Nachruf auf Naipaul

Der große Skeptiker der postkolonialen Welt

Der Literaturnobelpreisträger V. S. Naipaul hatte indische Wurzeln, wuchs in Trinidad auf, zog nach Oxford und weiter um den Globus – und wo immer er war, schaute er hin. Genau. Zuweilen erbarmungslos. Manchen zu erbarmungslos.


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Kommentar GB:

(…) „Naipaul weigerte sich, den ehemaligen Kolonialreichen die Verantwortung für die Missstände in Afrika oder auf dem indischen Subkontinent zu geben. Und seine Grundhaltung gegenüber den Menschen, die er porträtierte, wurde immer weniger wohlwollend. In seinen späteren Werken, warf der indische Schriftsteller Amitav Ghosh ihm vor, habe er die ehemaligen Kolonialstaaten nur mehr karikiert und sie im Vergleich zu Europa als „halb fertig“ dargestellt.

Aber selbst seine größten Kritiker – und Berichte wie „Über den Glauben hinaus: Reisen unter den islamisierten Völkern“ riefen etliche auf den Plan – mussten ihm zugestehen, dass er präzise beobachtete, und dass er die Kunst der Beschreibung beherrschte wie kaum einer.“ (…)

Naipauls Reiseberichte durch islamische Länder sind m. E. sehr lesenswert und zu empfehlen.