Der Selbstmord Europas

von Douglas Murray

Buchbesprechung:  von Michael Mansion

Wer mit dem Nachwort beginnt, hat es zugleich mit dem Vorwort der englischen Taschenbuchausgabe zu tun, die für Juni 2018 angekündigt war, aber die Fakten, von denen die Rede ist, wirken solchermaßen ernüchternd, dass man sich vielleicht um die Chance bringt, dem Autor Stück für Stück durch das Buch mit seinen 19 Kapiteln von Beginn an zu folgen und das wäre nicht sehr klug.

Douglas Murray hat eine britische Sicht auf die Dinge rund um das Thema Migration und verweist auf einen Erfahrungshorizont, der sich in England auch auf die Folgen der Kolonialzeit und damit auch immer schon auf eine nicht ganz unproblematische Form der Einwanderung bezieht.

Dies erschien bisher so lange beherrschbar, wie Zahl und Geschwindigkeit in überschaubaren Bahnen verlaufen.

Ein Eskalationspotenzial ist allerdings vor allem dann gegeben, wenn Einwanderer eine Offensivkultur mitbringen, deren Werte sich von denen der Einwanderungsgesellschaft diametral unterscheiden und ein Bestreben sichtbar ist, diese zu unterwandern.

Wenngleich auch verschiedene Formen der Massenzuwanderung kein grundsätzlich neues Phänomen sind, so trifft die muslimische Massenmigration aus Sicht des Autors auf ein schwaches, müde wirkendes Europa, das den Glauben an seine Überzeugungen, seine Traditionen und seine Legitimität verloren hat.

Wie sonst könnte es sein, dass große Teile des politischen Bürgertums die Migranten geradezu ermuntern, ihre Kultur offensiv zu leben, während sie selbst parallel die Abwertung der eigenen, mit devoter Altschuld beladenen Kultur lustvoll betreiben und allenfalls noch die Sprache als different scheinendes Konstrukt in kulturell eindeutige Beziehung zu setzen bereit sind. Der Rest wird nicht für würdig befunden, dass ihm dauerhafter Erhalt zuteil werde.

Es habe sich – so der Autor – ein vermeintlicher gesellschaftlicher Konsens etabliert, der jeden laut geäußerten Zweifel an der Richtigkeit der verordneten Migrationspolitik und dem ihr unterstellten Vorteil für die westlichen Gesellschaften, an den rechten Rand drängt und auch vor dem obskuren Vorwurf des Rassismus nicht zurückweicht. Dies, trotz der diesem Begriff inhärenten eindeutig biologischen und nicht kulturellen Konnotierung, sowie einer ganzen Reihe wissenschaftlicher Studien, die deutliche Bedenken sowohl ökonomisch, als auch kulturell geltend machen und trotz der leicht zu widerlegenden Behauptungen, es hätten ähnliche Bewegungen auch zuvor schon stattgefunden und alle Herausforderungen seien „normal“.

Angesichts der sich häufenden muslimischen Übergriffe in England, sieht der Autor dort eine große mediale Angst vor der Wahrheit.

Selbst haarsträubende Ereignisse, wie Vergewaltigungen und ein regelrechter Sklavenmarkt in Teilen der muslimischen Community, wurden bewusst entstellend kommentiert oder verschwiegen.

Einige konnten nur aufgrund des Mutes weniger Journalisten an die Öffentlichkeit gelangen.

Der Fakt, dass bei einem Großteil (vermutlich der Hälfte) der Zuwanderer weder Identität noch Alter und Herkunft sicher ermittelt wurden, sei – so der Autor – auch dem verheerenden Einfluss der sog. NGO´s zu verdanken.

Im Zeitalter unklarer Begriffsdefinitionen sei der oft bemühte Multikulturalismus-Begriff weder inhaltlich zielführend noch im Sinne eines Kampfbegriffes brauchbar, sondern beliebig.

Vielmehr genüge der Blick auf Vorstädte oder ganze Stadtviertel europäischer Großstädte wie Paris, Stockholm, Malmö, Rotterdam oder Berlin, um ein Bild von dem zu bekommen, was Parallelgesellschaften in der Praxis bedeuten können, wenn Geschäfte und öffentliche Einrichtungen, Kirchen und Pubs geschlossen oder massiv bewacht werden müssen.

In Schweden wurden solche Probleme lange verschwiegen, was wohl auch daran liegen mag, dass dort öffentlich die Existenz einer originären schwedischen Kultur in Abrede gestellt werden kann.

Der Hinweis des Autors, auf die durch Ayatollah Khomeini in 1989 ausgesprochene Fatwa gegen den Autor Salman Rushdie und die sich daraus ergebenden andauernden muslimischen Drohungen nicht nur gegen den Autor selbst, die teilweise von Vertretern der westlichen Medien und Teilen der politischen Klasse entweder sogar geteilt und im günstigsten Falle lau kritisiert wurden, werden zum Spiegel einer Gesellschaft, die in kultureller Selbstvergessenheit begriffen ist.

