Medienspiegel

Der Zerfall der politischen Kultur in Deutschland

„Seit 56 Jahren lebe ich als muslimischer Syrer in Deutschland, jedoch mit vielen Unterbrechungen im Ausland, da ich als Gastprofessor in den USA, im Nahen Osten, in Afrika und Südostasien tätig war. Diese Gastprofessuren ermöglichten mir, einen Abstand zu Deutschland zu gewinnen sowie eine bessere Urteilsfähigkeit zu erlangen.

Doch zu keinem Zeitpunkt erfuhr ich eine solche Vergiftung und eine derartige Links-Rechts-Polarisierung, wie sie heute unter Angela Merkel zu beobachten ist. Damit korrespondiert die Vorherrschaft eines links-grünen Narrativs. In einem Welt-Kommentar vom 18. Juli 2018 bemängelt Jacques Schuster, dass es in Debatten in Deutschland „nur eine Wahrheit gibt und alle anderen Ansichten zum Schweigen gebracht werden müssen. So verbissen und verbohrt, so gnadenlos und giftig.“

In meinem Buch „Europa ohne Identität“ schrieb ich vor zwei Jahren ein Kapitel, in dessen Titel meine These schon enthalten ist: „Eine demokratische ‚Debating Culture‘ erfordert ein freies Debattieren über Europa ohne Aufnötigung und ohne innere Zensurinstanz. Daher diese Warnung vor der Tyrannei des herrschenden Narrativs.“ Die Aufnötigung erfolgt unter Androhung des Einsatzes von Keulen, die existenziell vernichtend wirken können.“ (…)

Jedesmal, wenn ich Links-Grüne höre mit dem Anspruch, gegen Rassismus, Islamophobie kämpfen zu wollen, spüre ich, was dahinter steht: Machtgier. Ich finde hierbei Unterstützung von einer ehemaligen Bundesministerin, Kristina Schröder. In ihrem Welt-Essay vom 24.8.2018, „Der Kampf gegen rechts zielt auf die bürgerliche Mitte“, führt sie aus, dass es jenen Linken, „die sich mit staatlicher Unterstützung tummeln, es tatsächlich darum geht, alles zu bekämpfen, was nicht links ist … Es geht darum, politische Überzeugungen der Mitte als illegitim im demokratischen Diskurs zu brandmarken.“ Die Quintessenz lautet: Bei den links-grünen deutschen moralisierenden Wort-Wasserfällen geht es nicht um einen Kampf gegen Rassismus und Islamophobie, sondern um einen Hegemonialanspruch.

In der New York Times-Rezension (23.6.2017) des zitierten Buches „The Retreat Of Western Liberalis“ wird Autor Edward Luce mit diesem Satz zitiert: „Western liberal democracy is not yet dead, but it is far closer to collapse than we may wish to believe.“ Es wird hinzugefügt „The enemy from within.“ Mein Kommentar: Europa braucht eine neue Aufklärung.“

Bassam Tibi ist emeritierter Professor für Internationale Beziehungen in Göttingen.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der Basler Zeitung.

https://www.achgut.com/artikel/der_zerfall_der_politischen_kultur_in_deutschland

Ausgewählte Leserkommentare zu diesem Artikel:

Wolfgang Kaufmann / 13.10.2018

2000 Jahre Herrschaft des Rechts, 500 Jahre Ewiger Landfrieden, 300 Jahre Aufklärung und 200 Jahre Demokratie haben die Menschheit zivilisiert. Nur 50 Jahre feministisches Bauchdenken setzen alles wieder zurück auf Null.

M. Bürgers / 13.10.2018

Lieber Bassam Tibi, ich finde Ihre Ausführungen sehr hellsichtig und möchte fast allem zustimmen. Dafür, dass Sie moralische Totschlagargumente nicht im Sinne der muslimischen Sache verwenden, sondern dies explizit ablehnen, haben Sie meinen vollen Respekt (und auch für Ihre Versuche, den Islam zu reformieren). Widersprechen möchte ich jedoch Ihrer Argumentation bzgl. Islamophobie / Islamfeinde. Man kann alleine auf Basis der Lektüre des Koran mit seinen zahlreichen Mordaufrufen mit Fug und Recht ein Verbot dieser menschenverachtenden Schrift fordern und infolgedessen ebenso ein Verbot des Islam. Moslems, die in diesem Land bleiben möchten, können ja gerne konvertieren – die anderen mögen bitte das Land verlassen und dann woanders Unfrieden stiften. Die meisten Moslems nehmen es ja ohnehin mit dem Islam nicht besonders ernst, dann können sie ja ebensogut konvertieren und eine Menge gesellschaftlicher und persönlicher Probleme auf einmal lösen. Das Wort “Islamismus”, das Sie benutzen, ist lediglich eine manipulative Fiktion, die vorgibt, dass muslimischer Terror, Mord an Andersdenkenden und Welteroberungsgelüste rein gar nichts mit dem Islam und dem Koran zu tun hätten. Es gibt allerdings mittlerweile immer mehr Menschen in diesem Land, die nun einmal den Koran lesen und sich verwundert die Augen reiben. Danach sind sie dann in der Regel “Islamfeinde”. Ich hätte auch eine persönliche Bitte an Sie: Wenn Sie konvertieren könnten (mir ist vollkommen gleichgültig, ob zum Buddhismus, Christentum, Judentum etc.!), könnten Sie mit Ihrem klaren Geist und Ihrem Wissen die politische Entwicklung in Deutschland positiv beeinflussen und ein inspirierendes Beispiel für andere sein. Der Euro-Islam wird die bestehenden Probleme jedenfalls nicht lösen, weil Sie die Macht des Koran nur brechen können, indem Sie ihm abschwören und ihn verbannen und als das brandmarken, was er ist: Das Handbuch für Völkermord, Terror und psychopathische Herrschaft. 

Kommentar GB:

Infopakete: Renaissance der Aufklärung und Gleichstellungspolitik

und

http://www.hintergrund-verlag.de/buecher-Saekulare-Demokratie-verteidigen-und-ausbauen.html