Der Islam in Deutschland als politisch-ideologischer Spaltungsfaktor

Hartmut Krauss

Gehört der Islam zu Deutschland als positiv zu akzeptierender Faktor und verdient aufgrund seiner angeblich nahtlosen bzw. unproblematischen Integrierbarkeit in eine säkular-demokratische Gesellschafts- und Lebensordnung den Deckungsschutz der „Religionsfreiheit? Oder handelt es sich beim Islam um eine vormoderne grund- und menschenrechtswidrige Weltanschauung, die mit den Prinzipien einer säkular-demokratischen Gesellschafts- und Lebensordnung nicht nur unvereinbar, sondern dieser sogar diametral entgegengesetzt ist und deshalb nicht a priori unter den unaufgeklärten Deckungsschutz der „Religionsfreiheit“ gestellt werden darf? Große Teile der politischen Klasse und der mit ihnen verbündeten Medien vertreten die erstgenannte Position, große Teile der Bevölkerung neigen der zweiten Position zu, die in einigen wissenschaftlichen Publikationen explizit ausgearbeitet wurde.[1]

Nun ist es bei dieser brisanten Fragestellung natürlich nicht so, dass die öffentliche Debatte darüber nach den idealistischen Fiktionen des „herrschaftsfreien Diskurses“ abläuft, sondern vielmehr nach den wüsten Wildwestregeln und zum Teil demagogischen Inszenierungen eines neuartigen und asymmetrisch strukturierten ideologischen „Klassenkampfes“, in dessen Rahmen nach wie vor die Gedanken der Herrschenden die herrschenden Gedanken sind(Marx).

An erster Stelle ist hier der Tatbestand hervorzuheben, dass eine global und institutionell weit verzweigte Islamlobby es geschafft hat, mit staatlicher und medialer Unterstützung ein zwar höchst irrationales, aber sehr wirkungsmächtiges „Feindbild Islamkritik“ zu installieren. Dabei handelt es sich um eine allgegenwärtige Drohkulisse, in deren Rahmen jede kritisch-reflektierende Auseinandersetzung mit dem Islam sofort in die Verdachtszone des „Rassismus“ und der „Fremdenfeindlichkeit“ gezerrt oder als „Islamophobie“ gebrandmarkt wird.

„Islamfeindlich ist jeder, der den Islam als feindliche und aggressive Religion ansieht“. Mit diesem antidemokratischen und freiheitsfeindlichen Gesinnungsdiktat, das im Endeffekt darauf hinausläuft, jede Form inhaltsbezogener Islamkritik als illegitim zu diskriminieren und tendenziell zu kriminalisieren, zitierte die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) den niedersächsischen Innenminister Boris Pistorius (SPD). (NOZ vom 21. Juni 2013, S. 5)

Im Grunde erfüllt dieses allgegenwärtige Gesinnungsdekret lediglich die Vorgaben der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC), der zentralen muslimischen Institution, die den globalen Herrschaftsanspruch des Islam in der Gegenwart vertritt. Denn seit Jahren ist die OIC auf zahlreichen internationalen Konferenzen immer wieder eifrig darum bemüht, die westlichen Medien auf eine islamgerechte Berichterstattung zu verpflichten und islamkritische Äußerungen konsequent zu unterdrücken. So betonten die Oberhäupter der OIC-Staaten auf der dritten außerordentlichen Sitzung des Islamischen Gipfels in Mekka am 7./8. Dezember 2005 die Notwendigkeit, die Islamophobie „zu bekämpfen und auszurotten als ein Verfahren, das die Qualität des gegenseitigen Verstehens zwischen den verschiedenen Kulturen verbessert“ (zit. n. Bat Ye’or 2013, S. 49).

Wer folglich mit den islamischen Ländern ins Geschäft kommen will, muss deren Wünsche berücksichtigen. Und so widerspricht eine kritische Auseinandersetzung mit dem Islam ganz und gar den ökonomischen Interessen jener einflussreichen Großunternehmen mit ihren ebenso üppigen wie politisch relevanten Stiftungs- und Spendengeldern, die Großaufträge und Geschäfte mit islamischen Handelspartnern und Kapitalanlegern abschließen wollen bzw. abgeschlossen haben. Besonders traurige Kapitel sind hier die ökonomischen Verflechtungen zwischen dem deutschen und österreichischen Kapital und der iranischen Gottesdiktatur oder die Rüstungsexportabkommen mit den arabischen Golfmonarchien Saudi-Arabien und Katar[2].

