Wahn und Wirklichkeit

Judenfeindlichkeit ist mehr als Vorurteile: Aus psychoanalytischer Sicht funktioniert Antisemitismus wie eine Wahnerkrankung, sagt der Sozialpsychologe Sebastian Winter.

https://www.zeit.de/gesellschaft/2018-04/psychologie-antisemitismus-welterklaerung-wahn-aehnlichkeit/komplettansicht

http://www.deutschlandfunk.de/antisemitismus-schuster-fordert-meldesystem.1939.de.html?drn:news_id=877208

http://nationalpost.com/news/world/after-a-massive-refugee-influx-germany-is-confronting-an-imported-anti-semitism

Kommentar GB:

Hierzu vier kurze kritische Anmerkungen:

Erstens geht es nicht um „Antisemitismus“, sondern um Judenhaß.

Mit anderen Worten: es wird hier von vornherein eine unangemessene Kategorie gewählt und verwendet. Ebenso ging es beim „Holocaust“, einem Begriff der Kulturindustrie, nämlich als Titel einer Fernsehreihe, nicht um ein unausaussprechliches und rätselhaft-mystisches Geschichtsereignis, sondern konkret um die physische Vernichtung der europäischen Juden.

An dieser waren im übrigen Kollaborateure etlicher europäischer Länder beteiligt, ein Sachverhalt, der zur ganzen Wahrheit dazugehört, ebenso wie zu ihr die Tatsache gehört, daß auch der Faschismus ein europäisches Phänomen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gewesen ist.

Zweitens ist die These der Wahnähnlichkeit des alteuropäischen Judenhasses („Antisemitismus“) m. E. weitgehend unstrittig und kann bereits bei Horkheimer/Adorno in ihrer „Dialektik der Aufklärung“ nachgelesen werden.

Drittens aber ist es wichtig, zwischen nachweisbaren Fakten und sozialpsychologischen Deutungsmustern zu unterscheiden. Im Interview ist nur von letzteren die Rede, eine Einschränkung, die für einen Sozialpsychologen allerdings nachvollziehbar ist.

Viertens blendet Sebastian Winter die Geschichte des Islams völlig aus, wiewohl er die islamische Gewalt in Europa im Blick hat – aber nicht als das was sie ist, nämlich eine Form des koranisch gebotenen Djihad. Daher verkennt er auch den Charakter der aktuellen Auseinandersetzung mit diesem. Zu fragen wäre, inwieweit die These der Wahnhaftigkeit nicht auf den Islam insgesamt zu übertragen wäre; siehe unten die Buchbesprechung zu Fethi Benslama: Der Übermuslim.

Und er verkennt, daß der islamische Judenhaß bereits seit 1400 Jahren besteht, ebenso wie von ihm übersehen wird, daß der Islam die Existenz aller Nicht-Muslime eben nicht toleriert, sondern verwirft und bekämpft; allenfalls Dhimmis werden als Untermenschen geduldet.

Wer sich zum Judenhaß muslimischer Immigranten äußert, der sollte sich zuvor über den Islam grundlegend kundig gemacht haben, sonst ist nämlich Inkompetenz das Resultat.

http://eussner.blogspot.de/2013/02/antisemitismus-und-judenha-mythen-und.html

http://eussner.blogspot.de/2018/04/frankreich-manifest-der-300-gegen-den.html

Antisemitismus? Nein: Judenhaß!

Der Übermuslim

Literatur:

Tilman Nagel: Was ist der Islam? – Grundzüge einer Weltreligion

Duncker & Humblot, Berlin 2018