30 Jahre Frauenquote in der SPD

„Am 30. August diesen Jahres gilt es sich eines denkwürdigen Ereignisses zu erinnern. Zumindest für Sozialdemokraten. Dann genau vor 30 Jahren beschloss die SPD auf ihrem Bundesparteitag in Münster mit großer Mehrheit die in den Parteistatuten verankerte und damit verbindliche Quote zugunsten von Frauen. Das heißt die Begünstigung von weiblichen Mitgliedern bei der Vergabe von Spitzenämtern in der Partei und bei Kandidaturen bei allgemeinen Wahlen. Und das ausgerechnet mit Hilfe des Wahlrechts, dem Kernbereich der Demokratie. Eine damals höchst umstrittene, riskante und hoch problematische Operation.“

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Nur eines hat die Quote zweifellos erreicht: die organisierte Macht der ASF, der „Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen“ ist in der Partei so groß wie nie zuvor. Ohne sie geht nichts mehr in der Partei. Nicht nur die Programmatik der Partei hat sich dadurch entscheidend verändert, auch die Personalauswahl in der Partei ist von dieser Machtverschiebung fundamental betroffen. Männer, die sich mit der ASF anlegen, müssen sich warm anziehen.“

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In Wahrheit ist die Quotenregelung mit ihren für Frauen und Männer getrennten Wahllisten und der Begünstigung von weiblichen Mitgliedern ein unbegreiflicher Rückfall ins Klassenwahlrecht längst vergangener Zeiten, für den die SPD einen hohen Preis gezahlt hat und auch noch weiter zahlt. Der Niedergang der Partei und der Abstieg in der Wählergunst in den letzten drei Jahrzehnten sind nicht nur, aber auch der Quote geschuldet.

(Hervorhebung GB)

Über den Autor:

Klaus Funken promovierte im Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Johann Wolfgang Goethe Universität in Frankfurt am Main. Er war wirtschaftspolitischer Referent der SPD-Bundestagsfraktion und leitete das Büro der Friedrich Ebert Stiftung in Shanghai und London. 

https://www.cuncti.net/politik/1086-frommer-selbstbetrug-30-jahre-frauenquote-in-der-spd