Von wegen keine Islamisierung

Zur verzerrten Sichtweise von verbandspolitischen Konfessionslosen

Hartmut Krauss

„Nur eine relativ kleine Minderheit der Konfessionslosen in Deutschland gehört Organisationen wie dem Humanistischen Verband Deutschlands (HVD), dem Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA), dem Bund für Geistesfreiheit u. a. an. Wissenschaftlich-religionskritisch und damit auch islamkritisch-emanzipatorisch orientierte, aber gerade auch gesamtgesellschaftskritisch eingestellte Konfessionsfreie fühlen sich von diesen Organisationen nicht vertreten. Dafür spricht auch dieser einseitig antichristliche Artikel auf der Internetseite des Humanistischen Verbandes Bayern

„Von wegen Islamisierung – Konfessionsfreie bald die Mehrheit!“

https://www.hvd-bayern.de/nachricht/von-wegen-islamisierung-konfessionsfreie-bald-die-absolute-mehrheit.html

Darin heißt es u. a.: „Der bedeutendste weltanschauliche Trend bei uns ist das andauernde Wachstum der Gruppe derjenigen, die generell religionsdistanziert sind und gar keiner Religion folgen“, hielt Bauer fest. „Die Islamisierung, vor der Voderholzer solche Angst hat, gibt es nicht. Stattdessen erleben wir eine weitere Säkularisierung und Pluralisierung der Lebensauffassungen und Glaubensorientierungen. Dies ist die wesentliche Veränderung, mit der sich unsere Gesellschaft und die Politik auseinanderzusetzen hätten, nicht mit hetzerischen Überfremdungsphantasien.“ (…)

Auch wenn die Kirchen auf absehbare Zeit große Konfessionsgemeinschaften bleiben werden, wird unsere Gesellschaft vor allem säkularer und vielfältiger. Muslime bleiben eine relativ kleine Minderheit. Dieses objektive Bild wird in der öffentlichen Wahrnehmung leider oft verzerrt, weil reaktionäre oder religiös radikale Gruppen seit Jahren große Aufmerksamkeit auf sich ziehen und weil Gewalttaten von religiös motivierten Extremisten vielen BürgerInnen Angst machen“, so Michael Bauer zu den Entwicklungen.

Bauer warnte erneut davor, Menschen primär über eine ihnen zugeschriebene religiöse oder weltanschauliche Identität definieren zu wollen. „Für den allergrößten Teil der Menschen in Deutschland ist Religiosität nur ein Aspekt ihres Lebens, der im Zusammenspiel mit anderen Teilen ihrer Identität gelebt wird. Einen Menschen vor allem als ‚Muslim‘, ‚Christ‘ oder ‚Atheisten‘ etikettieren zu wollen, ist einfach und plakativ, aber wird der komplexen Realität nicht gerecht“, so Bauer dazu. Dies gelte auch für Geflüchtete und Asylsuchende, die oftmals gerade vor religiösem Terrorismus und Fundamentalismus geflüchtet seien. Hinzukommt, dass viele von ihnen erst hierzulande die Möglichkeit erhielten, sich befreit von äußeren Zwängen mit früheren Glaubensvorstellungen auseinandersetzen oder auch von ihnen lösen zu können. Dies zeigten auch die eigenen Erfahrungen aus der einschlägigen Verbandsarbeit.“

Die gesamtgesellschaftliche und lagerübergreifende Spaltung zwischen proislamischen, islamkritischen und antiislamkritischen Einstellungen durchzieht natürlich auch die Gesamtgruppe der Konfessionslosen, von denen sich aber lt. einer repräsentativen Umfrage nur ein Drittel sicher ist, dass es keinen Gott gibt. Viele von ihnen glauben an „irgendeinen“ Gott. D.h. Die weltanschauliche Grundorientierung bleibt in dieser Gruppe recht diffus.

