Medienspiegel

Der Islam: Zwischen Faschismus und Religion

Veröffentlicht
Fr, 08. Apr 2016

Eine Kritik an der unsäglichen Islam-Debatte

Von Joël Hoffmann

„Nach dem Ende des Kalten Krieges sind Religionen weltweit als Faktor politischer Auseinandersetzungen auffällig geworden – vor allem als konfliktverschärfende Kräfte: von den Balkankriegen über den innerislamischen ­Konflikt zwischen Sunniten (mit der Schutzmacht Saudi-Arabien) und ­Schiiten (Schutzmacht Iran) zu der Frage der Zukunftsfähigkeit des türkischen Laizismus unter der aktuellen islamistischen Regierung.“ (…)

„Das Problem an der linken Haltung ist, dass Schandtaten von Muslimen durch «strukturelle» Gründe, wie Islamophobie, Imperialismus oder Zionismus erklärt werden. Ferner führt die, um Muslime nicht zu stigmatisieren, geforderte Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus dazu, dass über die Ideologie der Täter geschwiegen wird und als Notwehr gegen den Westen gerechtfertigt wird. Damit werden aber die Kämpfer gegen Islamophobie gleichgültig gegen die alltäglichen und potenziellen Opfer, die unter dem Islam zu leiden haben. Ursprünglich war aber der Antirassismus dazu gedacht, den einzelnen Menschen vor dem Zugriff eines Kollektivs zu schützen.

Die Islamkritik von rechts ist anderweitig problematisch, weil rechte Rassisten ihr Ressentiment mit legitimer Islamkritik tarnen können. Rechte Populisten nutzen jedenfalls den Unmut der Bevölkerung aus. Es geht ihnen nicht um Kritik am Islam und seiner Herrschaftskultur, sondern um Macht – man kann mit dem Thema politisch punkten.

Durch die «Tabuisierungspolitik» (aufgrund europäischer Geschichte: Kolonialismus, Imperialismus, Holocaust) werden islamkritische Positionen ins politisch-moralische Zwielicht gerückt. Diese Diffamierung der Islamkritik birgt aber die Gefahr, dass der Unmut in der Bevölkerung steigt und die Rechtspopulisten weiter Auftrieb bekommen, welche wiederum genüsslich gegen die paradoxe Spezies der «linken Islamverteidiger» zu Felde ziehen können. Soziologe Krauss sagt dazu: «Auf diese Weise bilden rechte Pseudo-Islamkritiker und pseudolinke Islamverteidiger eine ebenso fatale wie aberwitzige Symbiose, die eine rationale Debatte kaum noch möglich macht.»

Die pauschale Verleumdung von Islamkritik als «fremdenfeindlich» oder «blasphemisch» bleibt dennoch verfehlt: Bei der Kritik geht es um nichts weniger als die Verteidigung errungener säkular-demokratischer Standards und Grundrechte, die überhaupt erst die Religionsfreiheit ermöglichen.“

https://verlag.baz.ch/artikel/?objectid=87B18D78-8329-4DFA-AD2CFC520E6C4BC9

Kommentar GB:

Bezüglich der Islamkritik von rechts (s. o.) scheint mir eine Differenzierung angebracht zu sein. Es dürfte den oben beschriebenen Fall geben, jedoch ist nicht zu sehen, weshalb es im konservativen Spektrum nicht ebenso eine ernsthafte und ernst gemeinte Islam-Kritik geben könnte oder sollte. Einerseits spricht eigentlich nichts dagegen, andererseits spricht dafür, daß es hochkompetente wissenschaftliche Islamkritiker in diesem Spektrum tatsächlich gibt, und ebenso dürfte es Politiker dieses Spektrums geben oder doch geben können, die eine solche Islam-Kritik praktisch werden lassen wollen, ohne daß Ihnen andere Motive (s. o.) unterstellt werden können.