WHO will Transsexualität als psychische Krankheit streichen

Neue ICD-Einstufung 

Die Weltgesundheitsorganisation will Transsexualität künftig von der Liste der psychischen Krankheiten streichen. Verbände sprechen von einer „historischen Entscheidung“.

https://www.tagesspiegel.de/berlin/queerspiegel/neue-icd-einstufung-who-will-transsexualitaet-als-psychische-krankheit-streichen/22709114.html

Kommentar von Prof. Dr. Gerhard Amendt:

„Ich lese die Kurznachricht so, dass dies eine politische Entscheidung ist und keine oder nur halbherzige psychiatrisch-psychotherapeutische. Politisch deshalb, weil die autonome Lebensgestaltung gefördert werden soll und andererseits, weil die Geschlechtsumwandlung einen psychiatrisch-psychotherapeutischen Hintergrund eben als Gesundheitspolitik haben muss, weil sie sonst von den Versicherungen nicht „übernommen“ wird. Andernfalls wäre es ein soziales Privileg, den Geschlechterumwandlungswunsch zu realisieren.
Andererseits ist Debatte nicht ausgestanden, ob die erheblichen Genitalumwandlungen durch  mehrfache chirurgische Eingriffe und lebenslange medikamentöse Erhaltungstherapie als Ausdruck von Selbstbestimmung aus therapeutischer Sicht zu fassen sind.  Daraus folgt kein Behandlungszwang, denn wir leben in einer Demokratie mit dem Recht sich zu „verletzen= sich umwandeln“ solange es gewünscht  wird.
Ein Beispiel: Wenn sich jemand die Arme „ritzt“, um innere unerträglich erlebte psychische Spannungen abzubauen,  so ist das sein gutes Recht, aber es ist ein Zustand der Selbstverletzung im klinischen wie im Alltagsverständnis, der bestimmten psychiatrischen Diagnosen zugeordnet werden kann. Ob das jemand in Anspruch nimmt, hängt davon ab, wie sehr der emotionale Entlastungsmechanismus akzeptiert wird oder als unhaltbar irgendwann erlebt wird. Dann kommt es zur Behandlung. Beim Schneiden oder Ritzen handelt es sich um eine Symptom im Bereich der Borderline-Störung.
„Gestritten“ wird zur Zeit noch darüber oder eher unterdrückt, ob  die Geschlechtsumwandlung als eine „Neuschöpfung“ mit großer Chirurgie nicht ebenfalls in den Bereich der Selbstverletzung fällt. Wenn  – zum Beispiel – ein 8Jähriger davon spricht, dass er sein eigenes Kind später zur Welt bringen will, zeigt sich die ganze Komplexität, weil hier ohne Zweifel ein  familiendynamischer Hintergrund und Ausgangspunkt vorliegt. Es sei an die Manipulation von Müttern erinnert, die ihr Kind nach dem Geschlecht kleiden und wahrnehmen, das sie sich gewünscht haben, aber nicht geboren haben. Sie versuchen ihren Kinderwunsch gegen das Schicksal durchzusetzen.
Was von Aktivisten übersehen wird: Zum Problem könnte auch hier werden, dass die angestrengte Normalisierungsrhetorik Personen daran hindert, ihre ambivalenten Wünsche als therapielegitim wahrzunehmen. In den USA werden solche kritischen Differenzierungen mitunter bereits  als Hate speech sanktioniert.“
Man lese zum Thema der TS den Bericht über den folgenden Fall:
und ein Kommentar: