Grundinhalte rechter Ideologie

Hartmut Krauss

schreibt:

„Hitler war vom Islam fasziniert. Während für ihn der Katholizismus eine schwache, verweichlichte, feminine Religion darstellte, pries er nachweislich den Islam als starke Kriegerreligion. ‚Der Mohammedanismus könnte mich noch für den Himmel begeistern‘, sagte er einmal. SS-Führer Heinrich Himmler sprach vor NSDAP-Funktionären davon, dass er nichts gegen den Islam einzuwenden habe. Schließlich verspräche dieser nach dem Tod auf dem Schlachtfeld den Himmel. ‚Eine für Soldaten praktische und sympathische Religion‘, so seine etwas zynische Äußerung.“  Siehe:

http://www.belltower.news/artikel/ns-und-islam-hitler-war-vom-islam-fasziniert-13669

sowie:

Grundinhalte rechter Ideologie1

Unabhängig von konkreten kulturspezifischen Ausgestaltungen lassen sich folgende Grundinhalte rechter Ideologie im Sinne eines transkulturellen bzw. kulturübergreifenden Einstellungssystems feststellen:

1. Orientierung auf die Bewahrung oder Wiederherstellung eines autoritär-hierarchischen (antiegalitären) Gesellschaftssystems mit folgenden Herrschaftsachsen:

a. Interne Herrschaftsverhältnisse bzw. ökonomisch-politische Binnenhierarchie der privilegierten Gruppe (Ethnie, rassisch-biologisch definierte Volksgemeinschaft, Religionsgemeinschaft, Nationalitätengruppe etc.)

b. Ethnokratische und/oder religiös bestimmte Ungleichheitsverhältnisse gegenüber fremden bzw. minoritären Ethnien, Nationalitätengruppen und Weltanschauungsgemeinschaften durch systematische Unterdrückung, Benachteiligung und Entrechtung. (Die Türkisch-Islamische Synthese als Beispiel für ein ethno-national-religiöses Herrschaftskonzept)

c. patriarchalische Geschlechterbeziehungen.

2. Religiöse, rassistische, ethnizistische, nationalistische und patriarchalische Legitimationsmythologien (Abwertung von Ungläubigen, Fremdrassigen, andere Nationalitäten, „unreinen“ Frauen etc.)

3. Feindselig-negatorisches Verhältnis zu den Grundprinzipien der kulturellen Moderne (antidemokratische und antimenschenrechtliche Einstellung; Ablehnung der Gewaltenteilung; Orientierung auf einen starken Führerstaat etc.)

4. Autoritäres Kollektivdenken (das Individuum als unfreier und gehorsamspflichtiger/unterworfener Teil der hierarchisch organisierten Gruppe)

5. Ausrichtung auf die Sozialisation eines „autoritären Charakters“. Zum Beispiel in Form des gehorsamen Mitglieds der Gemeinschaft für Führer, Volk und Vaterland oder in Form des unterwürfigen Gottesknechts, der bedingungslos die koranischen Befehle Allahs und seines Gesandten ausführt.

6. Ein übersteigerter sozialdarwinistischer Kriegerethos („Recht des Stärkeren“) und daraus hervorgehende gewaltverherrlichende Männlichkeitsnormen und Ehrbegriffe.

7. Hass auf Juden und den „Judenstaat“. Dabei bildete zum Beispiel im nationalsozialistischen Diskurs nicht der „Jude an sich“ das Hassobjekt, sondern der Jude in seiner funktional- gegensätzlich einsetzbaren Gestalt als zugleich „jesusmörderischer Antichrist“, „bolschewistisch-marxistischer Weltverschwörer“ und „raffender Kapitalist“, durch dessen Vernichtung das ‚auserwählte’ Volk der deutschen Herrenrasse zu seiner ‚vorgesehenen’ Weltherrschaft gelangen sollte. In unterschiedlichster Hinsicht ist der Jude immer der Erzverderber.

Im Rahmen einer der größten demagogischen Kampagnen der letzten Zeit wurde von Seiten der Islamapologetik eine verleumderisch-absurde Gleichsetzung von „Islamfeindschaft“ und Antisemitismus vorgenommen. Dieser Propagandafeldzug hatte nicht zuletzt die Funktion, die tatsächliche Synthese von Islam und Judenhass zu verschleiern bzw. von dieser abzulenken.

