Geld allein macht nicht glücklich, aber es hilft sehr

Die Glücksforschung führt zu überraschenden Ergebnissen und widerlegt alte Vorurteile.
Bruno S. Frey 10.5.2018

https://www.nzz.ch/feuilleton/geld-allein-macht-nicht-gluecklich-aber-es-hilft-sehr-ld.1380718

Kommentar GB:

Kehrt man die Frage um, fragt also nach den vielen Unglücken und ihrer Behebung, dann dürfte klar sein: Geldmangel, besonders andauernder, ist in einer Geldwirtschaft ein Unglück, und dieses Unglück kann durch mehr Geld beseitigt werden. In diesem Sinne stiftet Geld Glück. Angenehm ist es sicherlich auch, wenn „nicht jeder Groschen zweimal umgedreht werden muß“, oder „wenn man sich etwas leisten kann“, sei es eine Anschaffung oder eine Reise. Hierbei ist Geld „hilfreich“, ja, in der Tat, und ist Wohlstand ein erstrebenswerter Zustand, individuell und gesellschaftlich gesehen.

Aber es gibt eine Fülle weiterer Unglücke, Süchte aller Art z. B., oder körperliche Krankheiten oder Neurosen oder Traumatisierungen aller Art, personale Entwicklungshemmungen und -deformierungen, Beziehungsstörungen usw., denen mit Geld und auch mit mehr Geld nicht beizukommen ist. Allerdings kann es hilfreich sein, um Therapien zu finanzieren, aber das ist auch alles. Geld ist eben letztlich nur ein Mittel zum Tausch. Aber ein gelingendes, produktives und erfülltes, und ein insgesamt angenehmes, erfreuliches Leben garantiert Geld eben nicht, auch wenn es dabei hilfreich sein kann; die Betonung liegt hier auf dem Wort: kann.

Im übrigen ist Geld zu besitzen etwas Positives, aber vom Geld besessen zu sein, etwas Negatives, ein Unglück; die innere Distanz ist entscheidend. Geld stiftet vor allem keine Erfahrung von Sinn, und manche Aktivitäten von Superreichen können als Versuch gedeutet werden, sich durch Mäzenatentum aller Art einen existenziellen Sinn zu schaffen, der ihre als Unglück empfundene Leere zu füllen vermag.