegenheitsmystik, die vollständige Ausscheidung der jüdisch-hebräischen Erbanteile im Christentum sowie das Verwerfen der Sündenlehre als ein den Macht- und Herrschaftswillen der ‚auserwählten Rasse‘ zersetzendes Konstrukt.

5) Tatsache ist, daß die nazistische Neuschöpfung eines ‚harten‘, völkisch-rassistischen Christentums seitens führender christlicher Theologen nachdrücklich begrüßt und z. T. begeistert unterstützt wurde4. „Äußerungen, Stellungnahmen und Kanzelpredigten … haben nicht nur ein entsprechendes judenfeindliches Klima geschaffen, sondern auch Hitler und den Nazis bewußtseinsmäßig in weiten Teilen der Bevölkerung den Weg zur Lösung der sogenannten ‚Judenfrage‘ geebnet … Bis auf wenige Ausnahmen hatten sich (die) Kirchenoberen mit den Nazis arrangiert. Im Zeichen der Begegnung von Kreuz und Hakenkreuz war alles möglich, schien alles erlaubt zu sein“ (Schoeps 1997, S. 266f.).

Wie gut die bekenntnisübergreifende Gesinnungskumpanei zwischen fundamentalistischen Gotteseiferern funktioniert, zeigt die Teilnahme Hohmanns als Ehrengast an einer antiisraelischen Konferenz am 1. Juli 2004 in Wien. Eingeladen hatte ihn eine Gruppe jüdisch-fundamentalistischer Rabbiner, die glauben, daß Gott den Juden das Leben in der Diaspora auferlegt habe und daher den Staat Israel als Gotteslästerung betrachten. In ihren Augen tragen die Zionisten die wesentliche Schuld am Holocaust. Nach den Worten ihres selbsternannten Oberrabiners Moishe Ayre Friedmann sei die Vernichtung von sechs Millionen Juden durch die Nazis die Strafe Gottes für das jüdische Volk, das sich im Zionismus vom Glauben abgewandt habe. „Die tiefe opferbereite Religiosität der Rabbiner hat mich sehr beeindruckt“, teilte Hohmann angesichts dieser nicht zu überbietenden Holocaustverteidigung mit5.

1 Nach Presseberichten im Sommer 2004 hatten Kriminalbeamte im Priesterseminar von St. Pölten (Österreich) 40.000 pornographische Fotos gefunden, darunter Bilder, die sexuelle Akte von Vorgesetzten mit Seminaristen belegen. Zudem soll es Fotos geben, die Sex mit Kindern und Tieren zeigten. Der St. Pöltener Bischoff Kurt Krenn hatte die Vorfälle als „Bubendummheit“ und „blöde Geschichte“ zu verharmlosen versucht und war daraufhin vom Wiener Pastoraltheologen Paul Zulehner, der Krenn obendrein als alkoholkrank bezeichnete, zum Rücktritt aufgefordert worden.

2 Zitiert nach: http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID2535644,00.html.

3 Es gibt nicht nur eine Kriminalgeschichte des Christentums (Deschner), sondern auch eine des Islam. In Ansätzen kann sie z. B. nachgelesen werden bei Dashti (1997), Tibi (1996) und Raddatz (2002) sowie in zahllosen Lebensbeschreibungen von Opfern islamischen Kulturterrors.

4 In der Predigt des evangelischen Bischofs Dibelius bei der Eröffnung des Reichstags am 21.3.1933 wird in entlarvender Deutlichkeit die obrigkeitsfromme Tradition des lutherischen Protestantismus als Legitimationsfolie für das Bekenntnis zum Naziregime bemüht: „Wir haben von Dr. Martin Luther gelernt, daß die Kirche der rechtmäßigen staatlichen Gewalt nicht in den Arm fallen darf, wenn sie tut, wozu sie berufen ist. Auch dann nicht, wenn sie hart und rücksichtslos schaltet“ (zit. n. Kühnl 1975, S. 222).

5 Vgl. DER SPIEGEL Nr. 29 vom 12.07.2004, S. 16.