Medienspiegel

Religion in der Migrationsgesellschaft

Veröffentlicht

Buchbesprechung

Zu Peter J. Brenner:

Fremde Götter – Religion in der Migrationsgesellschaft

von Michael Mansion

Wer hätte noch vor zehn Jahren im Ernst daran gedacht, im weitestgehend entkirchlichten Deutschland eine Religionsdebatte führen zu müssen?

Neue, archaische Götter haben die Bühne der westlichen Welt betreten und Nietzsches Einsicht vom Ende der Religion scheint nicht mehr zu gelten.

Wer dies seinem Titel „Fremde Götter“ voranstellt, ist Prof. Peter J. Brenner und er ist gleich in mehreren Fachgebieten wie u.a. Literaturgeschichte, Philosophie, Komparatistik und Erziehungswissenschaften zu Hause.

Von einem Epochenbruch in der deutschen Geschichte, bezogen auf 2015, spricht er und macht einen wesentlichen Unterschied zwischen einer Gesellschaft mit kontrollierter Einwanderung und einer Migrationsgesellschaft, deren nur schwer nachvollziehbare Willkommenseuphorie, ihre Ursache in einer Entintellektualisierung des öffentlichen Raumes und Diskurses einerseits und einer zentralen politischen Fehlentscheidung andererseits hat.

Eine mit den Migranten eingereiste archaische und invasiv eindringende Kultur und Religion mit Herrschaftsanspruch zwingt zu einer Neubestimmung der Religion in der Gesellschaft.

Diese neue Religion wirkt destabilisierend und hat das Zeug zur partiellen Barbarisierung des europäischen Kulturraumes.

Der Autor zitiert den Historiker Hans Peter Schwarz mit dessen Hinweis, eine Bundesregierung müsse viel Gottvertrauen haben, wenn sie mehr als eine Million Menschen aus dschihadistisch verseuchten Kriegsgebieten weitestgehend unkontrolliert einreisen lasse.

Der Beifall hierfür kennzeichne das Versagen einer ganzen Intellektuellengeneration.

Die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehöre, sei keine ernsthafte Frage, sondern Ausdruck von Unwissenheit, hatte er doch nie eine konstituierende Wirkung auf die europäische u.o. deutsche Kulturgeschichte.

Peter J. Brenner widmet der Rolle der Religionen in den westlichen europäischen Gesellschaften viel Raum und das ist gut so, sind sie doch durch die Knochenmühlen der Revolutionen gedreht worden und mussten sich „Das göttliche Licht der Vernunft“ (J. Ratzinger) aneignen, welches als Kontrollorgan vielleicht nicht immer, aber meistens wirkungsvoll ist.

Den Versuch der beiden Amtskirchen, den Islam als eine 3. Amtskirche freundlich zu vereinnahmen, sieht der Autor kritisch, weil der Islam keine handhabbare Struktur aufweise und es sei eher unwahrscheinlich, wenn sich die Muslime über solcherlei Umarmung freuen sollten.

Es sei auch fragwürdig, wenn sich der Gottesbezug der Kirchen auf humanitäre Anliegen verkürze.

So entsteht ein Humanitarismus mit schillerndem Bedeutungshorizont.

Auch die Diskussion um einen „Euro-Islam“ könne als beendet gelten und sei eine Chimäre, habe doch auch der Gießener Politologe Prof. Bassam Tibi dieses Projekt ad acta gelegt.

Es macht stutzig, wenn die Migrationsbeauftrage der Bundesregierung, Fr. Aydan Özoguz ernsthaft empfielt, wir müssten das Zusammenlaben (mit den Muslimen) täglich neu aushandeln.

Der Autor hält das für soziologischen Unsinn.

Wenn trotz erwiesener Bedrohung von Lebenswelten einfach weitergefeiert werde, habe das nichts mit westlichen Werten zu tun, sondern es folge einer westlichen Lebensart, in der sich die Erlebnisgesellschaft herausgebildet hat.

Der Glaubenskrieg sei für Muslime eine heilige Pflicht, was die postheroische Gesellschaft in Wehrlosigkeit versetzt.

Ernüchterung habe sich immerhin an einigen Stellen breit gemacht, wenn sich die Symbole und der Habitus (Bourdieu) des Nichtdazugehörenwollens in der Bekleidung und dem Alltagsritus der Muslime eher verstärken als verlieren.

