Medienspiegel

Über Postmodernismus, Ethnopluralismus, Differenzphilosophie und Identitätspolitik

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Vorspann von Lucas Schoppe: Den folgenden Text hat Leszek ursprünglich als Kommentar geschrieben. Natürlich ist er ungewöhnlich lang, selbst für man-tau-Verhältnisse. Es ist aber auch ein grundlegender und umsichtiger Text zu einem der, wie ich finde, wichtigsten politischen Themen der heutigen Zeit.

Warum zerbröckeln Überzeugungen, die lange Zeit selbstverständlich zur demokratischen Moderne gehörten: die Unterstützung für die allgemeine Geltung der Menschenrechte – die Überzeugung, dass der offene Dialog nicht nur friedensstiftend ist, sondern auch unser Bild der Welt sinnvoll und beständig erweitert – das Selbstvertrauen, dass staatliche Gewalt von allen ausgehen müsse – das Vertrauen in Rechtsstaat und Wissenschaft?

Darüber, dass diese Überzeugungen von rechts und von links angegriffen werden, hatte ich gerade einen Text geschrieben, auf den Leszek hier reagiert. Er beschreibt philosophische und soziologische Hintergründe dieser Entwicklung, die übrigens für eine demokratische Linke ganz besonders gravierend ist. Die nämlich war immer dann stark, wenn sie zwischen verschiedenen Gruppen der Bevölkerung vermittelte, statt die einen gegen die anderen auszuspielen – und wenn sie Menschen ganz unterschiedlicher sozialer Hintergründe Vertrauen in die demokratische Gesellschaft vermitteln konnte, anstatt zu dekretieren, wer zum öffentlichen Dialog zugelassen werden kann und wer nicht.

Die identitätspolitische Wende der Linken ist dann ganz sicher auch ein wesentlicher Grund, warum Sozialdemokraten ausgerechnet in einer politischen Gemengelage, in der ihre Politik florieren müsste, europaweit in die Bedeutungslosigkeit stürzen. Oder warum  eine Kandidatin der amerikanischen Demokraten eine Präsidentenwahl verliert, die nach allem menschlichen Ermessen unverlierbar war.

Die Bildauswahl stammt von mir. Das Schachmotiv kann, so dachte ich, sowohl das differenzpolitische Schwarz-Weiß-Denken als auch die genaue Spiegelung zweier vorgeblich verfeindetet politischer Lager ausdrücken. Die Schach-Metapher hat aber auch Grenzen: Während die identitätspolitischen Züge sehr berechnbar und langweilig sind, ist Schach ein faszinierendes Spiel. Das hab ich in den letzten Jahren erst durch unseren kleinen Sohn gemerkt, der noch sehr jung ist, gegen den ich beim Schach aber schon keine Chance mehr habe.

Das letzte Bild drückt die Hoffnung aus, dass das identitätspolitische Klipp-Klapp irgendwann auch wieder einer humaneren Politik weichen wird. 

Aufgrund der Länge des Textes habe ich bei den Kapitelanfängen Anker gesetzt und sie hier zu Beginn verlinkt. Danke an Leszek für seine beträchtliche, aber – wie ich finde – auch sehr lohnende Arbeit!

Lucas Schoppe

Über Postmodernismus, Ethnopluralismus, Differenzphilosophie und Identitätspolitik