Medienspiegel

Juden in der AfD

Kein Recht auf extreme Meinungen?

Von David Schnei­der.

„Schon in den grö­ßen­wahn­sin­ni­gen La­bels „Wir sind mehr“ und „Un­teil­bar“, mit denen die bei­den zu­rück­lie­gen­den „an­ti­fa­schis­ti­schen“ Groß­ver­an­stal­tun­gen in Chem­nitz und Ber­lin be­wor­ben wur­den, klingt an, um was es bei die­sen Spek­ta­keln ging: um die Wie­der­be­le­bung der deut­schen Fe­ti­sche Masse, Macht und Ge­mein­schaft unter dem Vor­zei­chen von Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus und Is­la­mo­phi­lie.

Das Tri­umph­ge­fühl, das die er­folg­rei­chen Zu­sam­men­rot­tun­gen bei or­di­nä­ren Links­au­to­ri­tä­ren ge­weckt haben, ver­mag je­doch nicht dar­über hin­weg­zu­täu­schen, dass die vor­geb­lich edle Sache auf einer scham­lo­sen Bünd­nis­po­li­tik be­ruht, die vor dem Zu­sam­men­schluss mit Is­la­mis­ten und An­ti­se­mi­ten nicht zu­rück­schreckt. Wegen ihrer of­fen­kun­di­gen Ver­lo­gen­heit re­agiert die bunte Glau­bens­ge­mein­de trotz zah­len­mä­ßi­ger Über­le­gen­heit auf Ab­weich­ler immer hys­te­ri­scher. Die Wi­der­spens­tig­keit derer, die sich nicht der Wir-sind-mehr-Frak­ti­on an­schlie­ßen, wird als krän­ken­de Wei­ge­rung er­lebt, sich dem un­teil­ba­ren Mehr­heits­wil­len zu un­ter­wer­fen.“ (…)

https://www.achgut.com/artikel/juden_in_der_afd_kein_recht_auf_extreme_meinungen

Kommentar GB:

Ein sehr ausführlicher und m. E. wirklich glänzender Artikel, der unbedingt gelesen und diskutiert werden sollte, besonders in allen Parteigremien und allen Redaktionen, denn hier können sie etwas lernen; wenn sie das denn noch können.

Ich zitiere hier nur eine längere Passage, die für sich spricht:

„(…)

Gerade wir als Deutsche

Im Zen­trum der zart­füh­li­gen Is­ra­el­kri­tik, die auf of­fe­nen Ju­den­hass bzw. An­ti­zio­nis­mus immer mehr ver­zich­tet, steht die Er­in­ne­rungs­po­li­tik, bzw. das, was sich mit ihr be­grün­den und be­wir­ken lässt. Das Ler­nen aus der Ge­schich­te ist heute die Vor­leis­tung zur mo­ra­li­schen Über­le­gen­heit in allen Fra­gen. Dass das ver­ding­lich­te Ge­den­k­ri­tu­al einer spon­ta­nen Er­in­ne­rung, die auf ge­gen­wär­ti­ger Er­fah­rung be­ruht, in­kom­men­sura­bel ist und nichts mit der Treue zu den in Ausch­witz und an­ders­wo Er­mor­de­ten zu tun hat, muss nicht ei­gens er­wähnt wer­den.

Keine Über­ra­schung ist, dass die Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin der CDU, An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er, die aus der Er­mor­dung von Mil­lio­nen einen Fleiß­wett­be­werb macht, ihre po­li­ti­schen An­schau­un­gen nicht aus der Lek­tü­re von Ador­no und Jankélévitch ge­won­nen hat. Über­ra­schend ist aber, dass diese immer glei­chen In­stru­men­ta­li­sie­run­gen der Er­mor­de­ten kei­nen mehr auf­re­gen: „Wo wir aus dem Grau­en der Ver­gan­gen­heit ler­nen wol­len, spre­chen ihre Ver­tre­ter von einem ‚Denk­mal der Schan­de‘“. (23)