Andererseits ist die Diskursmacht der kritischen Islamanalyse, d.h. ihre Fähigkeit und Möglichkeit, angesichts einer überwältigenden Fakten- und Ereignislage größere Teile der Gesellschaftsmitglieder von der Richtigkeit und Angemessenheit ihrer Positionen und Einsichten zu überzeugen, in der letzten Zeit zweifellos gewachsen. Eine wichtige Rolle spielt hierbei das Internet als basisdemokratisches Informations- und Kommunikationsforum einer kritischen Gegenöffentlichkeit. Im Kontext dieses Mediums ist es gelungen, die selektiven Informationsblockaden, Ausgrenzungsregeln und Bewertungsklischees der postdemokratischen Mainstream-Medien zu konterkarieren und ein Stück weit zu überwinden. Im Rahmen der „Flüchtlingskrise“ bzw. der irregulären Masseneinwanderung von primär muslimischen Gruppen und den daraus resultierenden sozialökonomischen, soziokulturellen und sicherheitspolitischen Problemlagen haben die Auseinandersetzungen noch einmal an Schärfe und Dynamik hinzugewonnen und die Hegemonie der proislamischen Kräfte deutlich erschüttert. (…)

Um ihre postdemokratische Machtposition gegenüber der islam- und zuwanderungskritischen Einstellungsmehrheit trotz dieses nachhaltigen Konsensbruchs zwischen Regierenden und Staatsbürgern aufrechtzuerhalten, greift das politisch-mediale Herrschaftskartell zum Mittel der gezielten Verleumdung (Anheften herabsetzender Etiketten) und hetzerischen Verkehrung realer Sachverhalte. So wird zum Beispiel die berechtigte Ablehnung von islamisch grundierten Verhaltensweisen wie Kinderheirat, Polygamie, Zwangsverheiratung, Ehrenmorde, Halal- und Haramregeln, vormodern-patriarchalischer Geschlechterdiskurs, Hass auf und Verachtung von Ungläubige(n), Homophobie, Antijudaismus und Israelfeindlichkeit, eine höhere Gewaltbereitschaft, herrenmenschliche Attitüden, sittenterroristisches Auftreten von muslimischen Schülern u.v.m. schlicht in „Rassismus“ umgefälscht und von speziellen als „Antifa“ verkleideten Gangs „straßenaggressiv“ in Anschlag gebracht. Dabei benutzen die ideologischen Sachwalter der postmodernen „Elite“ das klassische Rechts-Links-Schema, um Verwirrung zu stiften und praktisch-kritische Widerstandsimpulse zu ersticken. Wer sich der neuen kapitalistischen Verbündungsstrategie mit nichtwestlich-despotischen Herrschaftsträgern und deren religiösen „Leitkulturen“ widersetzt und den wachsenden Migrationsimport zusätzlicher reaktionärer Denk- und Verhaltensweisen kritisiert, wird als „rassistisch“, „fremdenfeindlich“, „rechtslastig“, „islamophob“ etc. gebrandmarkt. Wer demgegenüber als willfähriger Unterstützer und Schönredner eingewanderter Repressionskulturen fungiert und deren totalitäre Ideologien verharmlost, gilt – in moralischer Ausbeutung einer noch nachwirkenden naiv-unkritischen Multikulturalismusideologie – als „fortschrittlich“, „aufgeschlossen“ bzw. als „toleranter Gutmensch“.

Dabei gilt es, dieser perfiden Verleumdungsstrategie Folgendes entgegenzuhalten: Sie, die als „bunt“ und „weltoffen“ verkleideten Islamkomplizen sind die wahren Verräter der kulturellen Moderne. Sie sind diejenigen, die die Werte und Prinzipien der Aufklärung mit Füßen treten. Sie sind es, die mit ihrer Tür- und Toröffnung für eine militant antiaufklärerische und rückschrittliche Einstellungs- und Lebensweise orientalisch-islamischer Machart die Zerstörung der europäischen säkularen Gesellschafts- und Lebensordnung vorantreiben.

Deshalb ist es auch falsch, sich unter dem Eindruck der politisch-medialen Zuchtrute auf einseitige Abgrenzungsrituale einzulassen, wie das von manchen Vertreterinnen und Vertretern einer „Islamkritik light“ praktiziert wird, die zudem immer wieder mit dem verfehlten und desorientierenden Konstrukt eines „politischen Islam“ unterwegs sind. (…)  (Hervorhebungen GB)

http://www.hintergrund-verlag.de/texte-islam-hartmut-krauss-der-islam-in-deutschland-als-politisch-ideologischer-spalktungsfaktor.html