So fand die antijüdisch bestärkte Wesensverwandtschaft zwischen deutscher und islamisch geprägter rechter Ideologie bereits in der Kollaboration der Nazis mit dem extrem judenfeindlichen Mufti von Jerusalem, Amin el-Husseini, einen aufschlussreichen Ausdruck. Seit 1921 im Amt, war el-Husseini als oberster Religionsführer und exponierter Repräsentant des palästinensischen Nationalismus schon in den 1920er Jahren sowohl für antijüdische Pogrome als auch für Repressionsmaßnahmen gegen nonkonforme Palästinenser verantwortlich und agierte von Beginn an als begeisterter Anhänger des Nationalsozialismus. In einem Vortrag vor den Imamen der bosnischen SS-Division am 4. Oktober 1944 fasste el-Husseini die seines Erachtens wichtigsten Berührungspunkte zwischen islamischer und nationalsozialistischer Weltanschauung wie folgt zusammen:

1. Monotheismus – Einheit der Führung, Führerprinzip.

2. Sinn für Gehorsam und Disziplin.

3. Der Kampf und die Ehre, im Kampf zu fallen.

4. Die Gemeinschaft nach dem Motto: Gemeinnutz geht vor Eigennutz.

5. Hochschätzung der Mutterschaft und Verbot der Abtreibung.

6. Verhältnis zu den Juden – ‚In der Bekämpfung des Judentums nähern sich der Islam und der N. S. einander sehr.’

7. Verherrlichung der Arbeit und des Schaffens: ‚Der Islam schützt und würdigt die Arbeit, welche sie auch sein mag’.

Der Mufti unterstreicht in dieser Rede in seltener Klarheit die herrschaftsfunktionale, auf autoritäre Subjektformierung ausgerichtete und aggressiv-kämpferische Grundbestimmung der islamischen Weltanschauungsdoktrin, in der die rituellen und spirituellen Aspekte – im Gegensatz zu den pseudowissenschaftlichen Behauptungen der theologischen und orientalistischen Verdunkelungsdiskurse – unselbständig-untergeordnete Teilkomponenten des „islamischen Systems“ bilden:

Die verschiedenen Kulten des Islams dienen zur Erziehung der Ordnung, des Gehorsams und der Disziplin. Z. B. das Gebet ist eine ausgezeichnete Übung in diesem Sinne. (…) Das Gebet müssen die Moslime in geordneten Reihen unter Führung des Imams wie ordentliche Soldaten unter Führung ihres Vorgesetzten verrichten. (…) Es ist richtig das Gebet der Moslime als eine tägliche militärische Demonstration vor Gott zu bezeichnen. Die anderen Kulten des Islams, wie das Fasten und die Pilgerfahrt dienen ebenfalls zur Erziehung der Ordnung, der Disziplin und des Gehorsams“ (Höpp 2004, S. 220).

Der Kampf ist eine der Hauptgebote des Islams. Jeder Moslem betrachtet den Kampf als die Krönung seiner Taten für seinen Glauben. Zahlreiche Verse des Korans fordern die Moslime zum Kampf und zur Aufopferung von Gut und Blut für ihre Idee auf. Für den Kampf in diesem Sinne sind keine Grenzen des Alters und des Geschlechts gezogen. Jeder der die Kraft und die Möglichkeit besitzt muss kämpfen. (…) Die höchste Ehre für einen Moslem und seine Angehörigen ist, wenn er im Kampfe fällt und erleben deshalb nicht selten, dass Moslime sich in den Tod gestürzt haben, um als Gefallene zu sterben. Dabei sind die kühnsten Taten im Kampf gegen den Feind vollbracht worden“ (ebenda).

Während Hitler den Mufti als einen „mohammedanischen Papst“ betrachtete[3], schwärmte Himmler seinerseits für den Islam als „kriegergerechte“ Religion. Sein Enthusiasmus für den – gegenüber dem Christentum – „heldischeren“ Islam bedingt auch sein Bemühen um die Seelsorge der muslimischen Soldaten sowie die Rücksichtnahme auf die islamischen Vorschriften. Dementsprechend werden a) Truppenimame, ausgewählt von einem Hauptvertrauensmann des Muftis, zugelassen; b) deren Bekleidung festgelegt (Feze); c) die Richtlinien der weltanschaulich-geistigen Erziehung der muslimischen Divisionsangehörigen mit dem Mufti abgestimmt und d) islamgerechte Verpflegung ohne Schweinefleisch und Alkohol zugelassen. Explizit verbat sich Himmler die unter deutschen Soldaten üblichen Witze über die muslimischen Freiwilligen.

Mit zahlreichen Schreiben und Interventionen war der Mufti darum bemüht, die Auswanderung von Juden aus Bulgarien, Rumänien und Ungarn nach Palästina zu verhindern und fungierte damit als aktiver Handlanger der nazistischen Judenausrottung. Ihm ging es darum, dass möglichst viele Juden vor der hitlerfaschistischen Kriegsniederlage getötet werden sollten. „Der Mufti war ein ausgemachter Feind der Juden und machte keinen Hehl daraus, dass er sie am liebsten alle umgebracht sähe“, schrieb der deutsche Legationsrat Melchers. (Gensicke 2007, S. 107).

 

 

1 Auszug aus: Hartmut Krauss, Wider den Rechtsextremismus innerhalb und außerhalb der islamischen Communities http://www.hintergrund-verlag.de/texte-islam-krauss-wider-den-rechtsextremismus-innerhalb-und-ausserhalb-der-islamischen-communities.html