Medienspiegel

Samuel Schirmbeck: „Liberale Muslime weltweit sind von Linken in Europa enttäuscht“

Samuel Schirmbeck war ARD-Korrespondent in Algerien. Er ist bis heute mit vielen algerischen Linken befreundet. Sie fühlen sich allein gelassen von Linken in Europa.

Schirmbecks neues Buch hat den Titel:

„Gefährliche Toleranz.

Der fatale Umgang der Linken mit dem Islam“.

Von Marie Wildermann

https://www.deutschlandfunk.de/samuel-schirmbeck-liberale-muslime-weltweit-sind-von-linken.886.de.html?dram:article_id=429722

Kommentar GB:

(…) „Die gesamte Islamkritik, und die besteht ja in Deutschland aus fünf, sechs Leuten, und vor allem die Islamkritik in der muslimischen Welt selbst, die längst alles widerlegt, was hier behauptet wird von der Linken über den Islam, die den Islam viel kritischer sieht, die wird hier nicht wahrgenommen.“ (…)

Islamkritik in der muslimischen Welt selbst? Wer ist das?

Liberale Muslime – gibt´s die?

Was bedeutet in diesem Zusammenhang überhaupt: liberal?

Was könnte damit gemeint sein?

Ist damit gemeint, daß ein mündig gewordener Mensch eigen-sinnig und selbstverantwortlich ein altes Buch, hier den Koran, schließt und geschlossen läßt, um das alles zu vergessen?

Oder sind damit vielleicht Muslime gemeint, die weiter nichts wollen, als mit einem schwach statt stark exekutierten Scharia-Recht zu leben? Die also etwas gegen Hinrichtungen mit dem – in Saudi-Arabien bis heute benutzten sehr konkreten – Schwert des Islams haben, besonders wenn sie selbst die Betroffenen sein könnten? Und die vielleicht deswegen – von wem eigentlich, von Europäern? – als „liberal“ bezeichnet werden?

Für ein Land wie Algerien, in dem Schirmbeck gelebt hat, könnte ich mir das vorstellen.

Warum ist die postmoderne Pseusolinke,

also in ihrem Selbstverständnis die Linke im weiten Sinn,

eigentlich islamophil. Das ist doch erst einmal das Gegenteil von dem, was man von einer religionskritischen Linken zu erwarten hätte. Karl Marx jedenfalls war nicht islamophil sondern beurteilte den Islam – übrigens auch nach heutigem Erkenntisstand sachlich zutreffend – sehr kritisch.

Aber  die postmoderne Pseudolinke weiß das natürlich besser, wie sie selbst meint.

Warum? Weil ihre Islamophilie ihren Judenhaß larviert und ihn so – auch in ihrer  Selbstwahrnehmung – verbirgt. Würde die Pseudolinke ihre Islamophilie überwinden und ablegen, dann wäre sie mit ihrem eigenen Judenhaß konfrontiert, der aber gesellschaftlich tabuisiert ist, so daß ihren Haß statt dessen auf imaginäre oder tatsächliche Rechtsextreme projiziert, bei denen sich dieser Haß teils ebenfalls findet, nur wird er dort nicht mittels einer völlig grotesken Islamophilie verleugnet.

Daher der enorme Widerstand – im psychoanalytischen Sinne – innerhalb der Pseudolinken, zur Islamkritik überzugehen. Täten sie das nämlich, dann zerfiele ihre Islamophilie in kürzester Zeit. Das ist allen Individuen möglich, die nicht von unbewußtem Judenhaß besessen sind, sondern lediglich ihre Unkenntnis – zweifellos ein großes Problem für sich – überwinden müssen. Auf sie wirkt dieser Lernprozeß jedoch befreiend und erweiternd, als ein Schritt zur Klarheit des Bewußtseins.

Die Islamophilie ist daher Ausdruck einer gescheiterten Verarbeitung der Shoah. Daher kann nicht die rational angemessene Position der Verantwortung in der Geschichte eingenommen werden, sondern es findet eine Regression in einen irrationalen Schuldkomplex statt, der öffentlich ritualisiert ausgelebt wird. Den Nachgeborenen kommt aber keine Schuld zu, sondern sie stehen in einer historischen Verantwortung. Diese Verantwortung fordert rational zu einem anderen Umgang nicht mit den Toten, sondern mit den Lebenden auf. Denn niemand und nichts kann die Vergangenheit ändern. Aber wir können und sollten die Gegenwart ändern und Einfluß auf die Zukunft nehmen, also das, was die Lebenden betrifft. Darauf sollte deshalb das Schwergewicht gelegt werden.

Für die Politik ergeben sich zwei Schlußfolgerungen.

Erstens ist eine realistische und angemessene, also nicht-illusionäre Politik bezüglich der islamischen Welt überhaupt nur auf Grundlage einer durchgeführten und kenntnisreichen Islamkritik möglich, und zwar unter Berücksichtigung der heutigen geopolitischen Konstellationen.

Zweitens kommt es entscheidend darauf an, die weiterhin gefährdete Lage der Juden nirgends hinzunehmen, insbesondere nicht im Nahen Osten, mit Blick auf Israel.