Einer Gesellschaft, die wie in England nach der Rushdie-Affäre keine islamkritischen Bücher mehr verlegt oder wie in den Niederlanden bereits 1990 geschehen, in einem staatlich subventionierten Sender, muslimische Hetze gegen Ungläubige erlaubt, welche gegen sie die Anwendung der Sharia fordert.

Alle Warner, ob in England, den Niederlanden, Belgien oder Deutschland, werden gezielt diffamiert. Die Warner erklärt man zu Brandstiftern.

Der französische Philosoph Pascal Bruckner wird zitiert, wenn er vom „Spiel mit unterschiedlichen Schuldkomplexen als einem moralischen Desinfektionsmittel Europas“ spricht.

Es zeige sich – so der Autor – auch die Unmöglichkeit geordneter Rückführungen als ein Teil des Komplettversagens der Politik.

Selbst Mehrfachtäter erzwingen im Rahmen einer auch juristischen Migrations-industrie ihre Bleiberechte.

Es habe den Anschein, als bezahlten die EU-Gesellschaften ihre Angreifer.

Einige Ausflüge des Autors in die Philosophie sind nicht nur erhellend, da er politisch linke Positionen nur in einem sozialdemokratischen Deutungsmuster gelten lässt, obwohl diese doch dem kritisierten Mainstream folgen, während ihm eine marxistische Sicht im für ihn negativ radikalen Sinne noch verdächtiger scheint.

Recht hat er aber, wo er von einem Zeitalter der Dekonstruktion spricht, wo es keine Suche mehr nach Wahrheit zu geben scheint und man über die Erörterung der philosophischen Instrumente nicht hinausreicht.

Dies sei allenfalls der Wunsch, alles in Frage zu stellen, ohne irgendwo ankommen zu wollen.

Das ist das Signum einer Gesellschaft, die Angst hat, ihre eigenen Interessen zu vertreten und zu verteidigen.

Der Mensch suche im Leben nach einer Gewissheit, nach verlässlichen Beziehungen, die sich vermitteln lassen, statt im Chaos zu versinken.

Im Zeitalter eines allgegenwärtigen Rassismus und medialer Schuldsuche, von der Städteplanung über die Außenpolitik, fehlende Gentrifikation und Kolonialismus, ist es das Pardox einer Pseudo-Linken, dass sie für die Rechte von Schwulen und Lesben kämpft, während sie zugleich die willommen heißt, die nicht einmal gleiche Rechte für Frauen und Männer akzeptieren.

Die langsam ans Licht kommenden schwedischen Zustände mit über 6600 Vergewaltigungen in 2016 und einer Steigerung der Kriminalitätsrate von 70% etwa in Malmö, konterkarieren die Berichterstattung in den deutschen Medien und überführen sie schlichter Zwecklüge.

Douglas Murray ist nicht der Vorwurf zu machen, er verweile lediglich bei einer kritischen Bestandsaufnahme und einem düsteren Zukunftsbild.

Er macht sich eine Reihe sehr kluger Gedanken zum Migrationsproblem als einer ernsten, jedoch durchaus beherrschbaren Komplexität, wenn man über den Gartenzaun hinaus denkt, fernab jeglicher Weltrettungsmystik.

Die Kulturdebatte nimmt einen breiten Raum ein, weil er wissen möchte, wie es zu solchermaßen gravierenden Fehlentscheidungen kommen kann und was sich dahinter verbirgt.

Da fehlt auch nicht der Seitenhieb auf den westlichen Kulturbetrieb, dessen Selbstbezogenheit in der festen Absicht auftritt, nichts von Bedeutung schaffen zu wollen, außer vielleicht einer Performance.

Zum Schluss des Buches stellt er die provokante, jedoch berechtigte Frage, wer eigentlich von wem verfolgt wird und kommt zu dem Ergebnis, dass ausgewiesene Salafisten in West-Europa keine Angst um ihr Leben haben müssen im Gegensatz zu ihren Kritikern und dies in traditionell rechtsstaatlich organisierten Ländern, wo diese Kritiker auf die Hilfe einer aufgeklärten Gesellschaft gehofft hatten, von der sie auf beschämende Weise verraten werden.

Dabei scheint das Märchen von der westlichen Alleinschuld (noch) ungebrochen und die politische Klasse in Europa regiert in der Migrationsfrage gegen das eigene Volk.

Es wird – meint der Autor abschließend – zu einer tödlichen Explosion kommen. Ein kluges, ein kämpferisches, für den Diskurs unverzichtbares Buch mit einer aufwändigen Faktenrecherche. –

„Der Selbstmord Europas“: Bestseller-Autor Douglas Murray im Interview (DE)

Der Selbstmord des Abendlandes: Die Islamisierung Europas

Weitere Lektüre:

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