Gesellschaftspolitisch Interessanter ist demnach die Frage, wie viele der (einheimischen) Konfessionslosen den Gegensatz zwischen aufgeklärt-säkularer Lebensordnung und islamisch-antisäkularer Lebensordnung kognizieren und bewerten.

Der befremdlich islamverharmlosenden Sichtweise des HVD-Vorstands Bauer, die im o. g. Artikel zum Ausdruck gebracht wird und für viele Verbandsfunktionäre aus diesem Sektor repräsentativ sein dürfte, ist Folgendes entgegenzusetzen:

1. Die Säkularisierungstendenz innerhalb der schrumpfvergreisenden einheimischen Bevölkerung wird durch den sich über längere Zeiträume erstreckenden, schubweisen und massenhaften Migrationsimport von Muslimen und anderen vormodern geprägten Zuwanderern, die immer noch eine im Durchschnitt höhere Geburtenrate aufweisen, auf exogene bzw. fremdbestimmte Weise konterkariert.

2. Infolgedessen sind abgeschottete, orthodox-islamisch normierte Milieus insbesondere in Ballungsräumen entstanden, die sich samt ihres antisäkularen und antiemanzipatorischen Sozialisationsgefüges erweitert reproduzieren. Deswegen ist es falsch bzw. realitätsfremd, einen Rückgang religiös-irrationaler Bindung gesamtgesellschaftlich zu verabsolutieren bzw. in die wachsenden außereuropäischen Immigrantenmilieus hinein zu projizieren.

3. Eine Festsetzung und Ausbreitung islamischer Herrschaftskultur in Deutschland findet sehr wohl statt. Was es nicht gibt, ist eine Entislamisierung und progressive Pluralisierung der überwiegenden Mehrheit der Muslime in Deutschland und Europa. Die Minderheit „gemäßigter“ Muslime, die oftmals als Alibi für Islamkritikabwehr instrumentalisiert wird, befindet sich unter repressiver Kontrolle der orthodoxen Mehrheit mit ihren radikalen Speerspitzen.

Siehe hierzu:

http://www.hintergrund-verlag.de/texte-islam-hartmut-krauss-islamisierung-als-reales-phaenomen.html

4. Unter dem ausschlaggebenden Einfluss ihrer orthodoxen Mehrheit stellen die sich erweitert reproduzierenden Muslime in Deutschland und Europa aufgrund ihrer normativen Gegensätzlichkeit und daraus resultierenden Integrationswidrigkeit eine wachsende Problemgruppe mit einem großen Anomiepotenzial dar. Nichts ist abwegiger, als diese Ansiedlungsgruppe zu einer „unbedeutenden Minderheit“ zu verniedlichen.

5. Gerade Muslime definieren sich über ihre Religiosität als dem primären Identitätsfaktor. Ihnen das „von außen“ abzusprechen, ist eine weitere massive Realitätsverkennung.

Siehe hierzu: http://www.gam-online.de/text-Islam%20im%20Kopf.html

http://www.gam-online.de/text-wertewelten.html

6. Zweifellos gibt es unter den nach Deutschland gelangten Zuwanderern auch islamgeschädigte Personen wie minoritäre Christen, Atheisten, Jesiden u. a. Aber diese berichten ja gerade, dass sie bereits auf dem Fluchtweg und in den Asylbewerberheimen von ihren muslimischen Landsleuten bedroht, gedemütigt und drangsaliert werden. Und sie wundern sich, dass dem grund- und menschenrechtswidrigen Islam in Deutschland seitens der Regierenden der rote Teppich der Salonfähigkeit und Schönfärbung ausgerollt wird. Zudem befinden sich unter den „Geflüchteten“ radikalislamische Kräfte, während die Mehrheit Siedler sind, die ihre antisäkulare Herkunftskultur hier einführen und ausleben wollen. Und dabei werden sie in selbstbeschädigender Weise sowohl von einheimischen kirchentreuen Mehrheitschristen und pseudolinken Konfessionslosen unterstützt. Nicht zuletzt in Form der pauschalen Diffamierung von Islamkritik.“