Der viel zitierte und moralisch aufgeladene Begriff der Menschenwürde sei juristisch nicht fassbar, wohl aber jener der Menschenrechte, die von den Muslimen jedoch unter den Vorbehalt der Sharia (Kairoer Erklärung 1990) gestellt werden.

Einen wichtigen Raum nimmt der mit den Muslimen importierte Antisemitismus ein, der von der zuständigen deutschen Expertenkommission heruntergespielt werde, was der Autor deutlich verurteilt und sich damit auch gegen das Innenministerium und die „Bundeszentrale für politische Bildung“ positioniert, und davor warnt, etwa, wie geschehen, Mozarts „Idomineo“ wie in 2006 aus Angst vor Anschlägen nicht aufzuführen oder wie bei Arte und dem WDR geschehen, eine Antisemitismus-Dokumentation nicht auszustrahlen, weil dort die durch den Islam initiierten Taten schonungslos benannt wurden.

Dass der Kulturtheoretiker die Kulturdebatte mit Sorge verfolgt, liegt auf der Hand, weshalb die Behauptung, es gäbe außer der Sprache keine signifikant deutsche Kultur (A. Özoguz), bei ihm auf geharnischten Protest stoßen muss. Es drohe der Verlust der kulturellen Traditionen, wenn etwa bei der BBC lediglich satirische Beiträge über christliche Würdenträger akzeptiert würden, nicht jedoch über muslimische, so der Autor.

Der als anstößig gebrandmarkte Generalverdacht gegen die Muslime findet derweil keine Auflösung durch das beharrliche Schweigen ihrer Würdenträger und der Community, wenn sie aufgefordert werden, sich von einer verirrten Form politisch-religiöser Leidenschaft zu distanzieren (Bernard Henry Lévi).

Der Islam kann sich sein Schweigen jedoch leisten, meint der Autor, da er seine Wortführer offenbar auch in der deutschen Mehrheitsgesellschaft hat, deren politische Verwalter sich als Wirklichkeitsverweigerer gerieren und eine manipulierte Medienberichterstattung betreiben, als ob man an den Muslimen etwas gutmachen wolle, was man an den Juden verbrochen hat.

Es haben sich fellow travellers des Islam gebildet, die streng genommen als nützliche Idioten gesehen werden müssen, wenn zugleich der Begriff der Islamkritik eine entfesselte Kritik der Kritik zur Folge hat, die irgend wie den Anschluss an den Zeitgeist nicht verlieren will.

Die anheischigen „Toleranz-, Wertschätzungs- und Respekt-Kulturen“ dienen als Einfallstore für beliebige Forderungen.

Der Autor entwickelt die Denkfigur, dass offenbar einer fast kompletten Intellektuellengeneration schon in den 1980ern das Objekt ihrer Fürsorge in Gestalt des Arbeiters abhanden gekommen ist und nun durch den sakrosankten Flüchtling ersetzt wurde, während sich die Medien zu neuen Volkserziehern aufspielen.

Ausgerechnet die Muslime als die neuen Juden Europas zu hypostasieren, sei abwegig und diene der Diskursbeschränkung einerseits und einer gesinnungsethisch befeuerten Diskursethik andererseits, welche unter Anwendung der aktuellen Kampfbegriffe wie xenophob, völkisch, fremdenfeindlich, rassistisch, menschenverachtend und populistisch ein Sonderbiotop betreibt.

Islamkritik mit Rassismus gleichzusetzen, wie dies auch von der „Bundeszentrale für politische Bildung“ mit Brüsseler Rückenwind versucht werde, sei eine quasi Wieder-Inkraftsetzung der Nürnberger Rassengesetze, nach denen die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft auch eine Rassenzugehörigkeit begründete, die im Vorgriff biologisch nicht nachweisbar war.

Rassismus ohne Rassen sei jedoch wie Wissenschaft ohne Wissenschaftler.

Der Autor bemerkt abschließend, dass die Schwierigkeiten beim Sagen der Wahrheit nicht geringer geworden sind. Die bewusste oder nur dumme Fehlinterpretation soziologischer Begriffe mache einen niveauvollen Diskus schwierig bis unmöglich.

Die Debatte dringt bis in die Kernzonen des historischen Selbstverständnisses der Gesellschaft vor.

Sie muss geführt werden und die Anregungen von Prof. Brenner sind hierzu ein ganz wesentlicher Beitrag. –