Klas­sen­bes­ter im Kurs „Ausch­witz für gute Deut­sche“ ist Heiko Maas, der laut Ei­gen­wer­bung wegen Ausch­witz in die Po­li­tik ge­gan­gen ist und nicht zu­fäl­lig so wirkt, als wäre er dem Film Die Feu­er­zan­gen­bow­le ent­sprun­gen. Tat­säch­lich in­kar­niert sich in Maas rei­ner als in jedem an­de­ren Mit­glied des Teams Mer­kel der deutsch­tü­meln­de Sün­den­stolz eines Volks von sich zu Ober­leh­rern auf­s­prei­zen­den re­frak­tä­ren Pri­ma­nern, denen das Be­leh­ren, Be­krit­teln und Er­mah­nen des zi­vi­li­sier­ten Rests der Mensch­heit als Alibi dient, um die ei­ge­nen Zer­stö­rungs­phan­ta­si­en aus­zu­le­ben.

Wäh­rend die Flucht fran­zö­si­scher Juden nach Is­ra­el an­hält und längst auch in Deutsch­land be­kannt ist, dass der Groß­teil an­ti­se­mi­tisch mo­ti­vier­ter An­grif­fe auf Juden von Mos­lems be­gan­gen wird, er­klä­ren Is­lam­wis­sen­schaft­ler, So­zio­lo­gen und Päd­ago­gen is­la­mi­schen An­ti­se­mi­tis­mus zu einem an­ti­mus­li­mi­schen Res­sen­ti­ment. Gleich­zei­tig ka­pri­zie­ren sich die An­ti­se­mi­tis­mus­ex­per­ten auf den so­ge­nann­ten se­kun­dä­ren An­ti­se­mi­tis­mus, dem es um pa­tho­lo­gi­sche Schuld­ab­wehr geht, bei der Juden des­we­gen stö­ren, weil sie an Ausch­witz er­in­nern. Auch wenn nicht aus­zu­schlie­ßen ist, dass sich die ver­schie­de­nen An­ti­se­mi­ten-Frak­tio­nen, je nach ge­sell­schaft­li­cher Kon­stel­la­ti­on, auf den ge­mein­sa­men Feind ei­ni­gen und sich ge­gen­sei­tig die Stich­wor­te lie­fern könn­ten, ist evi­dent, dass der se­kun­dä­re An­ti­se­mi­tis­mus bes­ser­ge­bil­de­ter Alt­her­ren­deut­scher sich vom un­ge­hemmt zur Tat schrei­ten­den Ju­den­hass un­ter­schei­det, der ge­gen­wär­tig unter Mos­lems am wei­tes­ten ver­brei­tet ist.

Für Deutsch­land gilt, dass mi­li­tan­ter Hass auf Juden mitt­ler­wei­le nur noch – und immer dann – ge­recht­fer­tigt und her­un­ter­ge­spielt wird, wenn er von Mos­lems aus­geht. Wenn der is­la­mi­sche An­ti­se­mi­tis­mus nicht gleich als Lüge an­ti­mus­li­mi­scher Ras­sis­ten ver­nied­licht wird, gel­ten Ma­ni­fes­ta­tio­nen des is­la­mi­schen Ju­den­has­ses als „Ein­zel­fäl­le“, die mit der is­la­mi­schen So­zia­li­sa­ti­on nichts zu tun haben.

An­ti­fa­schis­ti­scher Gra­tis­mut klingt dann so: „So warnt die AfD re­gel­mä­ßig vor der Be­dro­hung jü­di­schen Le­bens in Deutsch­land, die Täter*innen sind für sie dabei ganz klar mus­li­mi­sche Ge­flüch­te­te. Diese sol­len den Ju­den­hass nach Deutsch­land ge­bracht haben. Viel­leicht soll­ten die AfD-Mit­glie­der selbst noch ein­mal in die Schu­le gehen und sich über die Ver­bre­chen des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus bil­den. Viel­leicht er­ken­nen sie dann: Der größ­te Ju­den­hass kommt von den Deut­schen.“ (24) [FN: siehe unten im Bahamas-Artikel, GB]

http://beta.redaktion-bahamas.org/artikel/2018/80-kein-recht-auf-extreme-meinungen/

https://www.achgut.com/artikel/juden_in_der_afd_kein_recht_auf_extreme_meinungen